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Interview: "Diese Wünsche erfüllt ein seriöser Chirurg nicht"

Gesäßimplantate und verkürzte Rippen - die Wünsche werden immer absurder. Professor Werner Mang über Trends und Grenzen der Schönheitschirurgie.

Prof. Werner Mang (55), Chef der Bodenseeklinik für plastische und ästhetische Chirurgie, beobachtet eine "Revolution in der Schönheitschirurgie". Im Interview redet der Schönheitschirurg über junge Mädchen, die einen Hintern wie Jennifer Lopez haben wollen, die steigende Anzahl von Männern auf dem OP-Tisch und welche Wünsche er nicht erfüllt.

Was wünschen sich Mädchen und Frauen, die heute zu Ihnen kommen?

In den letzten fünf Jahren haben wir eine Revolution der Schönheitschirurgie erlebt. Ab dem Jahr 2000 wurden die Wünsche immer abstruser und die Patienten immer jünger. Während bis zum Jahr 2000 die Altersstrukturierung bei Schönheitsoperationen zwischen 20 und 60 Jahren lag, hat sich der Altersgipfel auf zwischen 12 und 80 Jahren verschoben.

Welche Wünsche erfüllen Sie nicht?

Es werden auch Gesäßimplantate gewünscht, zum Beispiel ein Po wie Jennifer Lopez. Das Herausschneiden von Rippen, um eine ganz dünne Taille zu haben, Megaimplantate für die Brust und ähnliches. Diese Wünsche erfüllt ein seriöser, plastischer Chirurg nicht, sondern hier sollte eher ein Psychologe hinzugezogen werden.

Nimmt die Zahl der Männer zu, die sich an Sie wenden? Was wollen die Männer an sich verändern?

Die Männer sind absolut auf dem Vormarsch. Bei unseren Untersuchungen kann man feststellen, dass im Jahr 1980 der Anteil an Männern cirka fünf Prozent war, im Jahr 1990 bereits 9,5 Prozent und im Jahr 2005 bereits 20 Prozent, das heißt, jeder Fünfte, der heute verschönert wird, ist ein Mann, Tendenz steigend.

Welche Operationen sind bei Männern besonders beliebt?

Absoluter Renner bei den Männern ist der Wunsch nach einem Waschbrettbauch. Jeder Mann ab 45 möchte auch in der Badehose gut aussehen und keinen "Rettungsring" haben. An zweiter Stelle stehen Tränensackoperationen.

Wird die Tendenz zu OP's weiter zunehmen?

Die Schönheitschirurgie boomt. Im Jahr 2005 wird es über eine Million schönheitschirurgische Eingriffe geben, das heißt über 200 000 Operationen an Männern.

Was ist für Sie ein schönes Gesicht, Schönheit generell?

Schönheit ist selten. Schön zu sein heißt, sich von allen anderen wenig zu unterscheiden, keine auffälligen Makel und Mängel zu haben, wie Hakennase, fliehendes Kinn, Hängebäckchen, enger Augenabstand, Glatze, keine oder zu üppige Brüste, sondern wenig Bauch, zarte Hüften, kein großes Gesäß, schlanke Beine, moderate Waden und Fesseln. Die Harmonie ist das Entscheidende.

DPA / DPA
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