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Türck-Prozess: Freispruch und doch nur Verlierer

Der wegen Vergewaltigung angeklagte Andreas Türck ist freigesprochen worden. Das Gericht wollte der Klägerin keinen Glauben schenken. Trotzdem gibt es nur Verlierer.

Der wegen Vergewaltigung angeklagte Ex-Fernsehmoderator Andreas Türck ist freigesprochen worden. Die 27. Große Strafkammer des Frankfurter Landgerichts unter Vorsitz der Richterin Bärbel Stock folgte damit den Anträgen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Der 36-jährige Türck war wegen Oralsex auf einer Brücke in Frankfurt am Main im Sommer 2002 der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und der Körperverletzung angeklagt.

Zwei Glaubwürdigkeitsgutachten hatten ergeben, dass das mutmaßliche Opfer, eine damals 26-jährige Bankangestellte, die von gewaltsam erzwungenem Sex sprach, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Wahrheit sagte. Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft auf Freispruch plädiert, während die Vertreterin der Nebenklage weiter eine Verurteilung wegen Vergewaltigung gefordert hatte.

Kein Freispruch wegen erwiesener Unschuld

In die Freude über den erreichten Freispruch für seinen Mandanten Andreas Türck mischt sich bei Rechtsanwalt Rüdiger Weithaas Bitternis. "Es gibt nur Verlierer", sagt der Advokat aus Ludwigshafen über die unmittelbaren Folgen des beendeten Vergewaltigungsprozesses.

Ein Freispruch wegen erwiesener Unschuld ist das zwar nicht, auch wenn sich Anwalt Weithaas darüber freut, dass am Ende sogar die Staatsanwaltschaft von ihrer Anklage ließ und selbst auf Freispruch plädierte. Talkmaster Türck bleibt unbescholten, sein öffentliches Bild als smarter Frauenversteher und Schwiegermutterliebling hat aber möglicherweise schon wegen seiner rüden Sexualpraktiken Kratzer bekommen. Sein früherer Sender ProSieben zeigte sich nach dem Freispruch immerhin gesprächsbereit: "Wenn Andreas Türck weiter im Fernsehen auftreten möchte, werden wir uns gerne mit ihm zusammensetzen", sagte Sendersprecher Christoph Körfer in München.

Schwierige Rückkehr in die Normalität

Weit schwieriger dürfte die Rückkehr in die Normalität für das vermeintliche Opfer werden, das auch am zehnten und letzten Verhandlungstag am Rande eines Zusammenbruchs stand. In einer kaum nachvollziehbaren Weise hatte sich die 29-Jährige der Öffentlichkeit und dem Prozess gestellt, in dem ihre widersprüchliche Persönlichkeit seziert wurde. Schon am ersten Prozesstag verlasen Türcks Anwälte polizeiliche Abhörprotokolle, die sie als psychisch und körperlich labile Drogenabhängige erscheinen ließen. Der stets überaus korrekt gekleidete Türck hingegen durfte schweigen, über ihn erfuhr das neugierige, meist junge Publikum wenig.

"Sie ist durch ein Fegefeuer gegangen", sagt die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock voller Unverständnis über die ständige und keineswegs vorgeschriebene Präsenz der Nebenklägerin, die sich zudem häufig fotografieren ließ. Zwei Gutachter hatten die Glaubwürdigkeit der psychisch labilen Frau bezweifelt: Sie habe sich das nächtliche Ereignis wahrscheinlich in eine Gewalttat uminterpretiert, meinte der Berliner Psychologe Max Steller und gab damit die Linie des Urteils vor. Denn ohne die Aussage des Opfers blieben nur wenige und schwache Indizien, nicht zuletzt wegen der zögerlichen Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Imageverlust der Staatsanwaltschaft

Deren Ansehen hat in dem spektakulären und hart geführten Prozess wohl ebenfalls gelitten. Schon in seinem Plädoyer musste Staatsanwalt Wilhelm Möllers einen Großteil seiner Worte auf die Begründung verwenden, warum man trotz der dünnen Beweislage gegen Türck überhaupt Anklage erhoben hatte. Damals sei eine Verurteilung wahrscheinlich gewesen. "Die Staatsanwaltschaft hat ihre gesetzmäßige Aufgabe erfüllt", meint er nach dem Urteil.

Die Türck-Anwältin Susanne Wagner hat den Ermittlern vorgehalten, dass sie um jeden Preis einen Promi zur Strecke bringen wollten. Behördenchef Hubert Harth hat dies zurückgewiesen, zumal er selbst und viele seiner Kollegen gar nichts von der Prominenz des Angeklagten gewusst hätten. Das zumindest hat sich inzwischen bei der Frankfurter Justiz, aber auch beim breiten Publikum geändert.

AP/DPA / AP / DPA