was-macht-eigentlich Shere Hite


Mitte der 70er Jahre erregte die deutsch-amerikanische Sozialwissenschaftlerin und Autorin mit ihren Reports zur SEXUALITÄT die Geschlechter

Mitte der 70er Jahre erregte die deutsch-amerikanische Sozialwissenschaftlerin und Autorin mit ihren Reports zur SEXUALITÄT die GeschlechterZur Person :

»ICH ZEIGE GERN, DASS ICH EINE FRAU BIN« - Shere Hite, 58, lebt in Paris, ihr 20 Jahre jüngerer Ehemann Friedrich Höricke, ein Pianist, in Köln. Das Paar ist seit 1985 verheiratet; 1996 hat Shere Hite die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Ihr erster Report erschien 1974, zwei weitere folgten.

Für Ihr neuestes Buch »Sex & Business, Frauen und Männer bei der Arbeit« haben Sie Top-Manager in aller Welt befragt. War es schwierig, Interviewtermine zu bekommen?

Oh, es war furchtbar. Aber als ich schließlich in ihren Büros saß, waren sie sehr relaxed und auskunftsfreudig. Viele der Interviewpartner waren zwischen 50 und 60 Jahre alt und haben in jüngeren Jahren den Hite-Report und andere Bücher von mir gelesen. Deshalb vertrauten sie mir.

Was ist die These des Buchs?

Dass sich Frauen und Männer in ihrem Verhalten nach wie vor an traditionellen Rollenmustern orientieren. Aber das passt natürlich nicht mehr in die moderne Berufswelt, Konflikte sind also an der Tagesordnung.

Und wie kommen wir da wieder raus?

Indem wir eine neue soziale Welt schaffen. Wir müssen uns und anderen immer wieder klar machen, dass sich die Dinge geändert haben, so haben wir die Chance, traditionelle Verhaltensmuster zu ändern.

Bill Clinton wäre ein idealer Gesprächspartner für dieses Thema gewesen.

Absolut, ich hätte mich sehr gern mit ihm unterhalten. Vielleicht hat er Zeit, wenn er bald in Rente geht. Dann könnte er ein Vorbild für andere Männer werden.

Das meinen Sie nicht im Ernst!

Doch, doch, man muss unterscheiden. Einerseits hat Clintons Lewinsky-Affäre gezeigt, dass er noch von überholten männlichen Werten beeinflusst ist, andererseits ist er ein Mann, der seine brillante Frau als »House-Ehemann« bei ihren Karriereplänen unterstützt. Das wird die Männer auf der ganzen Welt erstaunen.

Was macht denn Ihre Karriere?

Ich sehe mich immer noch als Aktivistin, die die Gesellschaft verändern will. Dafür muss man hart arbeiten. Ich bekomme viele E-Mails und Briefe von Mädchen und jungen Frauen, auch aus Entwicklungsländern. Jetzt versuche ich, eine Non-Profit-Organisation und eine Website zu gründen, auf der sie sich austauschen, wo sie Mentoren und Stipendien finden können. Und natürlich schreibe ich immer noch Kolumnen für Zeitungen und Magazine in der ganzen Welt, halte Vorlesungen an renommierten Universitäten und Vorträge. Außerdem bin ich Professorin an der Nihon-Universität in Japan. Im vergangenen halben Jahr war ich in Spanien, Portugal, New York, Mexiko, London, Korea, Wien, Mailand, Irland... Als kleines Mädchen, das in einem Kaff in Missouri aufwuchs, hätte ich mir nie träumen lassen, jemals ein so spannendes Leben zu führen.

Und was bedeuted das viele Reisen für Ihr Sex-Leben?

Das würden Sie wohl gerne wissen Wie steht es denn mit Ihrem Sex-Leben? Nein, im Ernst, die Leute, die ich befragt habe, bleiben anonym, ich aber bin es nicht. Das ist ein großer Unterschied. Aber vielleicht sollte ich mal eine Studie mit stern-Mitarbeitern machen?

Sie sind bekannt für Ihr auffallendes, ganz und gar nicht feministisches Outfit: enge Kostüme, Stöckelschuhe, große Dekolletes. Wie kommt's?

Nach der klassischen feministischen Theorie unterstreichen Frauen mit »schicker« Kleidung ihre sexuellen Charakteristika, um Männern zu gefallen. In den sechziger und siebziger Jahren war es deshalb verpönt, sich schön anzuziehen, alle trugen Jeans. Es gibt auch heute noch einen großen Druck auf Frauen, ihre Weiblichkeit zu verstecken, damit wir besser in die Männerwelt passen. Aber Frauen und Männer sind nun mal körperlich verschieden, und das darf man auch sehen. Jede Frau muss das für sich entscheiden, ich jedenfalls kleide mich manchmal gern traditionell weiblich. Ich zeige gern, dass ich eine Frau bin. Weibliche Kleidung ist ein Zeichen weiblicher Stärke!

Interview: Stefan Scheytt


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