Türck-Prozess "Er hat mich vergewaltigt"


Sie gilt als Schlüsselzeugin und hat Moderator Andreas Türck schwer belastet: Die Freundin des angeblichen Vergewaltigungsopfers hat am Vormittag vor dem Frankfurter Landgericht ausgesagt.

Im Vergewaltigungsprozess gegen TV-Moderator Andreas Türck hat die Freundin des mutmaßlichen Opfers am Donnerstag als eine Hauptzeugin ausgesagt. Die 24-Jährige sagte vor dem Frankfurter Landgericht, sie habe gesehen, dass Katharina B. auf einer Mainbrücke Sex mit Türck gehabt habe. Auf dem Heimweg habe sie sich wenig später bei ihr eingehakt, habe "schrecklich geweint", sich übergeben und gesagt "Er hat mich vergewaltigt".

Türck hatte die Anklagevorwürfe der Vergewaltigung und Körperverletzung bestritten. Er soll Katharina B. nach einem Barbesuch auf der Honsell-Brücke gewaltsam zu Oralsex gezwungen und ihren Kopf gegen das Geländer geschlagen haben. In der Nähe befanden sich sein Freund und die Freundin von Katharina B., die jetzt als Zeugin aussagte.

"'Kathi' hat am Boden gekniet"

Die 24-Jährige berichtete, am Abend des 24. August 2002 hätten Katharina und sie in der "Sansibar" mehrere Cocktails getrunken und Türck mit seinem Begleiter kennen gelernt. Sie bestritt, dass "Kathi" in der Bar ihre Hose heruntergezogen oder ihr Top hochgehalten habe. Türck nahm die drei in seinem Auto mit, um zu einem anderen Lokal zu fahren. Er habe auch entschieden, an der Honsell-Brücke anzuhalten, sagte die Zeugin. Dann habe er zu Katharina B. gesagt: "Kommst du mal mit?" und sei mit ihr ein Stück weg gegangen. Sein Freund habe versucht, sie zu küssen, sagte die heute 24-Jährige. Sie habe ihn abgewehrt. Im Dunkeln habe sie das rote Trägertop ihrer Freundin gesehen. "Kathi" habe am Boden gekniet oder gesessen.

"Ich war schockiert", sagte die Zeugin. Sie habe Türcks Freund gefragt: "Was machen die denn da?" Er habe geantwortet: "Die sind alt genug, die werden schon wissen, was sie tun." "Kathi" sei dann zu ihnen zurück gekommen und habe zunächst nur gesagt: "Lass mich an deiner Zigarette ziehen." Dann sei sie zurück zu Türck gegangen. Als sie sich dann gemeinsam auf den Weg zum Auto gemacht hätten, habe Katharina B. verwirrt gewirkt und gesagt: "Ich muss dringend zu McDonald's und einen Bigmac essen." Nachdem sie sich von den beiden Begleitern getrennt hätten und auf dem Weg zum Taxi gewesen seien, habe sich Katharina B. bei ihr eingehakt, zu weinen angefangen, sich übergeben und gesagt: "Er hat mich vergewaltigt".

"Das wird er noch bereuen"

Die Freundin berichtete dem Gericht weiter, sie habe ihr geraten, einen Arzt aufzusuchen: "Du brauchst ein Attest." Doch "Kathi" habe das abgelehnt. In ihrer Wohnung habe sie sich noch mehrmals übergeben. Die 24-Jährige sagte, sie habe Türcks Freund angerufen und ihm gesagt: "Das wird er noch bereuen". Katharina B. habe ihr gesagt: "Wenn wir ihn nicht anzeigen, werden wir etwas anderes tun." Nachdem sie geschlafen habe, sei sie mit Kopfschmerzen aufgewacht. Die Zeugin sagte, sie habe am Hals von "Kathi" rote Flecken gesehen, das seien keine Knutschflecken gewesen. Etwas später hätten sie zusammen eine Sendung mit Andreas Türck im Fernsehen angesehen.

Zwei Tage nach dem Vorfall auf der Brücke hätten sie erneut darüber gesprochen, ob sie Anzeige erstatten sollten. Katharina B. habe das abgelehnt, weil sie keinen "Rummel" gewollt habe. Die 27. Strafkammer lehnte Anträge der Verteidigung ab, die Protokolle abgehörter Telefonate und SMS als Beweismaterial zuzulassen. Katharina B. hatte sich telefonisch einem Bekannten anvertraut, dessen Telefon überwacht wurde. Dadurch kamen die Ermittlungen in Gang. Sie selbst soll später als Zeugin aussagen, kann aber als Nebenklägerin bereits am Prozess teilnehmen.

AP, DPA AP DPA

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