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Giorgio Armani: "Europa ist ein gesättigter Markt"

Ein Modemeister orientiert sich neu: Giorgio Armani macht Möbel für reiche Asiaten.

Herr Armani, ein Anzug aus Ihrer Schneiderei ist leicht zu erkennen - woran aber erkenne ich ein Armani-Möbel?

Das ist ein bisschen schwieriger. Meine Kleider sind schon seit 30 Jahren auf dem Markt, ihr Stil hat sich eingeprägt. Meine Möbel aber gibt es erst seit gut fünf Jahren, und eigentlich verfolge ich mit ihnen ein profanes Ziel: Sie sollen benutzbar sein. Bei mir werden Sie niemals eine Lampe sehen, die wirkt, als wäre sie aus dem Weltall importiert worden. Meine Mode und meine Möbel eint ein Vorsatz: Ich will mit ihnen eine Atmosphäre erschaffen.

Man sieht sehr wenige italienische Elemente in Ihrer Möbelkollektion, eher asiatische. Was ist noch italienisch an Armani Casa?

Ich verbringe aus beruflichen Gründen viel Zeit in Fernost, zuletzt etwa in Shanghai. Das, was ich dort erlebe, beeinflusst meine Mode - und jetzt auch meine Möbel.

Der Verdacht liegt nahe, dass Ihnen der europäische Markt nicht mehr so wichtig ist.

Europa ist ein gesättigter Markt, deshalb müssen wir uns nach Osten ausrichten.

Fendi, Ralph Lauren, Joop - immer mehr Modelabels machen im Möbelgeschäft mit. Wodurch heben Sie sich von der Konkurrenz ab?

Unsere Möbel werden von uns entworfen und unter unserer Aufsicht gebaut. Die Konkurrenz vergibt meistens nur Lizenzen und kümmert sich dann um nichts mehr.

Von Armani gibt es Düfte, Uhren, Kleider, Sofas, bald auch Hotels. Wie sehr verstehen Sie sich noch als Modemarke?

Mit der Gründung von Armani Casa vor gut fünf Jahren war mein Projekt abgeschlossen, die Mode- in eine Lifestylemarke umzuwandeln. In unserer Welt geht es immer mehr um die Macht von Marken. Eine Marke wie Armani verleiht Sicherheit und Orientierung. Wir statten komplette Anwesen aus von Menschen, für die Geld keine Rolle spielt.

Wie stark sind Sie selbst am Design Ihrer Möbel beteiligt?

Total: Ich gebe den Input, mische mich ständig ein.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Macht der Marke Armani kleine Firmen unterdrückt?

Von den vielen ambitionierten, modernen Möbelfirmen, die auf Messen wie dem Salone del Mobile hier in Mailand ausstellen, werden einige in zehn Jahren leider verschwunden sein. Mein Bestreben ist, dass Armani Casa bleiben wird.

Es ist doch bedauerlich, wenn nur die Luxuslabels überleben.

Das stimmt, wenn man unter Luxus nur noch die Anhäufung von teuren Requisiten versteht. Luxus ist für mich etwas anderes, als ein paar Yachten zu besitzen. Das Wichtigste am Luxus ist, dass man ihn nicht an jeder Ecke antrifft.

Worin besteht für Sie der ultimative Luxus?

Der wahre Luxus wäre wahrscheinlich, unsterblich zu sein.

Interview: Oliver Creutz

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