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Kulturelle Aneignung Mexiko wirft Zara und anderen Modelabels vor, Designs von Ureinwohnern kopiert zu haben

Eine während der Pandemie geschlossene Zara-Filiale in Mexiko-Stadt
Die Stickereien auf einem Zara-Kleid sollen große Ähnlichkeit mit dem traditionellen Huipil-Kleid haben
© Jacky Muniello / DPA
Mexikos Kulturministerium wirft drei Modemarken – darunter Zara – vor, traditionelle Muster von Ureinwohnern kopiert zu haben. Die Regierung fordert die Unternehmen zu einer Stellungnahme auf. Es ist nicht das erste Mal, dass Plagiatsvorwürfe laut werden.

Das mexikanische Kulturministerium beschuldigt die Modemarken "Zara", "Anthropologie" und "Patowl" der kulturellen Aneignung. Die Unternehmen hätten für ihre Kleider-Designs kulturelle Muster der Mixteca verwendet, ohne dass die indigene Gemeinschaft davon profitiert habe. Die Kulturministerin Alejandra Frausto Guerrero habe drei Briefe an die Modemarken unterzeichnet, in denen Zara und Co. zur eine Erklärung "über die Gründe für die Privatisierung von kollektivem Eigentum" aufgefordert würden.

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Jeder Brief beinhalte zudem die Aufforderung "eine respektvolle Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften zu entwickeln", heißt es in der offiziellen Mitteilung des Ministeriums. Konkret ginge es um Textildesigns, die von traditionellen Mustern aus dem Bundesstaat Oaxaca inspiriert seien.

Im Falle von Zara habe ein mint-farbenes Kleid mit grünen Stickereien für Diskussion gesorgt. Dem Ministerium zufolge ähnle das Stück dem traditionellen Huipil-Kleid und spiegle Symbole der mixtekischen Vorfahren wider. Der bei den Indigenen aufwendig handgewebte Stoff sei Teil der weiblichen Identität innerhalb der Gemeinschaft.

Ähnliche Vorwürfe macht das Kulturministerium auch dem Modelabel Anthropologie, das ein Paar mit Mixteka-Stickereien verzierte Shorts in der Kollektion aufgenommen habe. Auch die Marke Patowl habe sich der kulturellen Aneignung schuldig gemacht: So handle es sich bei mehreren T-Shits mit Blumenmustern "um eine originalgetreue Kopie der traditionellen Kleidung der zapotekischen Ureinwohner".

Der weltgrößte Modehändler Inditex, zu dem auch Zara gehört, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Das fragliche Design wurde in keiner Weise absichtlich von der Kunst des mixtekischen Volkes in Mexiko entlehnt oder beeinflusst". Das Kleid wird Medienberichten zufolge nicht mehr im Online-Shop von Zara verkauft.

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Ein wiederkehrender Streit

Dem britischen "Guardian" zufolge war die Übernahme kultureller Designs ohne die Anerkennung ihrer Herkunft in den letzten Jahren immer wieder Grund für Auseinandersetzungen. Noch im Februar sei die australische Modemarke "Zimmermann" des Plagiats bezichtigt worden. Das Label entschuldigte sich damals und nahm die fraglichen Kleidungsstücke aus dem Sortiment. Auch die französische Designerin Isabel Marant wurde 2015 beschuldigt. Sie habe sich allerdings darauf berufen, sich lediglich von der indigenen Kultur "inspiriert" haben zu lassen.

Laut einem Bericht der mexikanischen Tageszeitung "El Universal" bekräftige Ministerin Frausto bereits vergangenes Jahr in einem Interview mit dem Modemagazin "Women's Wear Daily", die kulturelle Aneignung mexikanischer Designs nicht länger tolerieren zu wollen.

Quellen: Pressemitteilung Kulturministerium Mexiko; "The Guardian"; "CNN"; "El Universal"

yks

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