was-macht-eigentlich Vader Abraham


Als Herr der Schlümpfe wurde der Niederländer PIERRE KARTNER in den siebziger Jahren zum Plattenstar - mit nur drei Hits, aber Millionen verkauften Scheiben

Als Herr der Schlümpfe wurde der Niederländer PIERRE KARTNER in den siebziger Jahren zum Plattenstar - mit nur drei Hits, aber Millionen verkauften ScheibenZur Person

: Pierre Kartner, 65, lebt im niederländischen Breda. Der Musiker ist verheiratet und hat einen Sohn. Schon Urgroßvater Kartner zog Anfang des 19. Jahrhunderts als fahrender Sänger durchs Land. 1977 hatte Kartner als »Vader Abraham« sein Lied von den Schlümpfen zum ersten Mal vorgestellt, wenig später war es auf Platz 1 der Hitparaden

Haben Sie einen Lieblingsschlumpf?

Den Ober-Schlumpf. Der sieht so aus wie ich.

Wie kamen Sie zu Ihrem Oldie-Outfit?

Ich war Talentscout und Komponist. Aber das reichte mir nicht mehr, ich wollte selbst auf die Bühne. 1970 landete ich mit »Vader Abraham hatte sieben Söhne« meinen ersten eigenen Hit in den Niederlanden. Es war ein Karnevals-Song. Also kaufte ich mir Perücke und Melone und ließ mir einen Bart stehen. Meine Frau war anfangs allerdings nicht begeistert.

Wer brachte Sie auf die Idee, einen Song mit den Schlümpfen zu machen?

Die Figuren des belgischen Zeichners Pierre Culliford liefen nicht mehr so gut. Da rief mich sein Manager Harry Thomas an und fragte, ob sich da nicht etwas machen ließe. Das war im Mai 1977.

Ein Jahr später war das Lied der Schlümpfe weltweit Kult. In Deutschland verkauften Sie eineinhalb Millionen Platten und waren 29 Wochen auf Platz 1 der Hitparade.

Nicht nur das: Die spanische Version war auch in Venezuela und Peru Nummer eins. Es gab eine italienische, eine französische und eine schwedische Version. Sogar die japanische verkauften wir 800 000-mal, obwohl ich schlecht zu verstehen gewesen sein soll. Dabei hatte ich eigens einen Phonetiker engagiert. Ein Freund aus Tokio sagte, es klänge wie ein Shogun mit Halsweh.

Warum schlugen die Schlümpfe derart ein?

Es war der richtige Song zur richtigen Zeit. Die blauen Figuren erinnerten viele an ihre Kindheit, deshalb vielleicht.

Sie haben damit Schlagergeschichte geschrieben. Wie lange dauerte es, das Lied zu komponieren?

Eine halbe Stunde. Alle Stimmen sind von mir, auch das Schlumpf-Gequake. Man muss das Band bei der Aufnahme langsamer, beim Abspielen schneller laufen lassen.

Hat es Sie geärgert, als vor drei Jahren »verschlumpfte« Songs von Tic Tac Toe oder Bellini mit Quiekstimmen in den Charts auftauchten?

Gar nicht. Eine grandiose Idee!

Es gibt mittlerweile Techno-Versionen der Schlümpfe. Wäre das nicht auch was für Sie?

Wer würde das einem alten Mann mit Bart abkaufen? So was müssen meine Enkel machen.

In den Achtzigern schlug Ihr Comeback mit den Fabelwesen »Funny Puppies« fehl, zuletzt floppte in Deutschland Ihr Lied von der »Slipeinlage«. Vermissen Sie Ihre große Zeit?

Zugegeben: Heute verkaufen sich meine Platten nicht mehr so gut. Aber hier in meinem Büro in Breda hängen 128 Goldene Schallplatten, die ich als Sänger, Produzent und Songwriter bekommen habe. Zum Beispiel habe ich 1976 »Die kleine Kneipe« für Peter Alexander geschrieben. Ich bin hierzulande mit Cliff Richard der einzige Künstler, der über 50 Top-40-Hits in den Charts hatte - Elvis hatte 41, die Beatles nur 39. Was will ich mehr?

Treten Sie denn noch auf?

Natürlich! Ich tingle durch Holland und Belgien. Mit unserem Lieferwagen fahre ich von Show zu Show, 100 000 Kilometer pro Jahr. Hochzeiten, Oldie-Paraden, zur Fußball-EM war ich in einer Fernsehsendung mit vier Millionen Zuschauern. Außerdem komponiere ich für Ireen Sheer oder Stefanie Hertel.

Kommen Sie manchmal nach Deutschland?

Ja, im Sommer war ich beim HitparadenRevival in Berlin. Ich habe 200 Autogramme gegeben!

Die ZDF-Hitparade wurde ja inzwischen eingestellt. Ist damit eine Ära zu Ende?

Auf jeden Fall ist es sehr schade. Vielleicht fehlte denen eine Art Vader Abraham mit seinen Schlümpfen.

Sie sind jetzt 65 - kommt nicht auch für Sie die Zeit, in den Ruhestand zu gehen?

Nein. Was soll ich denn dann tun? Mit dem Krückstock durch Breda spazieren? Mich in den Schaukelstuhl setzen? Ich habe gehört, dass in Deutschland Clubs und Discos ihre Veranstaltungen nach mir benennen, »Vader-Abraham-Dancefloor« zum Beispiel. Ist doch sagenhaft! Solange sich die Leute an mich erinnern, bleibe ich im Geschäft.

Interview: Kai Schöneberg


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