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Was macht eigentlich...: ...Nick Leeson?

Vor zehn Jahren ruinierte der Börsenmakler durch gigantische Fehlspekulationen das traditionsreiche Londoner Bankhaus Barings.

Vor zehn Jahren haben Sie die Barings Bank in die Pleite geritten. Barings ist von der Bildfläche verschwunden, Sie sind wieder obenauf. Werden Sie das Jubiläum feiern?

Es klingt verrückt: Ausgerechnet an meinem Geburtstag vor zehn Jahren meldete Barings Konkurs an. Zum Feiern gibt es aber keinen Grund. Das ist das beschämendste Kapitel in meinem Leben. Nach viereinhalb Jahren Gefängnis, Krebserkrankung und Scheidung geht es Gott sei Dank bei mir wieder bergauf.

Es war ein tiefer Fall vom gefeierten Finanzjongleur zum Knastbruder. Wie war die Zeit im Gefängnis?

Ein Absturz auf Raten. Die ersten neun Monate saß ich in Frankfurt und musste mich langsam an meinen neuen Status gewöhnen. Viel schlimmer aber waren später die Jahre im Gefängnis von Singapur. Ich konnte nicht mit dem Stress umgehen. Meine Zelle war fünf Quadratmeter klein, wir waren zu dritt eingesperrt und schliefen auf dem nackten Fußboden. Am Tag gab es eine Stunde Auslauf, das war's. Ich habe für mein Vergehen gebüßt und auch den Krebs besiegt. Mich wirft heute nichts mehr um.

Klingt dramatisch - dabei haben Ihnen nach der Rückkehr in England Leute auf der Straße die Hände geschüttelt und Sie als Helden gefeiert.

Das kann man nicht ernst nehmen. Einige glaubten, ich wäre eine Art Robin Hood der Bankenwelt, hätte das Geld der Reichen genommen und auf Konten in Südafrika und Deutschland versteckt - was natürlich Unsinn ist. Das Geld ist futsch.

Sie haben aber auch Kapital aus der Pleite geschlagen. Für Ihr Buch "Wie ich die Barings Bank ruinierte" kassierten Sie 700 000 Dollar.

Davon musste ich meine drei Anwälte in Deutschland, Singapur und England bezahlen. Für mich blieb nichts mehr übrig. Und die 21 000 Euro für "High Speed Money", die Verfilmung meines Falls, gingen an meine geschiedene Frau Lisa.

Immerhin verdienen Sie Geld mit Tischreden, die Sie für Firmen halten.

Da geht es um Risikomanagement und saubere Unternehmensführung. Damit das Ganze nicht zu trocken wird, erzähle ich nach dem Dinner aus meinem Gaunerleben. Einmal im Monat mache ich das in europäischen Städten und in Asien - für rund 8000 Euro.

Und das Geld müssen Sie bei den Insolvenzverwaltern abliefern?

Nur in der ersten Zeit, nachdem ich aus dem Gefängnis entlassen worden war - um mich zu kontrollieren. Die Stundensätze der Anwälte und Insolvenzverwalter sind aber so hoch, dass praktisch alles für deren Bezahlung draufging. Ökonomischer Unsinn. Was ich verdiene, darf ich jetzt behalten.

Heute sind Sie Manager beim irischen Fußballclub Galway United - ein ziemlicher Karrierewechsel.

Meine zweite Frau Leona ist Irin. Hier war eine gemeinsame Zukunft leichter als in England. Wir haben einen Sohn, und ich wollte ein geregeltes Familienleben. Und Fußball war immer schon eine Leidenschaft von mir.

Mit der Börse haben Sie nichts mehr am Hut?

Doch, schon. Bleibt am Monatsende etwas übrig, spekuliere ich mit Spread Bettings, Wetten auf Kursveränderungen von Währungen. Keine großen Summen. Der Gewinn ist steuerfrei.

Haben Sie einen Tipp für Anleger?

Traue keinem Finanzverwalter. Mach dich schlau, kümmere dich selbst um dein Geld.

Interview: Joachim Reuter

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