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Wimbledon Djokovic ringt Federer in Beckers "Wohnzimmer" nieder


Es war ein Wimbledon-Finale der Extraklasse: Roger Federer forderte den topgesetzten Novak Djokovic heraus. Am Ende jubelte Boris Becker mit Schützling Djokovic über eine fast märchenhafte Geschichte.

Boris Becker jubelte auf der Tribüne, als Novak Djokovic nach einem Endspielkrimi zum zweiten Mal in Wimbledon triumphierte und Roger Federer eine weitere historische Bestmarke auf dem "heiligen Rasen" verwehrte. Mit dem Fünfsatzsieg in einem hochklassigen Endspiel an der Church Road kehrt der 27-jährige Serbe zudem an die Spitze der Tennis-Weltrangliste zurück. 6:7 (7:9), 6:4, 7:6 (7:4), 5:7, 6:4 für den Becker-Schützling leuchtete am Sonntag auf der Anzeigentafel auf.

Die Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen, als Djokovic mit seinem zweiten Matchball die Partie beendete. Als Prämie gab es rund 2,2 Millionen Euro, Federer verdiente sich die Hälfte.

Ungleiches Duo widerlegt Skeptiker

Die nackten Zahlen können das Tennis-Drama nicht widerspiegeln. 5:2 führte der Serbe bereits im vierten Satz, der Sieg schien fast sicher. Doch bei 5:4 wehrte Federer nervenstark mit einem Ass den ersten Matchball Djokovics ab - und zwang seinen Kontrahenten in einen fünften Satz.

Es klingt wie ein Sportmärchen: Am Ort Beckers größter Triumphe, an dem sich der Deutsche selbst dreimal in die Siegerliste eintrug, gelang Djokovic sein siebter Grand-Slam-Titel. Es ist der erste seit 18 Monaten, genau das hatte sich der disziplinierte Perfektionist von dem Engagement erhofft. Rund ein halbes Jahr nach Beginn der Zusammenarbeit widerlegte das ungleiche Duo somit die Skeptiker. Am Montag löst der Serbe erstmals seit September des vergangenen Jahres den Spanier Rafael Nadal wieder als Nummer eins der Tennis-Welt ab.

Federer, der vom Schweden Stefan Edberg betreut wird, verpasste dagegen trotz seiner Moral eine große Chance. Als erster Spieler wollte der Rekord-Grand-Slam-Sieger zum achten Mal bei den All England Championships triumphieren. Nun schmücken weiterhin 17 Major-Titel die imponierende Sammlung des 32-jährigen Schweizers.

Lange Ballwechsel, spektakuläre Netzangriffe

Es war ein fesselndes Duell zweier Champions mit großen Möglichkeiten, das durch die einstigen Rivalen und heutigen Trainer Becker und Edberg noch eine besondere Note bekam. 24 Jahre nachdem sich die beiden früheren Profis im Wimbledon-Finale selbst ein letztes Mal gegenüberstanden, nahmen sie als ruhende Pole auf der Tribüne Platz. Nur wenige Meter voneinander entfernt.

Der 46-jährige Becker versuchte mitzuhelfen. Er klatschte aufmunternd, Djokovic suchte immer wieder den Blickkontakt. Auf dem voll besetzten Centre Court, unter den Zuschauern auch Prinz William und seine Frau Kate, boten die beiden Protagonisten auf dem abgetretenen Rasen beste Unterhaltung.

Lange Ballwechsel, spektakuläre Netzangriffe oder Passierbälle und Spannung prägten den finalen Showdown. Im ersten Satz ließ keiner der beiden einen Breakball zu, der Tiebreak entschied. Nach zwei abgewehrten Satzbällen nutzte Federer gleich seinen ersten und bunkerte sich nach 51 Minuten Durchgang eins. Ein lautes "Come on" des zweifachen Zwillingsvaters schallte über den Platz. Doch Djokovic hatte die passende Antwort parat.

Erst einmal hatte Federer in den sechs Matches zuvor seinen Aufschlag seinem Gegner überlassen. Im dritten Spiel des zweiten Satzes gelang dem Serben jedoch ein Break zum 2:1, das den zweiten Durchgang entschied. In einem der Dauer-Duelle im Herren-Tennis, es war der 35. Vergleich zwischen den beiden, ging es ausgeglichen weiter. Als sich Djokovic den dritten Satz im Tiebreak holte, erhob sich Becker von seinem Sitz und ballte mit konzentriertem Blick die Faust, musste anschließend aber mitansehen, wie sein Schützling eine deutliche Führung wieder hergab. Doch am Ende feierte der Serbe seinen zweiten Wimbledon-Sieg nach 2011.

mad/Kristina Puck, DPA DPA

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