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Wer steckt hinter ...: ... dem Friesennerz?

Die gelbe Regenjacke hat seit 1965 allen Moden getrotzt. Auch ihren Spitznamen "Friesennerz" hat sie behalten - obwohl sie gar nicht aus Ostfriesland stammt.

Wenn man als Kind etwas Neues geschenkt bekommt, möchte man es sofort ausprobieren. Erhält man zum Beispiel eine Regenjacke, dann würde man alles dafür tun, dass dunkle Wolken aufziehen und sich Sturzbäche aus ihnen ergießen. Man möchte augenblicklich im Schlamm buddeln, Dämme bauen und Schiffchen fahren lassen. Und all das natürlich im knallgelben Ölmantel, auch Friesennerz genannt.

Anders als es der Name vermuten lässt, stammt die tausend Gramm schwere Jacke jedoch gar nicht aus dem Friesenland, sondern aus dem dänischen Städtchen Hörve, in der Nähe von Kopenhagen. Hier gründete 1958 Jan E. Ansteen Nielsson ein Sportbekleidungsunternehmen namens Jeantex. Nielsson spezialisierte sich auf feste, wetterbeständige Kleider für Berufssegler und Fahrradfahrer. Sein Ziel war es, dauerhaft wasserdichte Jacken zu fertigen. Das gelang dem Dänen 1965 mit der gelben Öljacke, wie sie damals noch genannt wurde.

"Auch wenn sie nichts mehr mit Öl zu tun hatte", sagt Wolfgang Linden, der zusammen mit seinem Bruder Wilfried das Unternehmen Jeantex heute leitet. Öljacken, auch Ölzeug genannt, bestanden ursprünglich aus geölter Baumwolle. Die Baumwolle des Friesennerzes aber ist mit einer Viskose/PVC-Beschichtung überzogen. Da kommen weder Wasser noch Luft durch.

Deutschland - Regenmantelland

Mitte der 60er Jahre entwickelte sich Deutschland zu einem der wichtigsten Absatzmärkte des gelben Begleiters von Südwester und Gummistiefeln. Die Fabrik in Hörve wurde bald schon zu klein, um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden. Man verlegte den Vertrieb nach Hamburg, die Produktentwicklungs- und Designabteilung folgten. 1985 ging Nielsson in den Ruhestand, vor einigen Jahren verstarb er. Der Standort Hörve wurde drei Jahre nach der Pensionierung Nielssons aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen.

Heute sitzt Jeantex in Rellingen bei Hamburg. Trotz all der Veränderungen hat Jeantex den Friesennerz im Programm behalten. Besonders in den 70er und 80er Jahren war der Allwettermantel beliebt. "Das lag an seiner Zweckmäßigkeit", erklärt Wolfgang Linden. "Es gab damals keine wirklich wasserdichte Bekleidung, die nicht auch einigermaßen leicht war." Und 1977 für einen Preis von knapp 20 Mark auch erschwinglich. "Wenn man bei Regen in die Fußballstadien guckte, war alles gelb. Alle hatten einen Friesennerz an. Das war schon kolossal", erinnert sich der Geschäftsführer.

Gelb ist der Renner

Gelb, eine Signalfarbe auf See, hat sich beim Friesennerz durchgesetzt. Orange lief nicht so gut. "Das lag daran, dass Orange häufig im Arbeitsschutzbereich getragen wurde," sagt Linden. Wie der Spitzname der Jacke in die Welt gesetzt wurde, kann auch er nicht erklären. Vielleicht kam er in einem der vielen Ostfriesenwitze vor, die Anfang der 70er Jahre populär waren.

Der Friesennerz zeigte sich resistent gegen Regen und alle Moden: "Den wollen die Leute nur so, wie er ist", sagt Linden. Alle Versuche, ihn leichter zu machen, scheiterten am Kunden. Nur vor dem Preis hat die Modernisierung nicht haltgemacht. Heute kostet der Schlechtwetternerz rund 37,50 Euro. Ansonsten hat sich nichts geändert. Und im luftdichten Friesennerz zu schwitzen - das gehört zum Kindheitsgefühl einfach dazu. Selbst wenn man längst erwachsen ist.

Katja Weiland von Ruville / print
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