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Shopping-Communitys: Hinter jedem Klick ein Schnäppchen

Im Internet locken Shopping-Communitys mit reduzierter Ware namhafter Modefirmen. Nur Mitglieder dürfen sich in die Rabattschlacht stürzen. Das Geschäft zieht an.

Von Claudia Pientka

Der Schlussverkauf beginnt morgens um sieben. Im Angebot sind Spitzen-BHs, Hotpants, Negligés, alles Dessous der Marke Passionata - halb so teuer wie im Fachhandel. Der Händler, der so früh zum Basar ruft, ist die Shopping-Community Vente-privee.com, eine Art Fabrikverkauf im Internet.

Bisher blieb Schnäppchenjägern nur der Weg ins Outlet-Center. Kein Vergnügen, wie jeder weiß, der einmal einen Samstagnachmittag in Rabatt-Dörfern wie Metzingen oder Zweibrücken verbrachte. Bequemer geht's im Internet. Große Marken wie Armani, Gucci und Dior bauen ihren Online-Vertrieb bisher nur zögerlich aus, doch als Resterampe kommt ihnen das Internet gelegen. Shopping-Communitys wie Vente-privee.com, Brands4friends.de und Buyvip.de (an der auch der Verlag Gruner + Jahr beteiligt ist, bei dem der stern erscheint) kaufen Bestände von Designermarken auf und verkaufen sie wieder - ausschließlich online und mit Preisnachlässen von bis zu 70 Prozent: Armani-Sonnenbrillen für 49,90 Euro, Calvin-Klein-Bikinis für 41 Euro, Festina-Uhren für 345 statt 990 Euro.

Der Kaufrausch währt immer nur für eine festgelegte Zeit, ein bis drei Tage, und nur für Mitglieder. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, der Einsteiger wird von einem Kunden geworben. Das verleiht der Rabattschlacht einen Hauch Exklusivität. "Das ist sehr wichtig für uns und wird auch von unseren Partnern gewünscht", sagt Brands4friends.de-Geschäftsführer und Mitgründer Constantin Bisanz.

Rasant wachsende Userzahlen

Wer drin ist im Klub, wird per E-Mail über Aktionen informiert: "Der Verkauf von Calvin Klein hat begonnen", heißt es dann bei Vente-privee.com, die nach eigenen Angaben sieben Millionen Mitglieder zählt. Babystrampler, Handtaschen, Kochtöpfe - das Unternehmen verhökert alles, was aus der vergangenen Saison übrig geblieben ist. Gängige Größen beliebter Marken sind oft innerhalb weniger Minuten ausverkauft, Lieferzeiten von bis zu fünf Wochen keine Seltenheit - dafür dürfen die Online-Trophäen umgetauscht werden.

In Deutschland freuen sich die Betreiber von Brands4friends.de über ihre Mitgliederzahlen: Derzeit stöbern etwa 1,6 Millionen Kunden im Sortiment, 10.000 User kommen täglich hinzu, etwas mehr als die Hälfte von ihnen kauft auch. "Im ersten vollen Geschäftsjahr hatten wir einen Umsatz von 25 Millionen Euro", sagt Bisanz.

Welcher Markenhersteller seine Ware wo feilbietet, wird verdeckt kommuniziert, der "leise Abverkauf " gehört zu den Grundfesten des Geschäftsmodells. "Die Marken wollen keinen Konflikt mit dem Einzelhandel riskieren", sagt Bisanz, "ihre Ware soll nicht als Billigprodukt angepriesen werden." Deshalb öffnen sich die Schaufenster erst nach dem Login. Dann aber flimmern Werbebotschaften über die Homepage, die jeden Ruch von Restposten vertreiben sollen. Dabei sind die Plattformen auch für die Firmen eine lukrative Möglichkeit, Ware loszuwerden. So arbeitet das Label Puma mit Vente privée zusammen. "Über die Online-Community können wir Überbestände kontrolliert und geschützt vermarkten", sagt Puma-Unternehmenssprecher Ulf Santjer.

Den Kunden wird versichert, dass nur mit Markenware gehandelt wird, doch eine Garantie kann keiner geben, wie Einzelfälle zeigen. Als Brands4friends im September 2008 Shirts des US-Labels Abercrombie & Fitch feilbot, stellte sich heraus, dass die Firma die Ware nicht autorisiert hatte. Die Community hatte die Kleider von einem Zwischenhändler gekauft und musste sie dann wieder zurücknehmen. Künftig will Bisanz sich vor Plagiaten besser schützen, indem er seine Ware nur noch beim Hersteller erwirbt.

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