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Männermode 2009: Geiler Beat!

Die Musiker der Band Franz Ferdinand mögen zackige Songs und scharf geschnittene Anzüge. Klar, dass sie gern nach Berlin kamen, um sich von Karl Lagerfeld in aktueller Männermode fotografieren zu lassen.

Von Lars Jensen

Die schwarzen Lederhandschuhe und die dicken Silberringe an seinen Fingern stören ihn dann doch bei der Arbeit. Karl Lagerfeld fotografiert für den stern die vier Jungs von der Glasgower Band Franz Ferdinand. Handschuhe und Schmuck muss er nicht ablegen, er hat Angestellte aus Paris mitgebracht, die für ihn im kalten Wind wichtige Handgriffe erledigen. Acht, neun Franzosen mit ernsten Gesichtern wimmeln an diesem Berliner Wintertag um Lagerfeld herum.

Der Fotograf tritt auf, wie man ihn aus zahllosen Talkshows kennt. Mit grauem Zopf, Stehkragen, Lederhose, einem spöttischen Lächeln im Dauerdiät-Gesicht, viersprachig parlierend.

Lagerfeld besichtigt das Dach des Spielcasinos am Potsdamer Platz und deutet auf ein paar Stapel ausrangierter Stühle. Da setzen sich Alex Kapranos, Bob Hardy, Nick McCarthy, Paul Thomson, so heißen die vier Bandmitglieder, jetzt mal bitte drauf. Lagerfeld macht ein paarmal "Hmmm", "Ääh", lugt über den Rand seiner schwarzen Sonnenbrille, plaudert kurz Alex an, dann Paul.

"Gut zum Tanzen"

"Doch, doch, doch", er habe Songs von Franz Ferdinand auf einigen seiner iPods. "Euer Sound ist gut zum Tanzen", bescheidet er den Musikern, die ihm von den Stuhlstapeln aus zuhören. Nicht viel ist bekannt über den privaten Lagerfeld, immerhin dies: Allein oder zusammen mit Freunden schwingt er gern mal das Tanzbein. Schön zu hören, dass er sich auch zum zackigen Rock von Franz Ferdinand bewegt.

Einer der luxuriös angezogenen Assistenten hält einen Laptop in den Händen, auf dem er seinem Chef Testaufnahmen zeigt. Dann greift Lagerfeld mit seinen Handschuhfingern nach der schweren Mittelformatkamera und drückt um die vierzigmal ab. Die Musiker lassen sich nicht anmerken, dass ihnen die Kälte unter die Jacken weht.

Einige Stunden zuvor, auf der Fahrt vom Tegeler Flughafen zum Casino, fragten sich Nick McCarthy und Paul Thomson, was für ein Typ Lagerfeld wohl sei: Ist er verrückt? Schlau? Lustig? "Wir sind Fans von ihm", sagte Schlagzeuger Paul. "Aber ich muss zugeben, dass wir ein bisschen nervös sind."

Outfits für Rockmusik

Die Band hat gerade ihre dritte CD, "Tonight", veröffentlicht. Eine Kennerfrage von Karl Lagerfeld: Ist das dritte Album immer das schwierigste? "Für uns ganz sicher", sagt Bassist Bob Hardy. "Wir sind uns nach dem zweiten Album ja fast vier Jahre aus dem Weg gegangen."

Am Büfett erzählt Keyboarder Nick von den modischen Gewohnheiten in der Heimat: In Glasgow beschränke sich das Modebewusstsein der meisten Männer auf die Frage, welches Fußballtrikot sie sich morgens überstreifen - ein grünes von Celtic oder ein blaues von den Rangers. "Die ‚Vogue‘ liest niemand, wir auch nicht, denn so was macht man bei uns nicht", sagt er. "Aber Karl werde ich das nicht verraten." Die Mitglieder der Band tragen im Glasgower Alltag keine Trikots, sondern T-Shirts und Jeans. Stehen Showtermine an, ziehen sie Anzüge an, wie sie Liverpooler Bands in den Sechzigern trugen - mit klassischen Bühnenoutfits lässt sich auch heute noch am glaubwürdigsten Rockmusik vortragen.

Wie konnte Franz Ferdinand in den Ruf gelangen, den modischen Fortschritt zu verkörpern? "Hat vielleicht damit zu tun, dass unsere Musik auf Modenschauen gespielt wird", sagt Paul.

Ganz Profi

Nun stehen die Jungs in der Garderobe und dürfen aus den neuen Kollektionen Stücke wählen, die zu ihnen passen. Das geht schnell: ein glitzerndes Jackett, entworfen von Lagerfeld, Dinnerjacke von Yves Saint Laurent, Sakko von Dolce & Gabbana.

Draußen auf dem Dach wird es immer kälter, also möchte Lagerfeld die nächsten Bilder auf der Bühne des Casinos schießen. Er drapiert die Musiker mit ihren Instrumenten, die Pariser Anzugträger arrangieren Licht und Kamerawinkel. Lagerfeld steigt auf die Bühne und verschiebt Schlagzeug und Mikrofonständer um einige Zentimeter. Dann hängt er den Jungs einige der schweren, langen Silberketten um, die ihm am Hals baumeln. "Geniale Idee", scheint sein Gesichtsausdruck zu sagen. Am Fenster steht ein Sicherheitsbediensteter und flüstert: "Lagerfeld - ditt is doch janz jroßer Karneval." Besser hat es noch niemand beschrieben.

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