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Modewoche in London: Die wilden Zeiten sind vorbei

Von Kopf bis Fuß bedeckt ist angesagt - zumindest bei der London Fashion Week werden die Zeiten modisch konservativer.

Von Kopf bis Fuß bedeckt ist angesagt - zumindest bei der London Fashion Week werden die Zeiten modisch konservativer. Die Rocksäume fallen, die Hals- und Rückenausschnitte werden hoch geschlossen sein. Selbst die Strümpfe waren bei den Schauen am Montag in fast jeder Kollektion blickdicht, allerdings nicht nur in Schwarz, sondern in allen Farben des Regenbogens.

Die Kollektion des bedeutendsten britischen Designers, Paul Smith, erschien ungewöhnlich verhalten: Keine Spur von leuchtenden Farbkombinationen und kraftvollen Prints, die man von Smith gewohnt ist. Für den kommenden Winter ließ er sich von englischen Schuluniformen inspirieren. Seine Models schritten in braven Faltenröcken und V-Ausschnittpullovern über den Laufsteg.

"Gedämpfte" Kollektion

Bei Smith wie bei vielen anderen Designern auch sah man selbst die Pullover eng geschnürt: mit einem schmalen Gürtel in der Taille. Erstaunlich war auch Smiths Verwendung von Gold- und Leder-Gürteln, die an die Schulterriemen der berühmten Chanel-Taschen erinnerten. Die Farben dieser "gedämpften" Kollektion waren Dunkelblau, Schwarz, Beige und Rot.

Wie aus einem Mädchenkleiderschrank der 70er

Auch Jessica Ogdens Entwürfe demonstrierten, dass die wilden Zeiten in der Mode vorbei sind: Ihre Kleider sahen aus wie aus einem Mädchenkleiderschrank der 70er Jahre. Blasse Pastellfarben und Kleider im Patchworkstil erschienen in ihrer Show. Lange weite Röcke und kurze Jäckchen dominierten. Wie viele ihrer Kollegen führte auch Ogden kurze Ponchos vor.

Woll- und Tweedkreationen

Wie Michiko Koshino ließ sich auch die Doyenne der englischen Mode, Betty Jackson, vom St. Moritz der 50er und 60er Jahre inspirieren. Ihre Models wurden von Woll- und Tweedkreationen gewärmt. Sie steckten in damenhaften Mänteln in Pastellfarben mit Dreiviertel-Ärmeln, in knielangen Faltenröcken, figurbetonten Kleidern und Kostümen mit applizierten Rosen und Pelzstolen. Rot-, Beige- und Grüntöne dominierten ihre Kollektion.

Gewagte Show von Boudicca

Die wagemutigste und aufregendste Schau präsentierte Boudicca. Das Designerduo führte seine Entwürfe auf einer mit Gras belegten Theaterbühne und dramatischer Lichtregie vor. Die Models verschwanden in übergroßen Kapuzencapes, Mänteln im Military-Look und hohen, schwarzen Stiefeln. Die Materialkombinationen waren gewagt: Nylon und Organza verbanden sich in ihren Entwürfen mit schweren Woll-, Pelz- und Ledereinsätzen: Ein archaischer Amazonen-Look mit Science-Fiction-Elementen.

Fast alle Boudicca-Modelle waren Schwarz oder Weiß. Farben - etwa an schmalen Gürteln, die diagonal um Mäntel und Kleider geschlungen waren, musste man buchstäblich suchen. Der «Daily Telegraph» feierte die Boudicca-Kollektion jetzt schon als bedeutendste Schau der Modewoche und verglich sie mit den bahnbrechenden Vorführungen von John Galliano und Alexander McQueen, die ihre Weltkarriere in London begannen und derzeit als bedeutendste und einflussreichste Designer überhaupt gelten.

Hana Goodhart, DPA / DPA
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