Männer - Unterhosen Mehr Stil im Schritt


Männer und ihre Unterhosen passen in den seltensten Fällen zusammen. Ein Textilhersteller schafft Abhilfe: Im Unterwäsche-Style-Guide wird knallhart kategorisiert.

Wunderbar, mit welcher Lässigkeit sich manche Männer komplizierte Themen vom Halse halten. Der Medizinprofessor und Kleiderreformer Gustav Jäger (1832-1917) sagte seinerzeit: "Ich trage nie Unterhosen." Heute dagegen ist den wenigsten Männern danach, als Freischwinger durch die Welt zu wandeln. Aber die wenigsten machen im Slip was her. Wie hilfreich also, dass sich jemand des Dilemmas angenommen hat, der etwas davon versteht: Das amerikanische Trikotagen-Unternehmen Fruit of the Loom hat einen Unterwäsche-Style-Guide entwickelt.

Hintergrund der Stilberatung: Kaum hatte man im November 2003 erstmalig eine eigene Herrenunterwäsche-Kollektion auf den europäischen Markt gebracht, da diagnostizierte man auch schon einen umfassenden Beratungsbedarf. "Männern mangelt es in puncto Unterhosen immer noch an Kompetenz", klagt Sylvie Derouet, Brand Managerin Europa. "Wenn sie ein Handy kaufen, informieren sie sich vorher in einer Fachzeitschrift. Bei der Unterwäsche kennen sie oft noch nicht einmal ihre Konfektionsgröße." Drei neue Unterhosen pro Jahr - mehr legt sich der deutsche Mann laut Statistik nicht zu, und längst nicht jeder wechselt seine täglich. Daran wird sich wohl nichts ändern, doch immerhin herrscht neuerdings ein gewisses Traditionsbewusstsein in der Hose. Auch Schiesser, Deutschlands größter Unterwäschehersteller, hat seine Unterhosen mit Erfolg in einer "Revival"-Linie neu aufgelegt. In nostalgischer Verklärung werden historische Modelle wie "Roland", einst Symbol stoffgewordener Spießigkeit, zu Verkaufshits. Noch weiter retro kann man bei Fruit of the Loom gehen. Dessen Ursprünge reichen zurück bis in Jahr 1871, in dem die Tochter eines Weißwarenhändlers ihre "Frucht des Webstuhls", so die deutsche Übersetzung, beim US-Patentamt registrieren ließ. Mitte der 70er Jahre kam man in der europäischen Filiale dann auf die Idee, das bunte Obstlogo gut sichtbar auf T-Shirts zu drucken. In den Boutiquen Roms und der Pariser Rive Gauche riss man sich um die Hemdchen.

Als in den USA jeder dritte Mann und Knabe Unterwäsche mit dem Obstlogo trug, rutschte man in die Krise. Erst Mitte der 90er, und damit später als die Konkurrenz, hatte man die Herstellung in Billiglohnländer verlagert. Das geschah so überstürzt, dass die Qualität litt; gleichzeitig brachen in Europa die Umsätze ein, weil "Fruit" sich plötzlich als hochwertige Marke zu positionieren versuchte. Im Dezember 1999 wurde das Unternehmen unter Konkursverwaltung gestellt.

Zwei Jahre später

übernahm der amerikanische Investment-Tycoon Warren Buffett die Wäschefirma für 825 Millionen Dollar. "Wir haben einen der besten Markennamen der Welt", begründete er sein Engagement. "Die Produktionskosten sind sehr niedrig. Unsere Kunden sind glücklich mit dem Preis und dem Produkt." Mit 23 000 Mitarbeitern ist der Konzern heute immer noch einer der größten Textilhersteller der Welt - allein in Europa verkauft Fruit of the Loom jährlich rund 80 Millionen Kleidungsstücke.

Damit es noch ein paar mehr werden, gibt es nun die "Goldenen Stilregeln der Herrenunterwäsche". Da ist die Männerwelt nach Größe und Figur in zwölf Kategorien eingeteilt. Dem so gefundenen "Bodycharakter" wird - mit korrektem Sinn für Farbe und Form - die passende Unterhose zugeteilt. Das Modell Shorty beispielsweise steht jedem Mann, nur dem "korpulenten Kleinen" nicht. Groß und schlank? Da verbietet sich der enge "Slip". Mittelgroß und dick? "Vermeiden Sie Boxer." Grundsätzlich gilt: String-Tangas sind tabu! So weit, so nützlich, doch wo bleibt da die Experimentierfreude? Die nächste Offensive des Herstellers sollte vielleicht ein wenig mehr Humor in die Unterhose bringen.

Dirk van Versendaal print

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