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Prêt-á-Porter Die Retter von Paris


Verhalten war der Auftakt der Pariser Prêt-á-Porter-Schauen am Sonntag. Mit den Designern von Rochas, Galliano und Vivienne Westwood kehrte jetzt Farbe ein.

Entwürfe - so zart und filigran, dass die Besucher den Atem anhalten! Und das war bei der schlechten Luft im Pariser Musée de l’Art Moderne am Mittwochabend schon eine Leistung. Nach einem eher verhaltenen Start scheint mit der Schau von Rochas für Frühjahr/Sommer 2004 die Modewoche des Prêt-á-Porter erst einmal gerettet. Mit dem hoch begabten Designer Olivier Theyskens hat Rochas einen Kreativen angeheuert, der das Traditionshaus verjüngen soll. Doch anders als so mancher Kollege versuchte Theyskens in seiner zweiten Kollektion für Rochas die eigenen Ideen dem Stil des Hauses anzupassen.

Silber schillernde Cocktailkleidchen mit kunstvoller Spitze in Schwarz besetzt oder engelhafte Abendroben mit aus Stoff geschnittenen, aufgehefteten Blüten ergaben eine Schau, die ganz und gar dem Thema Luxus huldigte. Kurze Trägerkleider sind vorne weit ausgeschnitten, um den Blick auf ein spitzenbesetztes Korsagenoberteil oder einen Brokat-BH freizugeben. Mädchenhaft wirken auch Entwürfe in pudrigem Rosé mit schmalem Oberteil, kelchförmigem Rock und Kurzarm. Theyskens verkörpert den Romantiker par excellence. Wenn er am Ende der Schau auf den Laufsteg tritt, wirkt er mit langen Locken und Kulleraugen wie ein scheuer Prinz, aus einem Kindermärchen entsprungen.

Tragbares aus der Schweiz

Wo Rochas vor allem Festliches und manchmal auch Untragbares zeigte, kleidet das Schweizer Modehaus Akris elegante Frauen rund um die Uhr. Die Poesie stand auch hier im Vordergrund. Röcke und Mäntel in wunderschönem pastellfarbenen Sommertweed, perfekte weiße Blusen mit schwarzem Spitzenrock oder mint-grüne Kleider in zarten Lagen mit raffiniertem Trägeroberteil ergeben eine moderne Form wahrer Schneiderkunst. Raffiniert wirken weiche Drapierungen, in Bahnen gesteppt, die Seidenkleidern eine lebendige Struktur verleihen.

Während Rochas das frühere Supermodel Stella Tennant zur Schau geladen hatte, konnte Akris mit einer kleinen Sensation aufwarten. Der Grandseigneur der Mode und Lieblingsdesigner Audrey Hepburns, Hubert de Givenchy, saß im Publikum. Seit Jahren ist Givenchy, der seinerzeit noch stilgerecht im weißen Schneiderkittel bei den eigenen Schauen auftrat, in keinem Defilee zu sehen gewesen. Nachdem er das zur Luxusgruppe LVMH gehörende Haus seines Namens vor einigen Jahren verlassen hatte, schien er die Modewelt und ihre teils groben Manieren bewusst zu meiden.

Verjüngungskur bei Vivienne Westwood

Die Engländerin Vivienne Westwood entwirft seit über 30 Jahren, und manchmal wurde das in ihren sich wiederholenden Entwürfen auch nur zu deutlich. Diesmal jedoch wirkte ihre Kollektion deutlich verjüngt - trotz der historischen Inspiration. Robin Hood und Lady Marian geisterten durch die gewickelten, gerafften und drapierten Kleider und wamsartigen Oberteile. Waldmädchen mit langen Haaren traten in zusammengehefteten Stoffbikinis mit Nadelstreifenprint auf, Pluderhosen werden von zwei übereinander getragenen Nietengürteln gehalten.


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