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Tennis: Becker versöhnt sich mit Stich

Aus erbitterten Rivalen sind fast Freunde geworden. Boris Becker und Michael Stich haben die teils kindischen Streitereien aus ihrer Tennis-Ära ad acta gelegt

Aus erbitterten Rivalen sind fast Freunde geworden. Boris Becker und Michael Stich haben die teils kindischen Streitereien aus ihrer Tennis-Ära ad acta gelegt und sind sich als Geschäftspartner nahe gekommen. Drei Tage vor dem Daviscup-Revival gegen die Amerikaner John und Patrick McEnroe am Hamburger Rothenbaum trafen sich die beiden Wimbledonsieger in der am Montagabend ausgestrahlten ARD-Talkshow "Beckmann" zum inszenierten Versöhnungs-Gipfel erstmals wieder gemeinsam vor einer Fernsehkamera.

Freundschaft ohne Bruderkuss

Die Tennis-Senioren verstanden sich bei der Aufzeichnung prächtig und überboten sich mit Selbsterkenntnissen. "Deutschland war vielleicht zu klein für zwei gute Tennisspieler", sagte Becker und ergänzte mit Blick auf seine Psychotricks auf und neben dem Center Court: "Für viele Dinge, wenn ich sie jetzt in der Replik sehe, schäme ich mich." Stich meinte: "Es gab sicherlich oft Situationen, dass ich dachte: Jetzt langt es!" Als Becker im TV-Studio nun sogar seinen Arm um ihn legte, lehnte Stich den von Moderator Reinold Beckmann erwarteten "Bruderkuss" aber grinsend ab. "Nein", meinte er, "so weit muss es jetzt nicht gehen."

Immer noch unterschiedlich

Schwarz und weiß, so gegensätzlich wie sie in den Medien als Tennis-Helden galten, war im TV-Studio nur ihre Kleidung. Becker (35), jugendlich getrimmt im weißen Designer-Anzug mit schwarzem Hemd über der Hose und in die Höhe gegelten Haaren - daneben Stich (34) im seriösen dunklen Anzug mit bravem weißen Hemd in der Hose, gelbem Schlips als Farbtupfer und den Haaren streng nach hinten gekämmt.

Einige Klischees zerplatzten

Mit dem Klischee, dass er der "Kopfmensch" war und Becker der "Gefühlsmensch", räumte Stich auf. "Ich bin auch ein sehr emotionaler Mensch." Diese Emotionen waren es, die eine friedliche Koexistenz lange verhindert haben. Stichs Sieg im Wimbledon-Finale gegen Becker 1991 tat ein übriges. "Wir waren bittere Rivalen. Mein Problem mit ihm war, er war so teuflisch gut auf dem Platz; an einem guten Tag unschlagbar", sagte Becker, der Erfolgreichere und bei der breiten Masse auch der Beliebtere.

Bald Stich-Scheidung

Gemeinsamkeiten gibt es auch im Privatleben beider. Während Beckers Ehe mit Barbara nach einem Rosenkrieg geschieden ist, lebt Stich getrennt von seiner Frau Jessica in Hamburg. "Wir wollen uns bald scheiden lassen." Während er in der Hansestadt den "Ort der Ruhe, des Angekommenseins" gefunden hat, ist Becker ein Getriebener: "Ich hatte ein Lebensmodell, 10 Jahre München, der Spießer hoch zehn mit seinem Garten, seinem Baum und seiner Garage. Das ist nicht mehr mein Ding. Mein größter finanzieller Flop war meine Ehe."

Anfang von etwas Neuem

Am Donnerstag/Freitag reist das Duo Becker/Stich in die Vergangenheit beim Daviscup-Rematch gegen die USA um die "Baron-von-Cramm-Trophy". Ein besonderes Ereignis für die von den aktuellen deutschen Tennis-Größen wahrlich nicht verwöhnten Fans. "Vielleicht ist es der Anfang einer guten Partnerschaft", sagte Becker am Sonntag am Ende der TV-Aufzeichnung. Und Stich ergänzte: "Kann ja auch der Anfang einer Freundschaft sein."