HOME

Ersatzstoff Alcarelle: Wirkung wie Alkohol, aber ohne Kater? Diese Innovation klingt nach einem Wundermittel

Ein britischer Wissenschaftler will eine Innovation erfunden haben, die dieselbe Wirkung wie Alkohol hat, aber keinen Kater am nächsten Morgen verursacht: einen Ersatzstoff namens Alcarelle. Revolutioniert das Wundermittel bald unseren Rausch?

Alcarelle: Alternative zu Alkohol – ganz ohne Kater

Am Abend macht der Alkohol noch Spaß – und beim Kater am nächsten Morgen schwört man sich jedes Mal auf's Neue: "Ich trinke nie wieder!"

Getty Images

"Drinking alcohol is like borrowing happiness from tomorrow." Es gibt wohl wenige Lebensweisheiten, die so wahr sind wie diese. Abends beim Feiern wird man durch den Alkohol locker, lustig und hat Spaß – und am nächsten Morgen möchte man am liebsten sterben. Wenn der Kater richtig zuschlägt, schwört man sich jedes Mal auf's Neue: "Ich trinke nie wieder!" Leider hält dieser Vorsatz meist nur bis zur nächsten WG- oder Geburtstagsparty. 

Abhilfe könnte nun ein neues Wundermittel namens Alcarelle verschaffen. David Nutt, ein britischer Neurowissenschaftler, hat ein Molekül entwickelt, das entspannt wie Alkohol – aber ganz ohne Kater und gesundheitliche Schäden. Seine Forschung an einer alkoholfreien Alternative begann 1983, als Nutt Doktorant war und Gegenmittel zur Trunkenheit entdeckte, also ein Medikament, das nüchtern macht, erzählt er der britischen Zeitung "The Guardian". Es kam aber nie auf den Markt, da es im nüchternen Zustand Anfälle verursachen kann. Außerdem sah Nutt keinen Sinn in seiner Entdeckung, schließlich schädige der Alkohol trotzdem die Organe. 

Alcarelle soll eine alkohol- und katerfreie Alternative werden

Doch er wusste von da an, wie die zuständigen Rezeptoren beim Alkoholkonsum funktionieren. Über die Jahre will er herausgefunden haben, welche von ihnen mit einem modifizierten Molekül stimuliert werden können, um die positiven Eigenschaften von Alkohol zu imitieren. Dadurch sei es egal, wie viel Alcarelle man zu sich nimmt, der entspannende Effekt werde nicht verstärkt. Man könne die Effekte aber auch variieren und so einen Party-Drink oder ein Getränk für einen Business-Lunch entwickeln. Das Schwierigste sei nun, das Molekül in das Getränk zu bringen. Die Sicherheitsauflagen seien sehr streng.

Zusammen mit seinem Geschäftspartner David Orren hat er 20 Millionen Pfund (mehr als 23 Millionen Euro) von Investoren für die Markteinführung von Alcarelle gesammelt. "Die Industrie weiß, dass Alkohol eine giftige Substanz ist", sagt Nutt laut "Guardian". "Wenn Alkohol heute entdeckt würde, wäre er sicher als Lebensmittel verboten. Die Empfehlung für den Alkoholkonsum wäre wahrscheinlich ein Glas Wein pro Jahr." Ironischerweise betreibt Nutt zusammen mit seiner Tochter eine Weinbar. "Ich bin nicht gegen Alkohol", sagt er. "Ich finde es nur schön, eine Alternative zu haben." Wenn Alcarelle auf den Markt komme, wolle er es auch in seiner Bar ausschenken. 

Die Markteinführung kann noch drei Jahre oder länger dauern

Vorher muss das Molekül allerdings noch einige Tests durchlaufen. Nutt, Orren und Kollegen aus dem Labor haben Alcarelle schon ausprobiert – gemischt mit Fruchtsaft, weil das Molekül keinen Geschmack hat. Zusammen mit Experten aus der Lebensmittelindustrie tüffteln Nutt und Orren nun an dem Produkt. Der Prozess, als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen zu werden, dauere laut dem "Guardian" ungefähr drei Jahre – könnte aufgrund der Einzigartigkeit aber auch länger dauern. Langfristig gesehen wollen die beiden das Molekül allerdings an externe Getränkefirmen liefern und keine eigene werden. Ein bisschen müssen wir uns bis zum Suff ohne Kater also noch gedulden ...

Zehn Fakten zum Alkohol

Verwendete Quellen: "The Guardian"

def
Themen in diesem Artikel