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Rudolph Moshammer: "Heimtückischer Mord aus Habgier"

Der Mord an Rudolph Moshammer ist mit Hilfe von DNA-Spuren am Tatort aufgeklärt: Ein 25-jähriger Iraker hat die Tat gestanden. Der Beschuldigte habe den Modezar im Streit um die Zahlung des vereinbarten Liebeslohns erdrosselt.

Es ging alles sehr schnell. Gegen 18.00 Uhr am Samstag spuckte der Polizeicomputer den Namen des Tatverdächtigen aus. Vier Stunden später wurde der 25 Jahre alte Iraker als mutmaßlicher Mörder von Rudolph Moshammer in München festgenommen. Als der Beschuldigte in seine Wohnung zurückkam, lag längst ein Spezialeinsatzkommando der Polizei auf der Lauer und griff zu. Gut drei Stunden später legte Herisch A. ein Geständnis ab. Die Polizei ist sehr stolz, dass sie nicht einmal 48 Stunden nach dem Mord an dem Münchner Modemacher den Täter gefasst hat. Er wurde durch einen DNA- Abgleich mit Tatortspuren identifiziert.

Zuvor hatte die "Sonderkommission Moshammer" fieberhaft Tag und Nacht die 200 gesicherten Tatortspuren und die über 500 Hinweise aus der Bevölkerung ausgewertet. Eine DNA-Spur an dem Elektrokabel, mit dem Moshammer erdrosselt wurde, stimmte mit der DNA des Tatverdächtigen überein.

Dessen DNA-Code war aus einem früheren Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung einer Frau in der DNA-Bank des Bundeskriminalamts gespeichert. Das Verfahren wurde im vergangenen Jahr mangels Beweises eingestellt, doch der Iraker hatte im Zuge der Ermittlungen freiwillig eine Speichelprobe abgegeben - deren Daten waren noch nicht wieder gelöscht.

Hilfe von "Kommissar Zufall"

"Wäre uns dieser Zufall nicht zugute gekommen, wäre die Aufklärung nicht so schnell erfolgt", sagt Oberstaatsanwalt Peter Boie. Und die Ermittler nehmen dies zum Anlass, für einen Ausbau der rechtlichen Möglichkeit für DNA-Proben zu werben. "Die Zweifler müssen jetzt zurückstehen", sagt der Chef der Sonderkommission, Harald Pickert. Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte umgehend einen verstärkten Einsatz von DNA-Analysen.

Vor der Festnahme des Irakers müssen die Einsatzkräfte erst einmal genau hinschauen. Denn der Gesuchte hat sich die dichten schwarzen Haare abgeschoren. Offenbar wollte er eine mögliche Identifikation durch Zeugen so verhindern. Ins Polizeipräsidium gebracht, leugnet der 25-Jährige zunächst hartnäckig die Tat. Doch dann gibt er auf: Moshammer habe mit seinem Rolls Royce am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht am Münchner Hauptbahnhof angehalten, das Fenster runtergelassen und ihn angesprochen, sagte der 25-Jährige. Moshammer habe ihm 2000 Euro für sexuelle Handlungen angeboten, da sei er zu ihm in den Wagen gestiegen und mit nach Grünwald gefahren.

Doch dann gab es Streit. Moshammer habe ihm den vereinbarten Liebeslohn nicht zahlen wollen, sondern gedroht, ihn hinauszuwerfen und die Polizei zu rufen. Da packte der junge Mann ein Elektrokabel, schlang es seinem Opfer um den Hals und erdrosselte den 64-Jährigen. "Das muss alles blitzschnell geschehen sein", sagt Pickert. "Herr Moshammer hatte keine Chance." Das Opfer hatte keinerlei Möglichkeit mehr zur Gegenwehr. Er habe kein Geld bei Moshammer gefunden und sei dann panikartig geflohen, sagte der Iraker aus.

Soko-Chef Pickert verneint die Frage von Journalisten, ob der Tatverdächtige Reue gezeigt habe. Der 25-Jährige äußere vielmehr ständiges Selbstmitleid, dass er so wenig Geld habe und es anderen mit teuren Autos und Wohnungen so gut gehe. Der Tatverdächtige, der als Koch in München gearbeitet hat, betont bei der Polizei, dass er kein Stricher sei. Er habe aber finanzielle Probleme und erhebliche Schulden. Der Iraker kam 2001 nach Deutschland, war zuerst im Norden und kam dann ein Jahr später nach München. Er hatte nach Polizeiangaben einen Asylantrag gestellt und besitzt eine gültige Aufenthaltserlaubnis.

"Heimtücke und Habgier"

Oberstaatsanwalt Boie wertet die Tat als Mord. Sie sei heimtückisch und aus Habgier begangen worden. Angesichts des DNA-Beweises und des Geständnisses rechnet Boie noch in diesem Jahr mit dem Strafprozess gegen den Iraker: "Wir haben eine solide Grundlage für den Prozess."

Jürgen Balthasar/DPA / DPA