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Prêt-à-Porter: Das Grauen kehrt zurück

Leggings waren auf den Laufstegen der Pariser Prêt-à-Porter wieder zu sehen und werfen die Mode zurück in die 80er. Nur Karl Lagerfeld tanzte aus der Reihe.

Eine dunkle Brille mit kleinem Goldrand scheinen sie beim Entwerfen getragen zu haben. Fast ganz in Schwarz, Grau und mit etwas Gold verziert, so schicken die französischen Prêt-à-Porter- Designer ihre Kollektionen der Damenmode für Herbst/Winter 2006/07 in Paris über den Laufsteg. Und schon sprechen einige Kritiker nach der Halbzeit der seit Sonntag laufenden Schauen-Woche von einem neuen Minimalismus.

Doch trotz aller Bedecktheit steckt äußerste Raffinesse in den neuen Kleidern, die von der Silhouette der 80er Jahre beeinflusst sind. Oben weit und unten schmal - ja, sogar mit Leggings wie vor 20 Jahren: Da kommt so manchem das Grauen. Doch das Spiel mit der oben meist gerundeten Form ist gekonnt, und über die engen Hosen werden lange Stiefel gezogen. Alternativ gibt es schmale Kleider, die an die zarten Filmstars der 60er Jahre erinnern.

Lagerfeld tanzt aus der Reihe

Aus der Reihe tanzte am Freitag Karl Lagerfeld mit seinen Entwürfen für Chanel: mit Rüschenblusen und Seidenoberteilen mit langen Schals. Die Models wirkten in ihren mit Glitzerstücken besetzten Tweedmänteln und Kleidern und in weiten Spitzenhosen wie Rock-Ladies auf einer Bildungsreise durch den Nahen Osten. Basis der Kollektion war allerdings ein Schwarz-Weiß-Kontrast - etwa bei sehr langen Stiefeln in Weiß zum schwarzen Cocktailkleid -, den Lagerfeld schon wunderschön in seiner Couture-Schau im Januar umgesetzt hatte. Irgendwo zwischen den Rängen konnte man den deutschen Entertainer Dirk Bach sichten. Er wirkte mit seinem weißen Anzug, der an einen Kurz-Bademantel erinnerte, und einer Schirmmütze mit der Aufschrift "Tinkerbell" wie ein verirrter Außerirdischer im Modetrubel.

Punktgenau im Trend lag die Kollektion von Akris-Designer Albert Kriemler. Sanft schoppten sich leicht gerundete Oberteile über superschmalen, extrem langen Hosen, zurückgenommen wirken die Farben - vorwiegend Schwarz, Grau, Braun und Creme, dazu ein mattes Smaragdgrün sowie ein tiefes Rubinrot. Alles drehte sich hier um das vollendete Spiel mit Volumen: Trotz des lockeren Schnitts betonten die Kleider aus Pannesamt, Mohair oder Seide die Figur. Star-Teile waren eine kleine Pelzjacke in Écru mit hochgezogener Taille zur weiter Hose sowie ein kühn gerundetes schulterfreies Oberteil mit hohem Kragen in Schwarz.

Strickleggings bei Yves Saint Laurent

Der Italiener Stefano Pilati, der für Yves Saint Laurent entwirft, gilt inzwischen als einer der Stars der Pariser Modewoche. Seine Schau am Donnerstagabend bestätigte sein außergewöhnliches Talent. Leicht ovale Tunika-Oberteile in Grautönen wurden zu Strickleggings und hochhackigen Lackstiefeletten kombiniert. Nichts wirkte vulgär oder unmodern. Ein Mantel in Salz-und-Pfeffer-Muster oder ein superkurzer Ballonrock wurden fast beängstigend perfekt genäht. Dann kam Gold ins Spiel, zunächst als schmaler Metallrand am Top, später als Stickerei aus klimpernden Plättchen im Stil des Malers Gustav Klimt und schließlich als atemberaubendes Top aus lauter Goldpailletten, doch ansonsten locker wie ein Strickoberteil.

Céline-Designerin Ivana Omazic zeigte ihre zweite Kollektion für das französische Modehaus. Nach einem umstrittenen Start in der vergangenen Saison hat die gebürtige Kroatin nun zu einer Handschrift gefunden, und die harmoniert gut mit dem sportlich-eleganten Image der Marke. Eine Stil-Ikone der 20er Jahre, die englische Reeder- Tochter Nancy Cunard, inspirierte sie zu schmeichelnden Kleidern mit schwingenden Röcken in Pudertönen, taillierten Fischgrät-Jacken zu City-Shorts und raffinierten Entwürfen mit spinnwebartigem Strick. Als Accessoires trägt die so mondäne wie kokette Dame der Céline-Welt die für Cunard typischen breiten Armreifen und lange Lederhandschuhe.

Von Stefanie Schütte, DPA / DPA