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Spanisches Königshaus: Juan Carlos' Tante rechnet mit Familie ab

Spaniens König Juan Carlos dürfte ärgerlich die Nase gerümpft haben: Seine Tante gab zu Protokoll, die Bourbonen seien allesamt Schürzenjäger und nach Sex verrückt.

Spaniens König Juan Carlos dürfte ärgerlich die Nase gerümpft haben. Was seine Tante da von sich gab, konnte dem Monarchen nicht gefallen. Die Bourbonen seien allesamt Schürzenjäger und nach Sex verrückt, zog die königliche Tante über das spanische Herrscherhaus her. Öffentliche Kritik an der Verwandtschaft - obendrein in so harschen Worten - ist man am Hofe nicht gewöhnt. Spaniens königliche Familie achtet peinlich darauf, das Königshaus von Skandalen frei zu halten - und das mit großen Erfolg.

Was mag die Tante nur dazu bewogen haben, solche Gepflogenheiten über den Haufen zu werfen? Emanuela Dampierre ist eine verbitterte alte Frau. Viele Jahrzehnte hatte die Tante von Juan Carlos allen Ärger über die spanischen "Royals" in sich hineingefressen. Aber nun im Alter von fast 90 Jahren holte sie zum großen Rundumschlag aus.

Ungewollt verheiratet

Sie veröffentlichte ihre Memoiren und rechnete nicht nur mit dem Königshaus, sondern mit der gesamten Dynastie der Bourbonen ab. Die aus einer Adelsfamilie stammende Frau war eine Schönheit, als sie im Alter von 21 Jahren den taubstummen Infanten Don Jaime, den zweitältesten Sohn von König Alfonso XIII. (1886-1941), heiratete. Die Heirat war arrangiert, die Braut wurde gar nicht erst gefragt.

Thronverzicht wegen Liebesheirat

Der älteste Sohn des damals im Exil lebenden Monarchen, der ebenfalls Alfonso hieß, hatte auf seine Thronrechte verzichtet, weil er eine junge Kubanerin heiraten wollte. Jaime wurde daraufhin wegen seiner Taubstummheit ebenfalls zum Verzicht gedrängt. Damit rückte Don Juan, der Vater von Juan Carlos, an die erste Stelle der Thronfolge.

Hurerei und Gegrabsche

Emanuela Dampierre beschreibt ihren Ex-Mann Don Jaime als einen Weiberhelden, der das Geld zum Fenster hinauswarf, sich zahlreiche Liebschaften hielt und Prostituierte frequentierte. "Er brachte sogar Huren mit nach Hause", berichtet sie entrüstet. Der Vater des jetzigen Königs kommt in den Memoiren nicht besser davon: "Don Juan fasste mich in einem Aufzug mal an den Po und sagte, ich hätte einen strammen Hintern", schreibt Emanuela in den Memoiren.

"Die Bourbonen sind grob und vulgär. Das muss genetisch bedingt sein, denn das war schon immer so." Mit König Juan Carlos geht sie eher gnädig um: "Juanito ist sehr leutselig. Aber für mich ist er immer ein großer Junge geblieben." Emanuelas ältester Sohn Alfonso war einst als Anwärter auf den Thron gehandelt worden.

"Hier gehöre ich hin"

In den 50er und 60er Jahren kursierten Gerüchte, der damalige Diktator Francisco Franco (1939-1975) wolle ihn an Stelle von Juan Carlos zum König machen. Diese Spekulationen erhielten Auftrieb, als Alfonso eine Enkelin des Diktators heiratete. Aber letzten Endes bewahrheiteten sie sich nicht. Alfonso soll später bei einem Besuch im königlichen Zarzuela-Palast gesagt haben: "Hier gehöre ich eigentlich hin."

Seine Mutter nimmt mit den Memoiren nun Rache dafür, dass ihre Familie vom Königshaus nach ihrer Ansicht ungerecht behandelt wurde. Für Jaimes Verzicht auf die Thronrechte habe sie keine Anerkennung erhalten. Das Herrscherhaus habe sie und ihre Söhne herablassend behandelt.

Die große Verliererin der spanischen Geschichte

Emanuela Dampierre geht als die große Verliererin der Bourbonen in die Annalen der Dynastie ein. "Sie war wie Lady Di eine betrogene Braut, eine gedemütigte Ehefrau und eine schmerzerfüllte Mutter", meint der Königshaus-Experte Jaime Peñafiel. Emanuela erlitt eine Serie schwerer Schicksalsschläge. Ihr erster Sohn Alfonso wurde 1989 bei einem Ski-Unfall enthauptet. Der zweite Sohn Gonzalo starb vor drei Jahren an Leukämie. Ein Enkel kam bei einem Autounfall ums Leben.

Hubert Kahl, dpa / DPA
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