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"Bloody Hour" Bar gibt menstruierenden Frauen 25 Prozent Rabatt - was dahinter steckt

"Man kann zu der Bar kommen und sagen 'Ich menstruiere gerade' oder 'Ich habe meine Tage' oder wie auch immer man es nennen will. Und dann bekommst du 25 Prozent Erlass auf alle Getränke für den ganzen Abend. Jedes Getränk, den ganzen Abend."
Moran Barir, die Erfinderin der "Bloody Hour", wohnt in Jaffa, dem arabisch geprägten Stadtteil von Tel Aviv. Dort hat sie in der "Anna Loulou Bar" den speziellen Discount zusammen mit einer Freundin erfunden. Doch was steckt dahinter?
Generell gehe ich sehr offen mit meiner Menstruation und dem monatlichen Zyklus um. Es ist mir sehr wichtig, weil ich durch meine eigenen Erfahrungen realisierte, dass es wichtig ist, darüber zu reden. Weil auf der einen Seite versucht die Gesellschaft immer, eine Konversation darüber zu stoppen und uns die Botschaft zu vermitteln, dass es nicht okay ist, darüber zu reden. Es ist etwas, wofür man sich schämen muss, es ist privat und intim.
Die "Anna Loulou Bar" ist eine offene, liberale Bar mit Gästen aus jeglichen Bereichen – egal welchen Glauben, Alter oder sexuelle Vorlieben sie haben. Daher waren die Besitzer der Bar auch gleich angetan von Barirs Idee.
"Die Besitzer der Bar und die Barkeeper sind alles Männer. Und ihnen ist es manchmal unangenehm, darüber zu sprechen. Sie kichern manchmal, aber sie akzeptieren es. Und sie selbst erfahren, wie es ist verlegen/beschämt zu sein."
Ob Besucherinnen wirklich ihre Periode haben, wird natürlich nicht überprüft. Das System basiert auf Vertrauen.
"Nein, bisher hatten wir niemanden, der uns anlügt. Eigentlich im Gegenteil, ich habe von den Barkeepern gehört, dass es einigen Frauen immer noch peinlich ist, es auszusprechen. Obwohl sie die Frauen ja ermutigen zu sagen: 'Kommt und erzählt uns von eurer Periode'. Trotzdem gibt es immer noch viele Frauen, denen es peinlich ist. Aber es gibt auch welche, die es sagen und ihre Scham überwinden."
"Bei der Idee geht es nicht darum zu überprüfen, ob jemand wirklich „blutet“, sondern es geht darum, eine öffentliche Diskussion loszutreten und darauf stolz zu sein – und nicht beschämt."
Barir hofft, dass auch weitere Bars die Idee adaptieren.
"Ich brauche gar keine besondere Behandlung. Aber ich möchte, dass das Thema auf den Tisch kommt. Es soll diskutiert werden und dass es anerkannt wird, was man gerade durchmacht. Vielleicht kann ich nicht einfach alles wie sonst machen, vielleicht muss ich mich heute ausruhen, vielleicht brauche ich etwas Zeit alleine. ... Das Problem, wenn wir darüber nicht reden, ist, dass das Problem gar nicht adressiert wird."
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In der "Anna Loulou Bar" in Tel Aviv bekommen Frauen, die gerade ihre Tage haben, ihre Getränke günstiger. Im Interview erklärt Moran Barir, was sie mit der "Bloody Hour" bewirken will und wie weibliche Gäste und männliche Kollegen mit der Aktion umgehen.

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