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WAS MACHT EIGENTLICH...: Peter Lorenzen

Auf dem Hof des Bauern im schleswig-holsteinischen Hörsten wurde im November 2000 der erste BSE-Fall in Deutschland festgestellt. Seine Herde wurde anschließend getötet.

Auf dem Hof des Bauern im schleswig-holsteinischen Hörsten wurde im November 2000 der erste BSE-Fall in Deutschland festgestellt. Seine Herde wurde anschließend getötet.

Zur Person:

Ein Dreivierteljahr nach dem Verlust seiner Herde kann Peter Lorenzen wieder lachen. Zwei Monate standen die Stallungen des 39-jährigen Landwirtes leer. Nach seinem Entschluss, einen neuen Viehbestand aufzubauen, sanierte er einen Teil der 20 Jahre alten Anlagen. »Wir blicken nicht zurück, das Leben muss weitergehen«, sagt Lorenzen, der mit seiner vier Jahre jüngeren Frau Britta zwei Kinder hat.

Als am 27. November letzten Jahres Ihre Tiere zur Beseitigung abgeholt wurden, haben Sie den Hof verlassen. Wohin sind Sie gegangen?

Zu Bekannten ins benachbarte Breiholz. Ein paar meiner besten Freunde und Nachbarn halfen, die Tiere zu verladen. Das dauerte von Montagmorgen um fünf bis nachmittags um vier. Eine halbe Stunde später waren wir dann wieder zu Hause.

Was passierte danach?

Die ersten vier Wochen habe ich nur telefoniert, viele Formalitäten waren zu erledigen. Und wir hatten hier jeden Tag einen Haufen Leute vom Veterinäramt. Ich habe meine Papiere offen gelegt, alles wurde kontrolliert. Auch die Kraftfutterfirmen wurden untersucht. Aber es wurde nichts gefunden, es gab keinen Anhaltspunkt, woher das BSE stammt. Sie sind dann zu dem Ergebnis gekommen, dass der Fall eine so genannte Spontanmutation war.

Haben Sie mal daran gedacht, alles hinzuschmeißen und was anderes zu machen?

Die ersten Wochen haben wir uns darüber keine Gedanken gemacht. Der Hof war gesperrt, alles musste gereinigt werden. Dann sollte mein Land unter Quarantäne gestellt werden. Das ist das Problem, wenn du der Erste bist: Keiner weiß, was los ist. Zu Weihnachten setzte ich mich dann mit meiner Frau zusammen, und wir überlegten, ob wir weitermachen wollen. Wir entschieden uns, es zu riskieren.

Wie viele Tiere haben Sie jetzt?

66 Milchkühe und 17 Kälber.

Sind Ihnen die getöteten Tiere ersetzt worden?

Ja, komplett, über den Tierseuchenfonds. Man muss allerdings dazu sagen, dass es 20 bis 30 Jahre dauert, um eine Herde so heranzuziehen, wie man sie haben möchte. Mit Geld lässt sich das nicht aufwiegen.

Wie lange hat es gedauert, bis das Geld überwiesen war?

Dreieinhalb Wochen. Mir war zugesichert worden, dass das zügig geht, und so kam es auch.

Wovon leben Sie im Moment?

Von der Milchproduktion. Und ich kaufe mir jetzt laufend Tiere dazu, die teilweise zum Kalben anstehen, und ziehe mir meine kleinen Kälber wieder groß. Das dauert zweieinhalb, drei Jahre, bis die wieder meine ersten eigenen Kühe werden.

Sie haben über 200 Briefe aus ganz Deutschland erhalten. Was stand da drin?

Wir bekamen Post von anderen Bauern, die sich mit mir solidarisierten, aber auch zahlreiche tröstende Zeilen von Familien aus Großstädten. Und von Kindern, die Bilder für mich gemalt haben. Das hat uns wieder ein bisschen aufgebaut.

Empfanden Sie damals Wut gegen irgendjemanden?

Ich hatte zu viel um die Ohren, um wütend zu sein.

Und im Nachhinein?

Tja, auf wen soll man da wütend sein? Ärgerlich war die Hysterie: Schnell alles töten, damit alle beruhigt sind. Heute wissen wir über BSE noch genauso viel wie am 24. November - nämlich gar nichts. Wo soll man einen Schuldigen suchen? Gut, die Forschung hat vielleicht geschlafen - auch in Deutschland. Da haben wir wohl alle Schuld, nicht nur der Bauernverband oder die Politiker.

Essen Sie weiter Fleisch?

Ich hatte nie ein Problem damit, ich esse weiter bedenkenlos Rindfleisch. Jedes Tier wird ja getestet. Normalerweise kann nichts passieren.

Was gab's gestern zu essen bei Ihnen?

Frikadellen.

Interview: Bernd Teichmann

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