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Was macht eigentlich...: ...Mick Fleetwood?

Der Gründer und Schlagzeuger von Fleetwood Mac - einer der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten - machte viele Jahre auch durch Drogenexzesse von sich reden.

Fleetwood, wie geht es Ihrer Tochter Ruby, die im Juli bei einem Badeunfall beinah ums Leben gekommen wäre?

Sie ist fast wieder gesund. Die Ärzte werden sie noch ein bisschen im Auge behalten, wegen möglicher Spätfolgen. Das war ein richtiger Schock für meine Familie. Eine kleine Mahnung, nicht zu vergessen, wie zerbrechlich das Leben ist.

Todesängste hatten Sie doch auch schon mal um sich selbst?

Ja, in den späten 70er Jahren war ich besessen von dem Gedanken, ich müsste an einem Hirntumor sterben. Ich war bei mehreren Konzerten zusammengebrochen, es ging mir richtig elend. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als wir mit dem Album "Rumours" unseren größten Erfolg feierten. Ich habe mich damals von allen Freunden verabschiedet und mich mit dem Gedanken abgefunden, bald ins Gras beißen zu müssen.

Dazu kam es dann zum Glück nicht …

Es stellte sich heraus, dass mein schlechter gesundheitlicher Zustand die Folge einer Diabeteserkrankung war. Dennoch: Manchmal bin ich schon erstaunt, dass ich noch lebe.

Warum?

Wir haben das Motto "Sex, Drugs and Rock 'n' Roll" ausgelebt bis zum Exzess. Vor allem in den Siebzigern und frühen Achtzigern. Ich war kokainabhängig, und wir haben gesoffen, was das Zeug hielt. Das war schon wild. Rückblickend bereue ich nur, dass mich meine beiden mittlerweile erwachsenen Kinder zu oft zugekokst, besoffen oder eben gar nicht gesehen haben. Stolz bin ich aber, dass die beiden nicht nach ihrem Vater geraten sind!

Mit Mitte 50 haben Sie noch mal eine neue Familie gegründet. Um alles besser zu machen?

Nein, aus Liebe zu meiner Frau. Lynn hat mir geholfen, mein Leben in die richtigen Bahnen zu lenken. Bevor ich sie traf, nahm ich immer noch zu viel Kokain, war zu fett und völlig unmotiviert. Dank Lynn und unseren Zwillingen Ruby und Tessa, die heute sechs Jahre alt sind, geht es mir wieder gut. Wir sind vor ein paar Jahren nach Maui gezogen, dem schönsten und magischsten Ort der Welt.

Sie als Engländer haben vor zwei Jahren die US-Staatsbürgerschaft angenommen.

Amerika ist seit Jahrzehnten meine Heimat. Meine Kinder sind Amerikaner, ich zahle meine Steuern dort und will dann wenigstens auch mitentscheiden können, wer im Weißen Haus die Karten mischt. Bei den knappen Mehrheitsverhältnissen hier ist meine Stimme vielleicht entscheidend. Denn wichtig ist: Es muss eine neue Politik her, so geht es nicht mehr weiter.

Was treiben Sie so den ganzen Tag auf Hawaii?

Langeweile kenne ich nicht. Meine beiden kleinen Mädchen halten mich ziemlich auf Trab. Ich habe kürzlich eine eigene Weinkollektion auf den Markt gebracht und gemeinsam mit meinem alten Freund und ehemaligen Fleetwood-Mac-Mitstreiter Rick Vito zwei neue Bands gegründet: die Fleetwood Blues Band und die Island Rumours Band. Fleetwood Mac gründete sich vor 40 Jahren ja als reine Bluesband, wir gehen also zurück zu den Wurzeln.

Haben Fleetwood Mac ausgedient?

Nein, im Gegenteil. Wir werden im nächsten Jahr auf eine ausgedehnte Welttournee gehen, aus Anlass des 40-jährigen Bestehens der Band. Wir spielen einfach die Klassiker. Derentwegen kommen die Leute doch letztlich ins Konzert. Das Schöne ist: Im Gegensatz zu früher, als ich oft zugedröhnt war, bekomme ich heute viel mehr mit, was während der Show so alles passiert.

Interview: Andreas Renner / print
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