Was macht eigentlich ... ... Linda Gray?


Die amerikanische Schauspielerin gab als Sue Ellen Ewing 13 Jahre und 224 Folgen lang im Seriendauerbrenner "Dallas" die leidende Ehefrau des Fieslings J. R., die in den Suff floh.

Bei den Ewings war Sue Ellen ein ausgemachter Loser. Nervte die Rolle des ständigen Fußabstreifers nicht?

Ich hätte mir schon gewünscht, dass Sue Ellen sich mehr zur Wehr setzt und Stärke zeigt. Aber die Produzenten wollten das partout nicht. Und mich fanden sie perfekt in der Rolle der leidenden Ehefrau, die ihren Frust im Alkohol ertränkt. Ich war froh, überhaupt dabei zu sein. Denn die Rolle der Sue Ellen war nicht über die erste Staffel hinaus geplant. Doch dann entwickelte sich die depressive Ehefrau als guter Kontrast zu den vielen Machtmenschen.

Haben sich damals frustrierte Ehefrauen bei Ihnen gemeldet?

Schon erstaunlich, wie viele Menschen Fiktion und Realität nicht unterscheiden können. Ich wurde oft von Frauen auf der Straße angehalten, die sagten: "Ich habe auch so einen Typen daheim, aber ich mach dem Feuer unterm Hintern." Und wenn ich im Restaurant ein Glas Wein trank, hörte ich es oft am Nebentisch flüstern: "Ich habe doch gleich gedacht, dass die säuft. Wie sonst kann sie so realistisch eine Alkoholikerin spielen." Mittlerweile sehe ich das entspannt und bin stolz auf meine Arbeit. Im Grunde war Sue Ellen das Original-" Desperate Housewife". Lange vor Eva Longoria und Teri Hatcher.

Warum war "Dallas" weltweit so erfolgreich?

Das lag auch an den 80er Jahren, Ronald Reagan war Präsident, alles war größer und mächtiger in Amerika. Da kam eine Serie über eine milliardenschwere Ölfamilie aus Texas gerade recht. Menschen in anderen Ländern bekamen einen Einblick in das Leben einer wohlhabenden USFamilie. Das faszinierte sie.

Bekriegten sich die Hauptdarsteller untereinander, wie es immer hieß?

Quatsch, wir haben uns meistens sehr gut verstanden. Grabenkämpfe lieferten wir uns mit den Machern der Serie. Einmal wurde ich sogar gefeuert, weil ich - nach Patrick Duffy und Larry Hagman - auch mal Regie führen wollte. Als Larry von dem Rausschmiss erfuhr, drohte er, auch auszusteigen. Aus Angst, J. R. zu verlieren, verlängerte man meinen Vertrag - und ließ mich in einer Folge Regie führen. Der Erfolg verlieh uns Macht.

Sehen Sie die anderen Ewings noch?

Mit Larry Hagman und Patrick Duffy treffe ich mich fast jeden Monat. Und einmal im Jahr kommen alle überlebenden Hauptdarsteller zusammen.

Nach "Dallas" wurde es still um Sie.

Das war beabsichtigt. Ich wollte nicht länger, dass die Arbeit meine Tage bestimmte; ich hatte sogar die Schulabschlussfeier meines Sohnes verpasst. Jetzt wollte ich mich ausschließlich um mich und meine Familie kümmern. Ich baute unser Haus nahe Santa Clarita um, werkelte im Garten oder tat einfach gar nichts. Später hatte ich wieder kleinere Rollen in Serien wie "Melrose Place" oder "Reich und schön". Oder ich spielte Theater, wie in der "Reifeprüfung" in London und am Broadway.

Die Beine auf dem originalen Filmplakat der "Reifeprüfung" sollen Ihre sein.

Stimmt, nicht die von Anne Bancroft. Ich war damals 26 und bekam 25 Dollar für die Aufnahmen.

Was machen Sie heute?

Seit mein Ex-Mann Ed Thrasher gestorben ist, sind meine beiden Kinder und die zwei Enkel meine Hauptbezugspersonen. Ansonsten engagiere ich mich für wohltätige Zwecke und arbeite an der Realisierung eines Films, bei dem ich Regie führen möchte. Aber wenn ein attraktives Rollenangebot käme, würde ich nicht Nein sagen. Solange ich nicht wieder eine frustrierte und alkoholabhängige Frau spielen muss.

Interview: Andreas Renner print

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