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Filmkritik

Kinofilm "I Feel Pretty": Komödie gegen Bodyshaming: Von Amy Schumer hätte ich mehr erwartet

Amy Schumer spielt in "I Feel Pretty" eine Frau, die ihren Körper nicht mag - bis sie sich den Kopf stößt und sich plötzlich schön findet. Der Film soll ein Statement gegen Bodyshaming sein, ist aber leider nicht zu Ende gedacht.

Bei einem Bikini-Wettbewerb tanzt sich Renee in die Herzen der Zuschauer

Fünf Kilo weniger, größere Brüste, einen kleineren Hintern, längere Wimpern, ein Stupsnäschen... wenn man Frauen fragt, was sie gerne an sich verändern würden, gibt es wenige, die antworten: "Ich fühle mich schön, so wie ich bin." 

US-Comedy-Star Amy Schumer hat den Anspruch, diese angeschlagene Selbstliebe mit ihrem neuen Film "I Feel Pretty" zu ändern. Sie spielt die Protagonistin Renee, die unzufrieden mit ihrem Körper ist und sich unsichtbar fühlt. Den Moment am Anfang des Films, als Renee mit hautfarbenem BH und Bauchweg-Höschen vor dem Spiegel steht und weinen muss, können sicherlich viele Frauen nachvollziehen. Renee wünscht sich nichts mehr, als "unfassbar hübsch" zu sein. 

"Ich bin wunderschön!"

Frustriert nimmt sie an einem Spinning-Kurs teil, der scheinbar nur von Menschen mit "perfekter" Figur besucht wird. Sie fällt vom Rad und stößt sich den Kopf. Als sie wieder wach wird und sich im Spiegel sieht, ist sie verzückt: "Ich bin wunderschön!" Die Kursleiterin steht verwirrt daneben, denn Renee sieht aus wie vorher.  

Renee blickt nach dem Sturz in den Spiegel und ist von ihrem Aussehen begeistert

Renee blickt nach dem Sturz in den Spiegel und ist von ihrem Aussehen begeistert

Ich sitze im Kino. Die Leute um mich herum lachen bei dieser Szene. Es ist lustig, weil da eine Frau jenseits von Size Zero ihren Körper abfeiert. Und das ist das Problem. Das sollte nicht lustig sein, sondern normal. 

"Es war uns allen sehr wichtig, dass Renee nie wirklich anders aussieht", erklärt Schumer in der Pressemitteilung. "Es ist interessant zu hören, was unterschiedliche Menschen denken, wie Renee sich nach ihrem Unfall selbst sieht. Manche sagen 'Warum muss sie denken, sie sei schlank, damit sie sich gut fühlt?' Und ich sage 'Du weißt gar nicht, wie sie sich plötzlich sieht'", verteidigt sie das umstrittene Film-Konzept. "Es geht darum, dass sie es liebt." 

"I Feel Pretty" mit fadem Beigeschmack

Nach dem Sturz läuft es bei Renee: Sie bekommt ihren Traumjob, datet einen netten Typen, wird endlich beachtet. Es ist wunderbar zu sehen, wie selbstbewusst und wunderschön sie durch den Film tänzelt, doch der fade Beigeschmack bleibt. Ihre Mitmenschen sind immer wieder verwirrt oder belustigt, wenn sie sich verhält wie jemand, der vollkommen zufrieden mit seinem Körper ist. Zum Beispiel, als sie bei einem Bikini-Wettbewerb mitmacht und ihre dünneren Konkurrentinnen unter den Tisch tanzt.

Bei einem Bikini-Wettbewerb tanzt sich Renee in die Herzen der Zuschauer

Bei einem Bikini-Wettbewerb tanzt sich Renee in die Herzen der Zuschauer

Schönheit mag ja im Auge des Betrachters liegen, doch der Film zeigt auch, dass besonders Frauen immer noch auf ihr Äußeres reduziert werden. Renee ist einfach so verblendet, dass sie die bösen Blicke nicht mehr wahrnimmt. Und das soll die Lösung von Bodyshaming sein? 

Neu ist der Ansatz schon mal nicht: Die romantische Komödie erinnert vom Konzept her an den aus heutiger Sicht äußerst fragwürdigen Film "Schwer verliebt", in der sich Jack Black nach einer Hypnose in die übergewichtige Gwyneth Palthrow verliebt, weil er glaubt, sie sei dünn. 

Wer Amy Schumer, die als sehr engagiert beim Kampf gegen Körper-Klischees gilt, kennt, verspricht sich viel von diesem Film - und wird leider enttäuscht. Die Message vom Film (Selbstliebe und so) ist super, aber "I Feel Pretty" kratzt nur an der Oberfläche. Zwar verlasse ich nach den fast zwei Stunden den Kinosaal mit einem Selbstbewusstseins-Boost ("Wir sind alle wunderschön!"), doch der hält nicht länger als ein Kaugummi, das nach fünf Minuten seinen Geschmack verliert. Die Story ist nett, aber nicht zu Ende gedacht. Niemand sollte sich erst den Kopf stoßen müssen, um sagen zu können: "I Feel Pretty".

Der Film "I Feel Pretty" läuft seit dem 10. Mai in den deutschen Kinos.