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Mann trägt Bart: Eine haarige Angelegenheit

Brad Pitt trägt ihn und Schauspielkollege Jake Gyllenhaal auch. Robbie Williams hat ihn entdeckt und ohne ihn wäre Sean Connery nur ein halber Mann: der Bart. Warum der Gesichtsbewuchs wieder in ist.

Von Ulrike Blieffert

Seit Robbie Williams nicht mehr singt, lässt er sein Gesichtshaar sprießen. Mehr als nur ein kleines bisschen: Man kann bei ihm von einem Bart sprechen statt nur von Drei-Tage-Stoppeln. Vielleicht will er seine Ruhe und inkognito bleiben. Vielleicht ist er aber auch verwahrlost seit er nicht mehr im Rampenlicht steht, armer Robbie, ungepflegt und depressiv. Kann natürlich auch sein, dass er fernab der Bühne gereift ist und zu sich gefunden hat; der Popstar ist zum Mann geworden. Eins ist klar: Ein Bart liefert jede Menge Stoff für Geschichten. Bei Robbie Williams ebenso wie beim Mann von nebenan, bei dem der Trend jetzt auch angekommen ist.

Markant, sexy und intelligent: Der Bart ist ein Allrounder

Vollbart - das Wort erinnert erstmal an einen Mathematiklehrer aus den 80er Jahren mit Bauch unter dem karierten Hemd. Oder an unseren eigenen Vater, der die Bilder von sich mit Bart nicht mehr herzeigen will. Wie kommt Sexsymbol Brad Pitt zu so einem Ding? Oder Zuckerschnute Jake Gyllenhaal? Ganz einfach: Der Bart gibt ihnen einen Mehrwert. Brad Pitt wirkt plötzlich irgendwie intelligent. Jung-Schauspieler Gyllenhaal erscheint gereift, ebenso wie sein Kollege Leonardo DiCaprio. Der sonst so geschleckte Designer Marc Jacobs hat über Nacht Ecken und Kanten, wie sexy. Und dass Sean Connery ohne Bart nur ein halber Mann wäre, war schon lange vor diesem Trend jedem klar. Neuerdings wird getrimmt, gestutzt, gepflegt. Ein neues Ich entsteht vor dem Spiegel - eine Erfahrung, die lange Zeit nur Frauen vergönnt war. Da kann schon mal eine halbe Stunde das Bad blockiert sein, denn schließlich ist der Bart das Make-up des Mannes. Mit ihm wird Geheimratsecken etwas entgegengesetzt, ein fliehendes Kinn geschickt kaschiert. Aristokratische Züge können noch unterstrichen werden. Nicht Faulheit bei der Körperpflege macht den Mann zum Bartträger, sondern - im Gegenteil - ein neues ästhetisches Bewusstsein.

Spätestens seit der Serie "Sex and the City" ist bei Frauen jede modische Provokation erlaubt, um ihre Weiblichkeit in Szene zu setzen. Da wird es Zeit, dass die Männer nachziehen. Und was könnte männlicher sein als ein Bart? Um sich vom Mathematiklehrer zu unterscheiden, muss er allerdings mit etwas Ironie getragen werden. Bei älteren Männern ohne modische Ambitionen ist der Bart eben nur Bart. Zum Statement wird er, wenn ein Mittzwanziger mit trainierten Bauchmuskeln ihn zum Designer-T-Shirt kombiniert. Wo man hinschaut, das Werbe-Motto des Rasierer-Herstellers Gillette "Für das Beste im Mann" macht plötzlich Sinn. Das Produkt allerdings nicht mehr, seit das Beste nun endlich wieder wachsen darf.

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