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Was macht eigentlich...: ...Ion Tiriac?

Als Tennisprofi spielte der Rumäne früher in der Weltspitze. Später dann wirkte er hoch erfolgreich als Manager von Boris Becker, heute ist er Unternehmer und Milliardär.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem früheren Schützling Boris Becker?

Wir sehen uns ein-, zweimal im Jahr. Dann trinken wir ein Bier und reden über die guten alten Zeiten.

Nach Ihrer Trennung wetterte Becker, Sie hätten ihn "beschissen"...

Das tat weh, aber er hat sich später entschuldigt. Er war falsch unterrichtet.

Waren Sie von Becker enttäuscht?

Becker war ein großartiger Sportler, eine echte Persönlichkeit. Für seine Fehler nach unserer Trennung bin ich nicht verantwortlich. Die Deutschen lieben ihn! Trotz - oder vielleicht wegen - seiner Fehler.

Viele meinen, Sie haben sich mit Becker die Taschen gefüllt...

Ich habe mit Becker gut verdient. Aber er verdiente mit mir noch viel, viel mehr.

Ihr Vermögen wird heute auf mehr als eine Milliarde Dollar geschätzt. Da kann Ihnen Becker nicht das Wasser reichen!

Ich habe mein ganzes Geld nach der demokratischen Revolution 1989 in Rumänien investiert. Und die Geschäfte liefen gut.

Kritiker lästern, Sie hätten Regierungsfreunde, die Probleme aus dem Weg räumten ...

Ich habe mich nie an der Privatisierung des Staatseigentums beteiligt. Jedes Unternehmen habe ich selbst aufgebaut. Politiker habe ich nie gebraucht!

Auch nicht, als Ihr ältester Sohn mit Kokain erwischt wurde? Es heißt, Sie hätten jeden ru-mänischen Politiker angerufen, um ihn freizubekommen.

Mein Sohn wurde eines Vergehens beschuldigt, das er nicht begangen hatte. Der Name Tiriac ist in Rumänien manchmal eine Bürde.

Wie denn? Sie werden doch von den meisten Ihrer Landsleute regelrecht geliebt!

Es gibt auch Neider, die mich treffen wollen, aber gegen meinen Sohn schießen. Er ist sehr talentiert, hat eine hervorragende Ausbildung und könnte mir in der Holding helfen. Aber jetzt will er mit Rumänien erst mal nichts mehr zu tun haben.

An vielen Ihrer Firmen sind deutsche Konzerne beteiligt. Zufall?

Ich habe immer gewusst, wann ich einen Partner brauche, der schlauer ist als ich. Während der Turniere in Deutschland habe ich viele Unternehmer kennen- und schätzen gelernt. Ich hätte nie in Deutschland leben können - das Land ist mir zu durchorganisiert, aber ich habe gute Freunde dort. Wolfgang Porsche, Burkhard Bergmann, Klaus Mangold, Prinz Max Emanuel von Thurn und Taxis.

Mit ihnen gehen Sie manchmal zu Hause jagen. Bei einer Pirsch vor zwei Jahren schossen sie gemeinsam 185 Wildschweine. Tierschützer sprachen von einem Massaker!

Die Jagd ist eine Kunst, man muss nur die Regeln beachten. Ich gehe mehrmals im Jahr zur Großwildjagd nach Afrika, die Trophäen stelle ich in Bra­ov aus.

Wo leben Sie?

Heute in Bukarest, morgen Monte Carlo, Paris, London oder Madrid. Über 1000 Stunden im Jahr verbringe ich im Flieger.

Fliegen Sie immer noch selbst?

Dafür bin ich zu alt. Der Rücken schmerzt immer wieder, und ich wiege 30 Kilo mehr als damals, als ich noch Tennis spielte.

Was treibt Sie noch an?

Ich will mehr Zeit für meine Kinder haben. Ion Alexandru ist erwachsen, die beiden anderen, Karim Mihai und Ioana, sind aber erst zehn und zwölf Jahre alt.

Ihre Ehen sind wegen Ihres rastlosen Lebenswandels in die Brüche gegangen; und immer wieder sollen Sie auch Affären mit hübschen jungen Frauen gehabt haben.

Alles Klatsch. Aber sicher habe ich auch Fehler gemacht.

Rumänien ist zum 1. Januar der EU beigetreten. Nicht etwas zu früh?

Keineswegs. Rumänien wird bald groß rauskommen und alle überraschen.

Interview: Andrzej Rybak / print