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Klug, witzig und wichtig: Warum es ein großer Fehler von Netflix ist, die Serie "Lady Dynamite" abzusetzen

Dass diese Comedy-Show nicht viel erfolgreicher war, ist ein Jammer. Aber zugegeben: Wer sich allein von der Netflix-Beschreibung zu "Lady Dynamite" lenken lässt, wird sich die großartige Serie mit der bezaubernden Maria Bamford eher nicht geben. Lest lieber hier nach, warum ihr es doch tun solltet.

"Lady Dynamite"-Hauptdarstellerin Maria Bamford mit ihren beiden Hunden

"Lady Dynamite"-Hauptdarstellerin Maria Bamford mit ihren beiden Hunden

Es ist eine der besten und eine der unterschätztesten Serien des vergangenen Jahres: "Lady Dynamite" mit der US-Komikerin Maria Bamford. Es gibt Gründe dafür, warum die Netflix-Produktion eher ein Insider-Tipp blieb – es gibt aber weitaus mehr Gründe, sich die beiden bisherigen Staffeln unbedingt anzusehen. Leider gab der Streaming-Anbieter nun bekannt, keine dritte Staffel produzieren zu wollen. Eine wirklich tragische Fehlentscheidung.

Mein Freund und ich widmeten uns "Lady Dynamite" zugegeben erst, als wir nichts anderes mehr zu gucken hatten. Mit anderen Hype-Serien waren wir gerade durch. Die Beschreibung auf der Netflix-Seite klang kompliziert und nur mäßig witzig: Eine mittelmäßig erfolgreiche Komikerin kommt nach monatelanger Psychotherapie, die sie aufgrund ihrer bipolaren Störung absolvieren musste, zurück nach Los Angeles und versucht, ihr Leben und ihre Karriere wieder in den Griff zu bekommen.

Die Grundsituation klingt so gar nicht witzig

Das soll lustig sein? Einer in Deutschland völlig unbekannten Frau mittleren Alters, überdreht und mit piepsiger Stimme, in einer nicht besonders witzigen Lebenssituation zuzuschauen? Das klang vorrangig deprimierend, bestenfalls lahm.

Skeptisch schaute ich die erste Folge. Und zuerst schien sich meine Ahnung zu bestätigen: Maria Bamford, 47, die sich in der Serie selbst spielt, ist erst einmal schwer zu begreifen. Die Serie spielt zudem recht komplex mit drei Zeitebenen: Man bekommt mit, wie es Maria vor ihrem Zusammenbruch in L.A. geht, erlebt zwischendurch mit, wie sie während der Therapie wieder bei ihren überfürsorglichen Eltern im provinziellen Städtchen Duluth lebt, und wie sie schließlich voller Elan wieder in Los Angeles durchstarten will.

Eine Szene aus der Netflix-Serie "Lady Dynamite" mit Maria Bamford

Eine Szene aus der Netflix-Serie "Lady Dynamite" mit Maria Bamford

Aber nach der ersten Folge wollte ich dann doch die zweite sehen. Und nach der zweiten war ich angefixt. Und vernarrt in die naive, gutmütige und gnadenlos optimistische Maria, die herzhaft offen mit ihrer psychischen Krankheit umgeht. Die ist in den Handlungssträngen immer präsent – IST aber nie der Handlungsstrang. Vielmehr erzählt die Serie von Bamfords Jobs in Hollywoods Medienzirkus – wie sie in fragwürdigen Sitcoms auftritt, Werbespots dreht oder um Rollen in Filmen kämpft. Viele echte Stars haben Gastauftritte – Sarah Silverman, Judd Apatow oder Patton Oswalt etwa.

In Maria Bamford ist man schnell ziemlich verliebt

Die Geschichten sind immer doppelbödig, dunkelhumorig und spielen mit den Metaebenen. Und wir lachten uns kringelig vor dem Bildschirm über die absurden Erlebnisse der Blondine. Da ist es irgendwie normal, dass ihre beiden Möpse (ja, wir sprechen von Hunden ...) sprechen können, dass ihre Maklerin, ihre PR-Agentin und ihr "Lifecoach" den gleichen Namen tragen und an allen Gebäuden deren Funktion als Schriftzug prangt ("Maria's House"). Das ist einfach dieser sympathisch wahnsinnige Witz der Serie.

Wir sind uns also einig, dass "Lady Dynamite" einfach extrem schlau und ungemein lustig ist und man der Show mindestens zwei Folgen Zeit geben sollte, um zu entscheiden, ob der Humor den eigenen Geschmack trifft. Aber ganz abgesehen von der objektiven Qualität der Serie schafft Maria Bamford es leichtfüßig und fast nebenbei, einem jede Menge Vorbehalte in Bezug auf psychische Krankheiten wie bipolare Störungen zu nehmen, unter der die Schauspielerin übrigens auch im echten Leben leidet.

Das ist richtig, richtig wertvoll. Deshalb ist es mehr als schade, dass Netflix dieser großartigen Serie keine dritte Staffel gönnen will. Aber wenn wir jetzt alle wie wild die ersten beiden Staffeln bingen – vielleicht überlegt der US-Konzern es sich ja nochmal.

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