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WAS MACHT EIGENTLICH...: Alison Moyet

Die Engländerin war Anfang der achtziger Jahre die Sängerin des Popduos »Yazoo«. Mit Hits wie All cried out gelang ihr anschließend eine internationale Solokarriere.

Die Engländerin war Anfang der achtziger Jahre die Sängerin des Popduos »Yazoo«. Mit Hits wie All cried out gelang ihr anschließend eine internationale Solokarriere.

Zur Person:

Alison Moyet, 40, lebt mit ihrem Ehemann David und ihren drei Kindern nördlich von London. Derzeit steht sie auf der Bühne des Londoner Adelphi Theatre, wo sie im Musical »Chicago« in der Rolle der Mama Morton zu sehen ist. Mitte der achtziger Jahre kam Moyet mit zahlreichen Hits in die weltweiten Charts und verkaufte insgesamt 20 Millionen Schallplatten.

Frau Moyet, was machen Sie heute Abend?

Arbeiten. Ich spiele im Musical »Chicago« im Londoner Adelphi Theatre. Unerhört, oder?

Wieso?

Ich hatte das letzte Mal mit 17 einen festen Job. Erst in einem Musikgeschäft, kurze Zeit auch bei einem Friseur. Seither musste ich nie wieder pünktlich sein. Ich bin gerade sehr stolz auf mich.

Stolz, weil Sie pünktlich sind?

Ja! Mein Leben ist wie meine Plattensammlung: chaotisch und unorganisiert. Wenn Sie bei mir zu Hause eine Platte suchen, finden Sie sie vielleicht in einem Haufen, aber sicher nicht in der richtigen Hülle.

Warum Musical? Hatten Sie die Nase voll vom Popgeschäft?

Ach, das war Zufall. Ein Freund hat mich reingelegt. Er sagte, ich könne die Rolle bekommen, ohne vorzusingen. Natürlich musste ich vorsingen, habe das aber erst gemerkt, als ich schon auf der Bühne stand. Hätte ich das gewusst, wäre ich nicht hingegangen. Ich gehe ungern aus.

Sind Sie für die Theaterleute ein Popstar oder ein Kollege?Treffen Sie noch Leute aus jener Zeit?

Nein, ich habe ja schon damals nicht mit den Leuten gesprochen. Ich hab mich immer gedrückt, wenn es eine Pop-Party gab. Es gibt nichts Langweiligeres als Popstars. Außerdem gehe ich nicht gern unter Menschen, schon gar nicht, wenn es Fremde sind. Ich bekam damals die unglaublichsten Angebote und habe sie nicht angenommen, weil ich einfach nichtaus dem Haus gehen wollte.

Sie wollten also kein Popstar sein?

Ich passte da einfach nicht hinein. Nicht weil ich fett war, sondern weil ich ganz anders aufgewachsen bin als normale englische Mädchen. Bei uns zu Hause gab es keine Popkultur. Mein Vater ist Franzose, meine Mutter Engländerin. Es gab keine Modemagazine, ich hatte keine Puppen. Meine Mutter ist noch nicht mal zum Friseur gegangen. Ich erinnere mich einmal, als meine Haare zu lang wurden, nahm mein Vater ein Stück Tesa und klebte sie mir hinter die Ohren. Also: Wenn ich hip war, dann immer nur aus Versehen.

Schreiben Sie zu Hause Musik?

Ja, aber das ist nicht einfach: Das Telefon klingelt, der Abwasch steht rum, die Kinder müssen von der Schule geholt werden. Und wenn die mittags Hunger haben, kann ich denen ja auch schlecht antworten: »Gibt nix. Mama ist Künstlerin.«

Sie haben früher oft Coverversionen gesungen. Auch heute wieder?

Würde ich ja gern. Aber hören Sie sich doch um: Was professionelle Songwriter heutzutage abliefern, sind doch keine Lieder mehr. Das sind gebrochene Akkorde, und die werden dann immer nur wiederholt. Langweilig. Wenn ich Mariah Carey singen hören, denke ich: Toll! Wie ein geschickter Akrobat! Man möchte ihr auf die Schulter klopfen. Aber sie berührt mich nicht. Ich finde diese Musik öde.

Was haben Sie als Nächstes vor?

Nach »Chicago« konzentriere ich mich wieder auf meine Musik. Ich bin sehr dankbar. Ich habe keine Ausbildung, könnte noch nicht mal in einem Laden arbeiten, und trotzdem kann ich es mir leisten, mit meinem Mann und meinen drei Kindern in einem großen Haus zu leben.

Interview: Arezu Weitholz

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