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Türck-Prozess: "Nicht schwer, sexuelle Kontakte mit ihr einzugehen"

Zwei Zeugen der Verteidigung haben im Prozess gegen Andreas Türck das potentielle Opfer als Geschichtenerzählerin und leichtes Mädchen beschrieben. Ein Gutachten attestiert der Frau zudem eine labile Persönlichkeit.

Im Vergewaltigungsprozess gegen den früheren TV-Moderator Andreas Türck haben auf Antrag der Verteidigung zwei weitere Zeugen ausgesagt. Eine frühere Schulkameradin des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers sagte vor dem Frankfurter Landgericht, Katharina B. habe während der Schulzeit viele Geschichten erzählt, etwa über eine Leukämieerkrankung. Auf einer Klassenfahrt nach Italien habe sie in einem Brief geschrieben, dass sie von zwei Italienern vergewaltigt worden sei.

Zudem wurde ein Zeuge vernommen, der in der fraglichen Nacht in der Frankfurter Sansibar anwesend war, wo sich B. und Türck kennen lernten. Der Ex-Geschäftsführer einer Striptease-Discothek sagte vor dem Landgericht Frankfurt, die 29 Jahre alte Bankkauffrau habe beispielsweise eines morgens bei seiner damaligen Freundin angerufen und von "mehreren Typen" gesprochen, mit denen sie die Nacht verbracht habe. "Es war damals nicht sonderlich schwer, mit ihr sexuelle Kontakte einzugehen", sagte der 33 Jahre alte Zeuge. Im Hinblick auf den Bekanntheitsgrad des Angeklagten sagte er, "Türck hätte auch Schuster oder Bäcker sein können, wenn er nur lustig gewesen wäre".

Geschichten aus der Frankfurter Szene

Am Abend vor der angeklagten Vergewaltigung im August 2002 sei er mit der Bankkauffrau und der Freundin in dem Szene-Lokal gewesen. Nachdem sich beide Frauen sehr aufreizend benommen hätten, habe er "angesäuert" die Bar verlassen, noch ehe er Türck habe wahrnehmen können. In der Nacht sei er von seiner Freundin angerufen worden, die ihm die Geschichte von der angeblichen Vergewaltigung erzählt habe. Er habe sie aber nicht geglaubt.

Am Nachmittag wird die bereits begonnene Verlesung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens fortgesetzt werden. Die Gutachterin attestierte B. eine labile Persönlichkeitsstruktur und erklärte, sie könne offenbar Erlebnis und Illusion nicht auseinander halten. Ihr Verhalten und ihre Aussage sprächen aber nicht dafür, dass sie bewusst eine Falschaussage gemacht habe, mit der sie gezielt Türck habe schädigen wollen. Es handele sich vielmehr um eine unbewusste Falschaussage, da ihre Persönlichkeit "im Grenzbereich einer Störung" liege.

Türck soll Katharina B. in der Nacht vom 24. auf den 25. August 2002 nach einem Barbesuch auf der Frankfurter Honsell-Brücke zu Oralsex gezwungen und ihren Kopf gegen das Geländer geschlagen haben. Türck, der sich im Prozess nicht äußert, bestreitet den Oralsex nicht, gab in seiner polizeilichen Vernehmung aber an, die Initiative sei von B. ausgegangen. B. zeigte Türck nicht an, die Ermittler stießen auf den Fall, als sie wegen Drogenermittlungen ein Telefongespräch B.s mit einem Bekannten abhörten, in dem diese berichtete, sie sei von Türck vergewaltigt worden.

AP/DPA / AP / DPA