Vivienne Westwood London ehrt die Mode-Punkerin


Das Victoria & Albert-Museum in London feiert Großbritanniens Aufsehen erregendste Modeschöpferin, Vivienne Westwood, mit einer großen Retrospektive. Die Ausstellung zeigt 150 ihrer schrillen Entwürfe.

Vivienne Westwood (63), die "erste Punkerin", hatte bisher noch nie Gelegenheit, auf ihre wilden Jahre zurückzublicken - weil sie irgendwie immer noch mittendrin steckte. Doch seit Donnerstag feiert das Victoria & Albert-Museum in London die Modeschöpferin mit einer großen Retrospektive. Mehr als 150 ihrer Entwürfe aus den vergangenen 30 Jahren zeigt die Schau.

Die opulente Ausstellung beginnt mit Westwoods Punk-Jahren, die von der Kooperation mit Malcolm McLaren bestimmt wurden. Ohne sich zunächst überhaupt als Designerin zu bezeichnen, begann die ehemalige Schullehrerin ihre Karriere mit schrillen T-Shirts mit aufgenähten Hühnerknochen und provokanten Slogans. Am eigenen Küchentisch benähte sie ihre Kreationen mit Federn, Reißverschlüssen, Nieten, Ketten und Fundobjekten. Die Kleider wurden zerschlitzt, aufgerissen, bestickt und geknotet: Nichts blieb, wie es war.

Historische Anleihen

In den 80er Jahren entwickelten sich McLarens und Westwoods Interessen auseinander: Er konzentrierte sich auf Musik, sie auf Mode. Sie begann den Weg von der Subkultur-Rebellin zur anerkannten Modedesignerin. Kennzeichnend dafür war ein zunehmendes Interesse für historische Kostüme, für Malerei des Barock und des 18. Jahrhunderts. Westwoods innovative Kleider mauserten sich vom Straßen-Look der Punks und der Subkultur zu immer komplexeren Kreationen mit historischen Anklängen. Die Ausstellung macht diese Entwicklung in allen Schritten nachvollziehbar.

Auch wenn die Mode sich änderte, so hinterfragte Westwood doch fortwährend Traditionen und Konventionen. "Glaub nie, was Dir gesagt wird", zählt auch heute noch zu ihren Maximen, wie sie im dpa-Gespräch erläutert. Ihre Neugier und ihr Pioniergeist führten zu Erfindungen wie dem Unterwäsche-Look, der gerade wieder eine Renaissance erlebt. Auch die heute omnipräsenten Schlauchkleider und Röcke aus elastischen Materialien hat Westwood in die Mode eingeführt.

Geschaffen für den großen Auftritt

Ob für die Straße oder für den Ballsaal - Westwoods Kleider sind für den großen Auftritt geschaffen: "Der Gedanke, der alle meine Kleider verbindet, ist die Idee des Heroischen", sagt sie, die selbst ausschließlich ihre eigenen Entwürfe - und ihr eigenes Parfüm - trägt.

Obwohl ihre Kollektionen unvermindert provokativ sind und niemals Trends folgen, hat sich Westwood von der Radikalität ihrer frühen Jahre entfernt. "Ich bin immer in Gefahr, zu schnellen Schlüssen zu gelangen. Das ist ein Fehler. Ohne viel Hintergrundwissen kann keine Idee entstehen. Man muss die Dinge im Kontext sehen, alles liegt im Detail. Es gibt kein Schwarz und Weiß, sondern breite Grauzonen, an denen aber niemand interessiert ist."

Überrascht von der eigenen Schaffensgeschichte

Im übrigen ist sie selbst überrascht, wenn sie nun ihre eigene Schaffensgeschichte vor sich ausgebreitet sieht: "Es hat sich alles schrittweise entwickelt. Ich glaube, dass ich einfach sehr viel Glück gehabt habe. Nicht viele Menschen sind dazu in der Lage, ihr Potenzial zu erkennen und auszuschöpfen."

Die Ausstellung ist bis zum 11. Juli geöffnet.

Hana Goodhart, DPA DPA

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