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Was macht eigentlich ...: ... Kurt Bendlin?

Der frühere Bauarbeiter und Polizist verbesserte 1967 den Weltrekord in der Königsdisziplin der Leichtathletik, dem Zehnkampf. Nach einer Reihe von Verletzungen beendete er 1976 seine Sportkarriere.

Sie hausen viele Wochen im Jahr in Ihrer Hütte aus rohen Holzstämmen, die Toilette ist ein Donnerbalken - warum tun Sie sich das mit 66 Jahren an?

Ich komme aus einer armen Familie, und das spartanische Leben entspricht meinem Naturell. Die meisten Menschen wissen doch gar nicht, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht.

Deswegen geben Sie Seminare für Führungskräfte aus der Wirtschaft, damit die lernen, zu verzichten?

Nicht nur Verzicht. Sie müssen ebenso Leistung bringen.

Gibt es Parallelen zwischen Leistungssport und Unternehmensführung?

Man muss sich seiner Stärken bewusst sein, vor allem aber seine Schwächen erkennen und daran arbeiten. Das war mein Weg zum Zehnkampf-Weltrekord. Und so ist man auch im ökonomischen Wettkampf erfolgreich. Hat man die Konkurrenz hinter sich gelassen, muss man besonders aufpassen und darf sich nie sicher sein, dass es immer so weitergeht.

Diese Erfahrung machen gerade die Banker. Kommen die auch zu Ihren Seminaren?

Oh ja, die sind stark verunsichert. In den Motivationsseminaren versuche ich, sie aufzubauen, indem ich ihnen Mut mache. Mut, neue Wege zu gehen, aber ohne Angst zu versagen. Viele trauen sich ja nichts mehr zu. So lasse ich die Teilnehmer im Team Flöße bauen, mit denen sie eine Wettfahrt auf dem See machen. Wenn ich frage, wer die Projektleitung übernehmen will, ist Totenstille. Fange ich an zu bohren, kommen die ersten Meldungen: junge Leute, immer aus der zweiten oder dritten Managementebene; die trauen sich, Neues zu versuchen.

Floßbauen ist doch Kinderkram. Was hat das mit dem Manager-Alltag zu tun?

Es geht auch hier um Planung, Organisation und Teamwork. Die Teilnehmer sollen sich neuen Situationen stellen, jeder im Team muss entsprechend seiner Stärken am richtigen Platz sein. Hier arbeiten sie ganz nah zusammen und nicht getrennt durch Bürowände. Sie lernen sich richtig kennen und aufeinander zu verlassen. Ein Manager hat mir mal erzählt, dass, als er morgens auf dem Strohlager wach wurde, sein schlimmster Feind im Unternehmen plötzlich schlafend in seinem Arm lag. Heute läuft die Zusammenarbeit zwischen beiden bestens.

Kommen nur Männer in das Camp?

Die Gruppen sind oft gemischt. Von Frauen können die Männer nach meiner Erfahrung viel lernen. Sie sind super organisiert, kooperationsfähig und denken nach vorn, während Männer sich untereinander oft als Konkurrenten sehen. Wären mehr Frauen in Führungspositionen, liefe in den Unternehmen vieles besser.

Sie haben auch als Sportlehrer an Schulen gearbeitet. Immer schön die dicken Kinder gepiesackt?

Ach was. Ich hatte mal einen Mopsi in der Klasse, dem gab ich die Note Drei und einer Sportskanone auch. Da war was los im Kollegium! Ich blieb hart: Die Sportskanone hatte nur das Nötigste getan. Und Mopsi hatte ich gesagt: Wenn du dich anstrengst, bekommst du statt der Sechs eine Drei. Und der hat sich angestrengt! Das muss man honorieren. Ich habe ihm den Spaß am Sport vermittelt, der hat abgenommen, und die Noten wurden auch in anderen Fächern besser.

Ihr Rat an die Sportpädagogen?

Kinder sollen Spaß an der Bewegung haben und müssen Erfolgserlebnisse erfahren. Ausdauer, nicht Kraft ist wichtig - und übrigens auch gesünder.

Interview: Joachim Reuter / print