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Modemesse Düsseldorf: Erlaubt ist, was Spaß macht

Das passt nicht zusammen, gibt's nicht: Im Modesommer 2006 darf bunt gemischt werden. "Cross-Dressing" heißt das Zauberwort.

Die Mode für Frühjahr und Sommer nächsten Jahres wird ruhiger, eleganter und etwas sportlicher werden. Dies zeigte sich auf der am Sonntag in Düsseldorf eröffneten Internationalen Modemesse "CPD" bei den ersten Trend- und Modenschauen der Designer fast aller großen internationalen Marken. Weniger komplette Outfits als vielmehr kombinierbare Einzelteile sind gefragt. Dabei kreuzt sich Sportives mit Nostalgischem.

Groß im Kommen bei den Frauen sind demnach Uniform-Jacken, die mal an die von Briefträgern, mal an die von Piraten oder sogar Garde-Soldaten erinnern. Auch "Guerilla-Jacken" mit aufgesetzten Taschen und glänzenden Metallknöpfen sind angesagt. Nach Ansicht vieler Modedesigner wird das "Cross-Dressing" also der Mix von Stilen, die vermeintlich nicht zusammen passen, im kommenden Frühjahr und Sommer weiter "in" sein.

Exotik statt Glamour

Dabei wird es statt Glamour wohl mehr Exotik bei den Formen und Farben geben. Bei neuen Naturtönen, grafischen Mustern und der Verwendung von Bast, Ebenholz und Gold sei Afrika angesagt, hieß es bei der Order-Schau am Sonntagvormittag. Bei den Röcken gibt's viel Folkloristisches, das mal an Flamenco-Röcke aus Andalusien, mal an Gipsie-Röcke von Zigeunerinnen oder auch an den Hippie-Stil der 70er Jahre erinnert.

Dazu tragen modebewusste Frauen Klocks mit dicken Holzsohlen und immer häufiger auch geschlungene Tücher um die Taille. Neben dem "Around-The-World-Look" mit Kolonial- und Abenteuer-Outfits haben sich viele der Modeschöpfer, die auf der weltweit größten Fachmesse der Branche ihre Kreationen und Kollektionen zeigen, von englischen Gärten und der Mode der 30er und 40er Jahre inspirieren lassen. So entstand ein "exzentrisch-femininer" Dress, der sich an sommerlichen Gräsern und Blumen orientiert.

Mieder und Baby-Dolls stehen für diesen Trend, der im viktorianischen Stil auch schmale Hosen, mehrlagige Petticoat-Röcke, Puffärmel-Blusen und scharf taillierte Jacken verführerisch in Szene setzt. Die Farben des nächsten Sommers sind dabei weiß, beige und caramel. Oft sind Blumen in jeder Form und Größe zu sehen, bei denen sonnenverblichene Farben vorherrschen.

"Ein Leben ohne Jeans ist nicht denkbar"

Beim Material ist ein "Zurück zur Natur" unübersehbar. Leinen, Rohseide, Jersey und rustikale Baumwolle sind zu finden. Passend zum Natur-Thema hält sich Grün in allen Nuancen von Kiwi über Oliv bis hin zu Grastönen. Lange Stufenröcke und geschlitzte Wickelformen werden durch ein- oder doppellagigen Feinstrick oder durch ausgefeilten Grobstrick in Netz- und Häkeloptik ergänzt.

Bestickte und mit Holzperlen dekorierte Tops sind zu finden, seidige oder batistartige Blusen und nicht zuletzt die Tunika aus leichtem Chiffonstoff mit schmückenden Bändern oder Schleifen. Auch die längere Version als Kaftan kombiniert etwa mit einer 3/4-langen Hose wirkt locker und doch elegant. Bei Hosen sind in der nächsten warmen Jahreszeit Piratenhosen, Sailor-Formen, Bermudas und natürlich Jeans angesagt. "Ein Leben ohne Jeans ist auch weiterhin nicht vorstellbar", betonten die Modemacher am Sonntag zum Messeauftakt. "Wir setzen auch stark auf verkürzte Hosen. Interessant finden wir darüber hinaus die Kombination von scharf geschnittener Blazer-Jacke und Bermudas", sagte Ralf Schellenberger von der Firma Raffaello Rossi.

Die Dekoration wird auch im kommenden Jahr ein Renner bleiben. Viele Stickereien sind zu sehen, Nieten-Dekorationen, Perlchen und Metall-Applikationen. An der bis zum Dienstag stattfindenden Modemesse beteiligen sich rund 1.500 Aussteller aus 46 Ländern.

Andreas Rehnolt, AP / AP
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