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Todesursache von Michael Jackson: Ein "Thriller" - über den Tod hinaus

Nach der ersten Autopsie in der Gerichtsmedizin von Los Angeles ließ die Familie den Leichnam des Superstars erneut obduzieren - von einem privaten forensischen Pathologen. Der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos erklärt die Hintergründe - und vermutet eine Vergiftung als Todesursache.

"Thriller" war sein 1982 erschienenes Album betitelt, mit dem Michael Jackson muskalisch und vor allem kommerziell in eine neue Dimension vordrang. Nun wird die Klärung von Michael Jacksons Todesursache offensichtlich zu einem weiteren Thriller. Nach Abschluss der ersten Obduktion in der Gerichtsmedizin von Los Angeles, bei der die Todesursache Jacksons nicht geklärt werden konnte, ließ seine Familie nur wenige Stunden später eine zweite Obduktion von einem weiteren forensischen Pathologen durchführen. So rätselhaft wie für viele sein Leben war, so rätselhaft ist nun auch sein Tod.

Die gerichtsmedizinische Obduktion erbrachte keine Hinweise auf eine todesursächliche äußere Gewalteinwirkung, womit beispielsweise ein Angriff gegen den Hals, eine stumpfe äußere Gewalteinwirkung etwa durch Schläge oder Tritte oder andere gewaltsame Todesursachen wie Stich- und Schussverletzungen ausgeschlossen werden konnten. Solche Zeichen eines gewaltsamen Todes erschließen sich den untersuchenden Rechtsmedizinern bei der äußeren Leichenschau und der anschließenden Obduktion und sind für den erfahrenen Untersucher nicht zu übersehen.

Fremdverschulden kann nicht ausgeschlossen werden

Was allerdings nicht bedeutet, dass ein Fremdverschulden ("Gewalt durch fremde Hand") per se damit ausgeschlossen werden kann. Denn eine tödliche Giftbeibringung - die derzeit im Fall Jackson in Betracht gezogen werden muss, weil er kurz vor seinem Tod ein opiathaltiges Medikament injiziert bekommen haben soll - kann bei der eigentlichen Obduktion nicht festgestellt werden. Eine todesursächliche Intoxikation aber, eine Vergiftung also, lässt sich aufgrund der medizinischen Vorgeschichte, wie sie jetzt im Fall Jackson bekannt geworden ist, durchaus vermuten. Zumal eine morphologisch fassbare Todesursache fehlt und die Befunde an den inneren Organen in einem solchen Fall eher unspezifisch sind: Hirnschwellung (Hirnödem), Überwässerung der Lungen (Lungenödem) und akute Blutstauung der inneren Organe.

Ergeben sich die oben genannten Verdachtsmomente, werden im Anschluss an die Obduktion chemisch-toxikologische Untersuchungen verschiedener Organ- und Gewebeproben inklusive Blut, Urin und Haare eingeleitet - deren Ergebnisse im Fall Jackson in vier bis sechs Wochen erwartet werden.

Dass es offiziell weiter heißt, dass die Todesursache Jacksons durch die gerichtsmedizinische Obduktion nicht geklärt werden konnte, ist ein sicheres Indiz dafür, dass der Superstar der Popmusik offenbar nicht an gravierenden vorbestehenden inneren Erkrankungen litt, wie zum Beispiel an einer Herzerkrankung oder einem Krebsleiden, schweren Krankheiten also, die den Tod Jacksons zum gegebenen Zeitpunkt hinlänglich hätten erklären können.

Allerdings kann sich eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) dem makroskopischen Nachweis, der Betrachtung mit dem bloßen Auge, im Rahmen der Obduktion entziehen, sodass auch Organ- und Gewebeproben Jacksons sicherlich von den Gerichtsmedizinern noch unter dem Mikroskop untersucht werden.

Eine Haaranalyse bringt Klarheit

Laboruntersuchungen nehmen Zeit in Anspruch, Ergebnisse müssen überprüft und verifiziert werden. Michael Jackson soll seit vielen Jahren medikamentenabhängig gewesen sein. Eine Haaranalyse - wenn er denn noch eigene Haare hatte - könnte das Ausmaß von Jacksons Tablettenabhängigkeit in qualitativer und quantitativer Hinsicht definitiv klären. Haare sind wie ein Archiv. In ihnen lagern sich die Abbauprodukte von Drogen und Medikamenten ab, sodass sich deren Konsum - in Abhängigkeit der Haarlänge - objektivieren lässt.

Bewahrheitet sich die Vermutung, dass eine Misch-Intoxikation mit mehreren unterschiedlichen Medikamenten die Ursache für Michael Jacksons plötzlichen Tod ist, würde er sich in die traurige Riege der Berühmtheiten einreihen, deren Ableben ebenfalls durch eine Überdosis verschiedener Schmerz- und Beruhigungsmittel zurückzuführen ist: Marilyn Monroe, Elvis Presley, Anna Nicole Smith und zuletzt 2008 Heath Ledger. In der richtigen Dosierung und als einzelne Substanz genommen, führen diese Medikamente die jeweils gewünschte Wirkung wie Beruhigung, Lösung von Angst- oder Spannungszuständen, Schläfrigkeit oder Schmerzlinderung herbei.

In ihrer Kombination machen sie jedoch einen tödlichen Gift-Cocktail aus.

Prof. Dr. Michael Tsokos, 42, leitet das Institut für Rechtsmedizin der Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin.