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Was macht eigentlich...: Beatrice Richter

Beatrice Richter hatte in den 80er Jahren in der ARD-Serie 'Sketchup' 184 Mini-Rollen. Für ihr komisches Talent bekam sie schon 1981 die Goldene Kamera.

Die Münchner Schauspielerin hatte in den 80er Jahren in der ARD-Serie 'Sketchup' 184 Mini-Rollen. Für ihr komisches Talent bekam sie schon 1981 die Goldene Kamera.


STERN: Beatrice Richter, können Sie den Begriff 'Ulknudel' noch hören?

RICHTER: Ich habe ihn inzwischen in 'Kultnudel' verändert. Es gibt Leute, die haben hundertmal mehr Fernsehspiele gedreht und großartige Rollen gespielt, und es kennt sie trotzdem kein Mensch. Mich sprechen die Leute immer noch auf 'Sketchup' an, obwohl das schon 15 Jahre her ist.

STERN: Haben Sie zu Diether Krebs noch Kontakt?

RICHTER: Erst kürzlich, weil wir zusammen eine Tournee machen wollten. Leider hat es aus Zeitgründen nicht geklappt.

STERN: Als vor zwei Jahren die dritte 'Sketchup'-Staffel produziert wurde, hat man Sie gar nicht erst gefragt, ob Sie mitspielen. Beleidigt?

RICHTER: Im Fernsehen geht der Trend zu den 16jährigen. Wenn jemand dann noch nur ein bißchen was kann, genügt das, warum also die Richter holen?

STERN: Hätten Sie denn Lust auf so eine Serie?

RICHTER: Natürlich, es gibt auch ein paar Angebote. Aber oft sind es Drehbücher mit Dialogen wie 'Hallo, wie geht es Ihrer Mutter', 'Danke gut, die ist gestern gestorben', 'Dann grüßen Sie sie bitte recht schön'. Vielen Dank, das muß ich nicht mehr haben. Ich habe auch schon längst einen anderen Beruf: Vor zehn Jahren bin ich in die Musik gegangen, ich bin Sängerin.

STERN: Können Sie das denn?

RICHTER: Logo, das habe ich studiert, und während der Schauspielschule habe ich auch Unterricht genommen. Ich mache seit 1996 eine Jazz-Kabarett-Show, die sich immer weiterentwickelt hat. Was ich mache, macht kein anderer, weder was das Kabarett betrifft noch den Gesang. Ich singe auf deutsch, was für Jazzstücke ja schon ungewöhnlich ist, aber solange es sich englisch anhört, läßt das Publikum mich gewähren.

STERN: Wie finden Sie denn andere Comedy-Serien?

RICHTER: Ich bin berauscht von der 'Wochenshow' mit Ingolf Lück. Da habe ich mich mal als Gast beworben - machen die aber leider nicht. Sitcoms sind aber nicht mein Ding. Die Leute können das einfach nicht.

STERN: Wollten Sie immer Schauspielerin werden?

RICHTER: Nein, Ärztin. Am liebsten Gehirnchirurgin. An der Psychiatrie habe ich auch heute noch großes Interesse.

STERN: Ihr Ex-Mann war Psychiater und selbst auch psychisch krank. Er soll sehr gewalttätig gewesen sein . . .

RICHTER: Er war mit 19 Jahren schon Patient in der Psychiatrie. Als ich ihn kennenlernte, war er 40. Die Krankheit ist wieder ausgebrochen, und ich mußte mit meiner Tochter regelrecht fliehen, weil ich um unser Leben fürchtete.

STERN: Warum sind Sie ihm so schnell nach Amerika gefolgt?

RICHTER: Ich war immer schon ein spontaner und reiselustiger Mensch. Deutschland war mir zu eng geworden, und Klein-Bea wollte eben mal in die große weite Welt. Amerika war dann aber doch 'ne Nummer zu groß. Ich hätte es mir damals auch gar nicht leisten können, allein dort zu leben. Fehler zu machen hält einen am Leben, und daraus erwächst eine unglaubliche Kreativität.

STERN: Was sind Ihre Pläne?

RICHTER: Ich spiele eine Traumrolle in einem trostlos komischen Ein-Personen-Stück und gehe damit in Deutschland auf Tournee. Zwischendurch bin ich noch mit meinem Jazz-Trio unterwegs.

STERN: Vor kurzem wurden Sie 50. Sie haben mal gesagt, daß Sie davor einen ziemlichen Horror hätten. Immer noch Muffen?

RICHTER: Wer ist schon gerne 50? Eine Frau in diesem Alter, die behauptet, sie habe keine Midlifecrisis, lügt.


Mit Beatrice Richter sprach STERN-Mitarbeiter Thomas Röbke.

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