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Eurovision Song Contest: Dittsche fährt nach Athen

Der Komiker Olli Dittrich - im Bademantel auch als "Dittsche" bekannt - hat die Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest gewonnen. Beim Hauptwettbewerb in Athen konnte Texas Lightning die Hoffnungen jedoch nicht erfüllen.

Texas Lightning singen für Deutschland beim Grand- Prix-Finale. Die Country-Band um den Komiker Olli Dittrich gewann am Donnerstagabend in Hamburg den deutschen Vorentscheid. Mit dem fetzigen Lied "No No Never" setzten sich die vier Musiker und ihre Sängerin Jane Comerford gegen die Balladen ihrer Konkurrenten Vicky Leandros und Thomas Anders durch.

Texas Lightning interpretieren sonst Pop- und Rock-Klassiker im Country-Gewand - immer mit einem Augenzwinkern. Für den Grand Prix mussten sie aber ein eigenes Lied präsentieren. Mit ihrem Country- Tanzsong "No No Never" überzeugten sie die Fernsehzuschauer, die per Telefonabstimmung den deutschen Vertreter wählten.

Moderator Thomas Hermanns, ein langjähriger Grand-Prix-Fan und -Fachmann, führte souverän durch die 90-minütige Show, die immer wieder von Beifallsstürmen der 800 Zuschauer im Hamburger Schauspielhaus begleitet wurde.

Nix für Mooshammers

Die drei Kandidaten präsentierten sich allesamt in guter Form und gaben sich weder stimmlich noch vom Auftreten her eine Blöße - ein deutlicher Unterschied zu früheren Vorentscheiden, bei denen Vertreter der Spaßfraktion wie Big-Brother-Kandidat Zlatko oder Modemacher Rudolph Moshammer durch wenig stimmliche Begabung aufgefallen waren.

"Grande Dame" Leandros trat zu ihrer Ballade "Don’t Break My Heart" im roten Abendkleid mit hohem Beinschlitz auf die Bühne, Texas Lightning sangen vor erleuchteten Plastik-Kakteen ihr Siegerlied, und Ex-Modern-Talking-Sänger Anders saß zu seiner Hymne "Songs That Live Forever" am weißen Klavier - dabei meisterte er souverän eine technische Panne zu Beginn seines Auftritts: Als der Strom ausblieb, musste er drei Mal ansetzen, bis es endlich klappte.

Neben dem Wettbewerbssong präsentierten die Konkurrenten auch jeweils eine Coverversion eines alten Grand-Prix-Titels. Leandros, die bereits zwei Mal für Luxemburg beim Grand Prix dabei war, hatte sich für ihren Siegertitel von 1972, "Aprés toi", entschieden, Texas Lightning für ABBAs "Waterloo" (1974) und Anders für Domenico Mudugnos "Volare" (1958).

Kein bisschen Frieden

Die ARD feierte an diesem Abend auch "50 Jahre Grand Prix" mit einer Reihe ehemaliger Gewinner wie Brotherhood of Man, Dana International oder den Olsen Brothers. Zu Beginn traten zudem frühere deutsche Grand-Prix-Kandidaten wie Michelle, Corinna May oder Joy Fleming auf, die ein Medley ihrer Wettbewerbssongs sangen - nicht unbedingt der beste Part der Sendung. Schlagersängerin Nicole, die 1982 mit "Ein bißchen Frieden" den bislang einzigen deutschen Sieg geholt hatte, war der Einladung nach Hamburg nicht gefolgt.

Bei der Endrunde des Wettbewerbs in Athen blieb die als Geheimfavorit gehandelte Band Texas Lightning allerdings hinter den Erwartungen zurück: Sie landete nur auf Platz 15. In der perfekt organisierten Drei-Stunden-Show in der griechischen Hauptstadt ragte die finnische Heavy-Metal-Band Lordi mit ihren schaurigen Monstermasken, martialischen Kostümen und heulenden Gitarren klar aus der Masse der 24 Teilnehmerländer heraus. Ihr Song "Hard Rock Hallelujah", der musikalisch zu den besten gehörte, bekam fast aus jedem der 38 stimmberechtigten Eurovisions-Länder hohe Punktzahlen. Damit fuhren die Rocker den ersten Sieg für Finnland in 50 Jahren Grand-Prix- Geschichte ein.

"Alle standen hinter uns"

Dennoch zeigte Texas Lightning sich nach dem Wettbewerb nicht allzu enttäuscht: "Wir hatten ein so schöne Zeit in Athen. Für jeden Musikanten ist es etwas Tolles, hier dabei zu sein", sagte Dittrich in der ARD. Für jeden Leistungssportler sei es das Ziel, ein Mal bei den Olympischen Spielen zu starten. "Und wir durften das auch noch an olympischer Stätte", meinte er. Die Band sei guter Laune, weil ihr mit "No No Never" einen schöner Song geglückt sei - "und wir lieben ihn nach wie vor". Sängerin Jane Comerford schwärmte von der Stimmung in Athen. "Wir haben unser Bestes gegeben", meinte die gebürtige Australierin. "Wir wussten, dass alle hinter uns standen."

tk mit DPA