Was macht eigentlich... Stefan Edberg?

Der Schwede, ewiger Rivale von Boris Becker und vorbildlicher Sportsmann, beendete bereits mit 30 Jahren seine beeindruckende Tenniskarriere.

Sie haben Ihre Karriere als Tennis-Profi 1996 beendet. Wie verbringen Sie jetzt Ihre Zeit?

Ich arbeite. Hauptsächlich von daheim aus. Zu meinem Haus gehört eine Forstwirtschaft, um die ich mich kümmern muss. Die Bäume werden gefällt und an die Holz- und Papierindustrie verkauft, das will alles organisiert werden. In unserer Gegend haben viele Menschen einen Wald, die meisten mehr als meine 40 Hektar. Im Frühjahr hat es einen Sturm gegeben wie seit rund 100 Jahren nicht mehr, und bei mir und den anderen Waldbesitzern ist viel zerstört worden.

In den Medien sieht man Sie selten. Vermissen Sie eigentlich den Rummel?

Nein. Mir gefällt es besser so, auch wegen der Kinder. Die beiden gehen morgens zur Schule und sehen mich nachmittags. Ihretwegen sind wir vor fünf Jahren von London zurück nach Växjö gezogen. Hier werden sie in der Natur groß, es gibt nicht so viel Lärm und Abgase wie in London. Außerdem sind meine Frau und ich im tiefsten Herzen Schweden, das wollen wir an unsere Kinder weitergeben.

Wenn die Kinder aus der Schule kommen, geht es erst mal für ein paar Stunden auf den Tennisplatz hinterm Haus, um mit dem Papa Volley und Rückhand zu üben?

Wir haben keinen eigenen Tennisplatz. Wenn gespielt wird, dann im örtlichen Verein. Noch besser ist es, wenn meine Kinder nicht so viel Tennis spielen, sonst vergleichen sie sich mit dem Vater. Aber Sport sollen sie natürlich machen. Dabei lernen sie Kameradschaft und sich an Regeln zu halten - beides ist gut fürs spätere Leben.

Im Laufe Ihrer Karriere haben Sie an Preisgeld mehr als 20 Millionen US-Dollar gewonnen. Was machen Sie mit all dem Geld?

Ich habe früh angefangen, mit Hilfe eines Vermögensverwalters in Aktien zu investieren, und fand das sehr interessant. Heute habe ich mit ihm zusammen eine Kapitalanlagegesellschaft. Wir haben einen Fonds im Angebot, der sich besonders an Sportler richtet, die für die Zeit nach der Profi-Karriere vorsorgen wollen. Aber Geld ist nicht alles. Es ist wichtig, mit etwas zu arbeiten, das einem Spaß macht, Essen auf dem Tisch, Freunde - viel mehr braucht man nicht. Vor ein paar Jahren habe ich außerdem die StefanEdberg-Stiftung gegründet, die Stipendien an schwedische Nachwuchsspieler vergibt. Es ist ein gutes Gefühl, etwas zurückgeben zu können.

Gegen keinen anderen standen Sie so oft auf dem Platz wie gegen Boris Becker - 35 Matches.

Von denen ich mehr als die Hälfte verloren habe. Ohne Boris hätte ich mich anders entwickelt - und er sich ohne mich vermutlich auch.

Haben Sie noch Kontakt zu ihm oder anderen Spielern von damals?

Seit wir nicht mehr gegeneinander antreten, ist die Freundschaft zwischen Boris und mir sogar noch größer geworden. Der Umgang ist viel entspannter. Ich freue mich auch, wenn ich am Rande von Turnieren einen von den anderen Spielern von damals sehe. Aber ich tauche nicht allzu oft bei solchen Veranstaltungen auf.

Sie galten immer als der "Brave". Sie schimpften weder beim Spiel noch danach, es gab keine Frauengeschichten und auch sonst keine Skandale. Typisch schwedisch?

Als öffentliche Person sollte man immer erst ein-, zweimal nachdenken, bevor man etwas tut. Nichts zu sagen ist besser als zu viel.

Clemens Bomsdorf print

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