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Ausstellung: Kylies Hauch von Nichts

Es gibt nur wenige Kleider, die zu solcher Berühmtheit gelangten, wie Kylie Minogues weißer Einteiler aus dem "Can't get you out of my head"-Video. Dieses und weitere Kostüme zeigt nun das Londoner Victoria & Albert-Museum.

Das Victoria and Albert Museum im Londoner Stadtteil Kensington gehört zu den ganz wichtigen Adressen der Museumswelt. Eröffnet 1852, benannt nach der damaligen Queen Victoria und ihrem Ehemann, vier Millionen Ausstellungsstücke aus drei Jahrtausenden Geschichte im Bestand. Goldene Hot Pants aus Lycra, Damengröße 34, Kaufpreis 75 Cent, gab es hier noch nie zu sehen. Das ändert sich soeben. Von diesem Donnerstag an (bis zum 10. Juni) zeigt das V&A, wie die Londoner ihr Lieblingsmuseum nennen, seine erste Ausstellung über eine Popsängerin: Kylie Minogue.

Bereits vor der Eröffnung ist "Kylie - The Exhibition" zu einer Schau der Superlative geworden. Nicht nur, weil sich ein Teil der Kunstwelt heftigst darüber empört, dass in den traditionsreichen Hallen einer 38-jährigen Pop-Ikone gehuldigt wird. Sondern vor allem, weil das Interesse so groß ist wie nie zuvor bei einer Ausstellung. Obwohl der Eintritt gratis ist, gibt es bereits mehrere tausend Vorbestellungen. Alles in allem werden mehr als eine halbe Million Besucher erwartet.

Von der Latzhose bis zum Catsuit

Zu sehen bekommen sie vor allem Kostüme aus zwei Jahrzehnten Pop-Karriere - angefangen von der Latzhose, die die Australierin in ihrer ersten Fernsehrolle als Automechanikerin Charlene in der Serie "Neighbours" ("Nachbarn") trug, bis hin zum Catsuit aus Leopardenprint, mit dem sie nach überstandener Krebs-Erkrankung eben erst bei ihrer Comeback-Tournee "Showgirl Homecoming" auf der Bühne stand - die passenden Stiefeletten und Boxhandschuhe dazu.

Die Ausstellung zeigt aber auch, dass selbst Minogue - vor kurzem erst zur stilsichersten Frau der Welt gekürt - einige modische Geschmacksverirrungen hinter sich hat: Das weiße Kleid, in dem sie 1988 das Video für ihren ersten Hit "You Should Be So Lucky" drehte, erinnert aus heutiger Betrachtungsweise doch eher an einen Leinensack. Besser kam die 1,55 Meter kleine Sängerin im weißen Einteiler für "Can't Get You Out Of My Head" oder in den Hot Pants für "Spinning Around" zur Geltung.

Wegen der Kylie-Show musste sich das V&A allerdings schon einige Vorwürfe gefallen lassen. Mehrere Kritiker empören sich darüber, dass die "Klamottenschau eines Promis" nichts mit Kunst zu tun habe. Auch Minogue selbst, die trotz Trennung von ihrem Dauerfreund Olivier Martinez am Dienstagabend zur Eröffnungsfeier erschien, zeigte sich bei aller Freude ein wenig verwundert: "Ich kann nicht glauben, dass es Discokugeln und Glitter ins V&A geschafft haben."

Ein Trend in der Museumswelt

Museumsdirektor Mark Jones entgegnet den Kritikern jedoch: "Wir sind keine Kunstgalerie, sondern ein Museum für geschichtliches und zeitgenössisches Design. Und es ist völlig offensichtlich, dass der Promikult in der Kultur des 21. Jahrhunderts eine immens wichtige Rolle spielt." Außerdem hat das V&A mit Rock und Pop schon Erfahrung. Bereits 1973 war es das erste britische Museum, das seine Tore für das Konzert einer Rockband öffnete. Die Gruppe Gryphion kennt heute allerdings keiner mehr.

Hinzu kommt, dass sich V&A mit der Ausstellung durchaus im Trend befindet. In der National Portrait Gallery, wo längst schon die Porträts der Beatles hängen, beginnt kommende Woche "Face Of Fashion", eine andere Ausstellung über die Pop- und Modewelt mit Bildern von Kate Moss bis Sting. Im Sommer gibt es dann im Barbican-Kulturzentrum eine große Ausstellung zu 30 Jahren Punk. Und viele Museumsbesucher stimmen ohnehin der Meinung zu, die Kylie Minogue bei der Eröffnungsfeier zum Besten gab: "Kunst ist, was man mag oder nicht."

Christoph Sator/DPA / DPA
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