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Was macht eigentlich ...: ... Sven Hannawald?

Der Skispringer gewann als erster Sportler alle vier Springen der internationalen Vierschanzentournee. 2005 trat er vom Leistungssport zurück.

Glückwunsch, Sie werden Vater - wann ist es so weit?

Ende November. Nadine und ich sitzen sozusagen in den Startlöchern. Es kann schon nächste Woche losgehen.

Wird's ein Junge oder ein Mädchen?

Wir lassen uns überraschen.

Und wann wird geheiratet?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Meine Eltern haben erst geheiratet, da waren meine Schwester und ich schon aus der Schule. Wir wissen auch noch nicht, wo wir wohnen werden, momentan leben wir in Nadines Wohnung in Berlin.

Diese Woche beginnt die Skispringsaison. Sind Sie als Kommentator dabei?

Nein, ich brauche noch ein bisschen Abstand. Wenn ich zwischen den Zuschauern stehe, sehne ich mich zu sehr danach, wieder bei den Aktiven zu sein. So war's auch Anfang des Jahres, als ich meinen ARD-Job kurz vor Olympia aufgeben musste. Aber im Fernsehen werde ich mir sicher einige Springen angucken.

Klingt, als hätten Sie den Abschied vom Sport noch nicht verkraftet.

Mir fehlt der Adrenalinschub, der Thrill. Die Stimmung an der Schanze war genial, wenn Tausende jubeln, sobald dein Name angesagt wird. Das verwöhnt - aber es macht auch einsam, wenn du's nicht mehr hast. So einen Kick erlebst du nirgends, vor allem nicht, wenn du womöglich irgendwo am Schreibtisch sitzt. Deshalb ist es für mich auch schwer, eine Beschäftigung zu finden, die mich ausfüllt.

Schreiben Sie Bewerbungen?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich in einem normalen Beruf Fuß fassen kann. Ich muss vieles erst einmal austesten. Zum Glück muss ich mich finanziell nicht sorgen. Das gibt mir die Freiheit, etwas bequem zu sein und mir Zeit zu lassen. Aber wenn man viel Zeit hat, kommt man auch ins Grübeln: Was habe ich eigentlich außer dem Sport?

Haben Sie eine Antwort gefunden?

Ich habe eine tolle Familie, bald auch meine eigene. Das ist doch schon was! Aber beruflich ist da bis heute nicht viel.

Sie habe Ihre Karriere beendet, weil Sie am Burn-out-Syndrom litten. Ist das überwunden?

Die Ursache für die Erkrankung waren Stress und der enorme Erwartungsdruck. Beides habe ich nicht mehr. Insofern geht's mir gut. Hätte ich meine sportliche Karriere fortgesetzt, hätte ich sicher psychologische Hilfe gebraucht. Mein Problem war: Ich habe mich tagtäglich intensiv damit beschäftigt voranzukommen, hatte keinen Abschaltmechanismus. Dann der Hype um meine Person! Wenn's ruhiger gewesen wäre oder ich etwas gehabt hätte, was mich ablenkt, hätte ich vielleicht länger durchgehalten.

Es hieß immer, Backen sei Ihr großes Hobby.

Fans haben mir früher Rezepte und Kochbücher geschickt. Da habe ich einiges ausprobiert. Meine Eistorte war berühmt. Heute hat das nachgelassen, Muffins mache ich gelegentlich noch, die gehen schnell, und man kann sie einfrieren.

Eine Weile wurde spekuliert, Sie litten an Magersucht.

Seit Ende meiner aktiven Zeit habe ich bestimmt zehn Kilo zugenommen. Ohne Stress verbrennt der Körper halt nicht mehr so viel, aber an meiner Ernährung hat sich nichts geändert. Ich esse nach wie vor gesund. Die Magersucht-Vorwürfe gingen mir damals ziemlich auf den Zeiger. Aber ich habe nicht darauf reagiert. Man kann sich nicht gegen alles wehren.

Treiben Sie heute noch Sport?

Gelegentlich spiele ich Tennis. Aber irgendwie fehlt der Reiz von früher.

Interview: Susanne Schormann / print
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