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New York Fashion Week: Stars kann sich keiner mehr leisten

Madonna, Jennifer Lopez, Hilary Swank - in den vergangenen Jahren pilgerten hochkarätige Stars zur New Yorker Modewoche. Dieses Mal herrscht Flaute. C-Promis wie Pixie Geldof besetzen die erste Reihe. Der Grund: Stars kosten Geld.

Von Ulrike von Bülow, New York

Nachrichten von der New Yorker Fashion Week: Pixie Geldof besucht die Show des Designers Alexander Wang, ihre Schwester Peaches sitzt bei Diane von Fürstenberg am Laufsteg. Mena Suvari nimmt bei Rebecca Taylor Platz, wie auch Carmen Electra und Ramona Singer, die in eine Kamera spricht und sagt, dass ihr alles, was die Dame Taylor so schneidere, "ganz hervorragend" stünde. Nun ist Mrs. Singer, eine butterblonde Hausfrau, nicht unbedingt weltberühmt, aber man kennt sie hier aus dem Fernsehen: Singer tritt in einer Reality-Show namens "The Real Housewives of New York" auf. Bei der Fashion Week steht sie nun für einen neuen Trend, wie die "New York Times" schreibt: "Mit den VIPs geht es bergab" - die Modewoche hatte schon bedeutendere Zuschauer als in diesen Tagen.

"Die Mode stirbt aus in New York"

In Manhattan, im weißen Zelt am Bryant Park, findet wieder die Fashion Week statt, und wie immer interessiert da vor allem eine Frage: Welcher Designer präsentiert welchen Star bei seiner Show? "Die Mode stirbt aus in New York", fürchtet schon die "New York Post", die aber natürlich auch lieber berühmte Menschen zeigt als berühmte Entwürfe - doch was es da zu sehen gibt, belebt auch nicht zwingend das Geschäft: Töchter mit bekannten Nachnamen, ehemalige und aktuelle TV-Sternchen, aber sonst?

Bei der letzten Fashion Week schaute Madonna bei Marc Jacobs vorbei, doch die ist jetzt mit ihrem Liebhaber, dem Model Jesus Luz, beim Karneval in Rio unterwegs. Während Marc Jacobs in New York verkündet, er benötige keine "A-Prominenz" auf seiner Gästeliste: Die Sache mit den "Celebrities" am Laufsteg, so Mr. Jacobs, "langweilt mich". Er teile seine Show nun lieber mit der breiten Masse, in dem er diese im Internet zeige. Weil er es so will?

Natürlich wünscht sich die Modewelt möglichst glamouröse Fotos aus ihren ersten Reihen. Die New Yorker Fashion Week ist ja längst eine Medienveranstaltung wie das Sundance Film Festival oder die Super Bowl, das große Finale um die Meisterschaft im American Football, bei dem vor gut einer Woche Angelina Jolie und Brad Pitt oder Tom Cruise und Katie Holmes zu Gast waren, alles Figuren, die regelmäßig in den bunten Blättern des Landes zu sehen sind. Aber nicht mehr bei der Fashion Week.

100.000 Dollar für einen Auftritt am Laufsteg

Normalerweise "dreht sich hier alles um die Prominenz", sagt eine New Yorker PR-Frau, "gibt es ein irres Gezanke um die besten Leute". Doch ein "A-Lister", wie die ganz berühmten hier heißen, kassiere für einen Auftritt am Laufsteg 100.000 Dollar, so ein Fachmann, "und das kann sich in diesen Zeiten niemand so richtig leisten", da die Branche hier mit der Rezession kämpfe. VIP-Budgets wurden reduziert: Erste Klasse-Anreise für den Star und Hotelzimmer für dessen besten Freunde, das war einmal. Viele der Designer zahlen ihren Gästen diesmal ein Outfit für die Show und den Fahrservice. Doch wem genügt das schon?

Am liebsten hätten sie diesmal alle Sandra Bullock zu Besuch, die frisch mit einem Golden Globe ausgezeichnet und für den Oscar nominiert wurde, also sehr angesagt ist. Angeboten haben sich aber eher "B- und C-Lister" aus Hollywood und aus irgendwelchen Reality-Shows, auf die manch einer gern verzichtet: Man habe drei "Celebrities" abgesagt, so der PR-Mann von Michael Kors, "obskuren Gestalten, die gern in unserer Schau gesessen hätten". Dafür könne man verkünden, dass die Schauspielerin Laura Linney käme, die derzeit am New Yorker Broadway gefeiert wird. Und Zoe Saldana, Hauptdarstellerin aus "Avatar", jenem Film, der gerade das Kino revolutioniert. Und das ist ja auch etwas!