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Was macht eigentlich... Annemarie Moser-Pröll

Die Österreicherin war in den siebziger Jahren die überragende Läuferin im alpinen Skisport und gewann 1980 bei den Olympischen Spielen in Lake Placid die Goldmedaille

Zur Person

Die Österreicherin war in den siebziger Jahren die überragende Läuferin im alpinen Skisport und gewann 1980 bei den Olympischen Spielen in Lake Placid die Goldmedaille.
"La Pröll" - so ihr Spitzname in den französischen Medien - ist Mutter einer 21 Jahre alten Tochter. In den siebziger Jahren dominierte Annemarie Moser-Pröll den alpinen Skisport fast nach Belieben. Sie gewann von 1971 bis 1975 sowie nochmals 1979 den Gesamtweltcup und wurde 1974 und 1978 Weltmeisterin in der Abfahrt. Bei Olympischen Spielen holte sie 1972 zweimal Silber. 1980 krönte sie ihre Karriere mit der Abfahrts-Goldmedaille in Lake Placid.

Das Interview mit Annemarie Moser-Pröll führte Bernd Dörler

Wann sind Sie heute Morgen aufgestanden?

Um fünf in der Früh in unserer Jagdhütte im Lammertal. Kurz darauf saß ich auf dem Hochstand. Die Sonne ging gerade auf. Ein Traum.

Sie gehen auf die Jagd?

Schon seit 1975. Wenn’s irgendwie geht, bin ich jetzt jeden Tag auf dem Berg. Deshalb reise ich auch nicht mehr so viel. Ich brauche auch keinen Urlaub mehr. Ich will nicht mehr Koffer packen. Das habe ich im Weltcupzirkus viel zu lange machen müssen. Außerdem ist es bei mir zu Haus einfach am schönsten.

Fahren Sie noch Ski?

Ganz selten, vielleicht ein-, zweimal im Winter. Mich juckt es nicht. Nach meiner aktiven Zeit empfand ich es schon als Qual, in einen Skischuh zu steigen. Man war immer so zugeschnürt. Ich war froh, endlich einen normalen Schuh tragen zu können.

Beneiden Sie die heutige Skifahrer-Generation um etwas?

Nein. Der Sport ist durch das bessere und schnellere Material viel gefährlicher geworden. Die Mädchen haben heute Verletzungen, wie wir sie damals kaum gekannt haben. Deshalb gibt es heute auch nicht mehr diese Seriensiegerinnen, wie ich eine war. Die Besten sind ja häufig verletzt wie die Kroatin Janica Kosteliç.

Gar keine Wehmut an vergangene Zeiten?

Na ja, das Geld, das es heute gibt, hätte ich ehrlich gesagt auch gerne genommen.

Sie waren damals doch mit Abstand die Großverdienerin im Weltcup.

Das schon, aber wir galten ja noch als Amateure. Da floss nicht so viel wie heute - und meistens wurde unter der Hand gezahlt, damit wir die lächerlichen Olympiaparagrafen nicht verletzten. Aber ich bin zufrieden und glücklich mit dem, was ich habe. Deshalb mache ich auch so gut wie keine PR-Termine mehr.

Weil die Angebote ausbleiben?

Das nicht. Ich bin ja zumindest in Österreich noch ziemlich bekannt. Aber ich will mir nicht mehr vorschreiben lassen, was ich zu tun habe. Ich habe lange genug in einer Zwangsjacke gesteckt. Jetzt brauche ich den Rummel nicht mehr.

Sie sind 1975 kurzzeitig zurückgetreten, um Ihren todkranken Vater zu pflegen.

So ein Schritt wäre heute wahrscheinlich schwieriger, weil der Sponsorendruck doch größer ist. Aber ich hätte mich auch heute nicht anders entschieden.

1999 wurden Sie in der Wiener Staatsoper zur Jahrhundertsportlerin gewählt. Neben Legenden wie Michael Jordan, Pelè und Muhammad Ali ...

... und ich habe mich so winzig gefühlt, als ich neben dem auf der Bühne stand.

Wegen des Größenunterschiedes?

Nein, vor lauter Ehrfurcht und Respekt. Das Ereignis war natürlich schon toll. In dieser Auszeichnung war ja alles verbucht, was ich sportlich zustande brachte.

Von all diesen Superstars stand nur einer am nächsten Tag wieder mit Schürze in der Küche und kochte für die Kaffeehausgäste.

Das war wohl ich. Mein Mann und ich haben in meinem Heimatort Kleinarl ein Restaurant, das Weltcup Café. Montag ist Ruhetag. Da hab ich frei. Sonst mache ich jeden Tag Mehlspeisen für unsere Gäste. Das hat mir ein Wiener Konditormeister beigebracht. Meine Spezialitäten sind Malakofftorte, Topfenstrudel und Kardinalschnitte mit einer leckeren Mokkafüllung.

Sie galten während Ihrer Sportlerkarriere nicht nur als Schnellste auf der Piste, sondern auch als höchst rasante Autofahrerin.

Diese Spinnerei ist Gott sei Dank vorbei. Damals bin ich Porsche gefahren, jetzt Passat. Wenn meine Tochter Marion so durch die Gegend rasen würde wie ich damals, dann könnte ich keine Nacht mehr ruhig schlafen.

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