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Calvin Klein: Siegeszug einer Unterhose

Liegt es an den knappen Kreationen oder den knackigen Kerlen, die sie tragen? Designer Calvin Klein machte Feinrippunterwäsche wieder tragbar und sorgte mit freizügigen Werbeplakaten für Aufsehen. In diesem Herbst feiert das Modelabel sein 25-jähriges Jubiläum.

Von Julia Mäurer

"Nichts kommt zwischen mich und meine Calvins" - mit dieser Aussage sorgte die damals 15-jährige Brooke Shields in den Siebzigern für einen Sturm der Entrüstung

"Nichts kommt zwischen mich und meine Calvins" - mit dieser Aussage sorgte die damals 15-jährige Brooke Shields in den Siebzigern für einen Sturm der Entrüstung

"Weißt du was zwischen mich und meine Calvins kommt? Nichts!" Dieses provokante Bekenntnis der damals erst 15-jährigen Brooke Shields sorgte Ende der Siebziger in Amerika für einen Sturm der Entrüstung. Der Vorwurf der Kinderpornografie wurde laut. Und das alles wegen einer Werbekampagne für die Jeans des Designers Calvin Klein. Wahrscheinlich fehlten Brooke Shields damals nur die passenden Unterhosen, denn die Feinrippwäsche mit den berühmt gewordenen Initialen "CK" kam erst 1982 auf den Markt.

An Provokation und nackter Haut hat Klein jedoch auch bei der Vermarktung seiner Unterwäsche nie gespart. Was nahe liegt, denn Unterwäsche trägt man nun mal auf nackter Haut. Oder so wie Marky Mark: mit Waschbrettbauch und Hand am Genital. Genau so posierte der Ex-Rapper Anfang der Neunziger auf einem Werbeplakat. Der Musiker und Schauspieler war jahrelang das Gesicht oder vielmehr der Körper für Calvin Klein Underwear. Einer von zahlreichen Prominenten, die die Unterwäscheverkäufe ankurbelten. Ob Kate Moss, Christy Turlington oder Karen Mulder: Die Top-Models der Neunziger ließen sich gern von renommierten Fotografen wie David Sims, Peter Lindbergh oder Bruce Weber in Calvin Klein Unterwäsche ablichten. Bei den Männern sorgten Antonio Sabato Junior, Travis Fimmel oder Fußballer Freddie Ljungberg in sexy Slips für Aufsehen.

Amerikanisches Saubermann-Image

Dabei steht Calvin Klein nicht für freizügige Kreationen wie eine Donatella Versace oder extravagante Entwürfe wie das Enfant terrible der Mode John Galliano bei Dior. Vielmehr verkörpert Modemacher Calvin Klein, der 1968 mit seinem Jugendfreund Barry Schwartz sein eigenes Label gründete, den sauberen amerikanischen Chic: Schlichte Schnitte, hochwertige Materialien und dezente Farben charakterisieren das Label. Das ist bei seiner Unterwäsche, die neben Accessoires, Parfum und einer Home Collection nur einen Teil des international erfolgreichen Modekonzerns ausmacht, nicht anders.

Clever und geschäftstüchtig erkannte Calvin Klein als einer der ersten Designer, dass sich der eigene Name auf Unterwäsche ganz gut verkauft. Er schaffte es, aus einem alltäglichen Kleidungsstück wie der Baumwollbux ein Designobjekt zu machen, indem er fade Feinripp-Schlüpfer um die entscheidenden Zentimeter verlängerte und den Bund, der heute nicht selten aus tief sitzenden Männerjeans hervorblitzt, mit seinen Initialen "CK" versah. Plötzlich galt es als cool Baumwollunterhosen mit Eingriff zu tragen. In den Achtzigern, als viele Designer und ihre Mode für einen Hollywood-Film fast ebenso wichtig waren wie die Schauspieler, gelang es auch Calvin Klein seine Unterhosen geschickt in Szene zu setzen. Wie etwa 1985, im ersten Teil der er Science-Fiction-Trilogie "Zurück in die Zukunft", als Hauptdarsteller Michael J. Fox in Calvin Klein Unterhosen über die Kinoleinwände flimmerte.

"Wir machen Unterwäsche sexy und zu etwas, das allen Spaß macht, das jeder genießen kann", so der Designer in einem Interview anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Marke im Jahr 1997. Der Spaß ist den Machern und Models offensichtlich nicht vergangenen. Denn für die diesjährige Herbst-Winter-Kampagne wurde bereits der Schauspieler Djimon Hounsou als neues Model verpflichtet und ziert gewohnt knackig die Plakate von Calvin Klein Underwear.