Die älteste Zeder Deutschlands ist eine Riesin: Ihre Krone ist 30 Meter breit, ihr Stamm so mächtig, dass vier Menschen ihn kaum umfassen können. Doch selbst die feinsten Nasen verzweifeln an dem imposanten Kieferngewächs, das im Weinheimer Schlosspark residiert: Die Zeder duftet nicht.
Zedernholz drängt sich nicht auf
Sie ist zwar ein Nadelholz, und ihre ätherischen Öle gehören zu den bekanntesten Duftstoffen der Parfumindustrie, doch die in Deutschland verbreitete Libanon-Zeder gibt ihren Geruch nur zögerlich preis: Das Holz verströmt sein Aroma erst, wenn es frisch geschnitten ist. Deutlich ergiebiger sind da die Virginia-und Texaszedern, die in Kanada und in den USA wachsen. Ihre Späne werden zu honigfarbenem Öl destilliert und erzeugen einen Duft, der an einen Waldspaziergang denken lässt oder an das Anspitzen von Bleistiften.
Doch die duftenden Nadeln allein können die weltweite Nachfrage längst nicht mehr decken. Ihr charakteristisches Holz-Aroma wird daher weitgehend im Labor nachgebildet. Nur so ist möglich, dass Zedernholz die Basisnote zahlreicher Parfums bildet. Was den Duft besonders macht: Er bleibt haften, wenn flüchtigere Kopf- und Herznoten längst verflogen sind. Eine Eigenschaft, die schon Patrick Süskind in seinem Roman "Das Parfum" erwähnte. Über ein Kästchen aus Zedernholz schrieb er, daran hinge "geruchlich fast das ewige Leben".
Tatsächlich reicht die Geschichte des Zedernholzes weit zurück: Bereits um 950 v. Chr. soll es beim Bau des ersten Tempels von Jerusalem verwendet worden sein. In Ägypten nutzte man das Öl für Salbungen und Mumifizierungen. Im alten Tibet verbrannte man es, um Räume zu reinigen und den Geist zu stimulieren. Es erklärt, warum Zedernholz bis heute spirituell aufgeladen ist: Es steht für Stärke, Erdung und Ausdauer.
Die Parfumindustrie schätzt Zedernholz, weil es sich gut kombinieren lässt. "Mit Zitrusnoten erzeugt der Duft Frische, mit floralen Inhaltsstoffen Eleganz", sagt Lot van Rij, Innovationsdirektorin bei Rituals. Die niederländische Marke setzt vor allem bei Männerprodukten auf den warmen Holzakkord. Eine rein maskuline Note, die Abenteuerlust verspricht, ist Zedernholz jedoch nicht. In Zeiten von Unisex-Parfums kommt der Duft auch bei Frauen gut an: Er ist in "Babycat" von Yves Saint Laurent enthalten, ebenso im neuen Chloé-Duft "Cedrus".
Namensgebend ist Zedernholz hingegen selten. Der Duft drängt sich nicht auf. Für die Parfumwelt ist er das, was im Alltag oft fehlt: eine Konstante, die alles zusammenhält.