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Trash-TV: Prolls und Bromance: Darum ist "Die Bachelorette" viel besser als "Der Bachelor"

Die Quoten sind meist schlechter und der Zickenkrieg fällt aus - doch unser Autor hat den Start der neuen "Bachelorette"-Staffel gesehen und findet das Format deutlich besser als "Der Bachelor".

Bachelorette-Kandidaten

Es werden wieder Rosen verteilt - von der neuen Bachelorette Nadine Klein.

"Weißt du was?! Heute fängt 'Die Bachelorette' an." Mit diesen Worten öffnete mir meine Freundin am Mittwochabend die Tür. Entsprechend schnell stand fest: Ab 20:15 Uhr wird RTL eingeschaltet. Zugegeben: Ich finde kaum etwas schlimmer als Reality-Shows, aber hin und wieder kann man seiner Freundin ja auch mal einen Gefallen tun und entsprechend in den sauren Apfel beißen.

Wäre gestern "Der Bachelor" gelaufen, hätte ich mich niemals vor den Fernseher gesetzt. Wirklich viele Folgen davon habe ich zwar nicht gesehen, trotzdem ist mir der Spaß am Zuschauen schon immer in den ersten Minuten vergangen: Noch bevor sich die Kandidatinnen überhaupt richtig kennenlernen, wird gelästert. Das mag vielen Zuschauern (allen voran meiner Freundin) gefallen. Schließlich ist es das Fundament, auf dem gefühlt 90 Prozent der Reality-Shows basieren. Mir wird dabei einfach nur schlecht. Ich habe bei diesem Format das Gefühl, dass sich die Kandidatinnen extra zickig geben. Das ist mir einfach viel zu viel Drama.

Die Kandidaten sind authentischer als die Bachelorette

Einen ganz anderen Eindruck hatte ich gestern beim Auftakt von "Die Bachelorette". Zwar scheinen die männlichen Kandidaten auch nicht unbedingt die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, aber sie wirken zumindest real. So haut unter anderem der 27-jährige Eddy direkt mal einen raus: "Ich bin ein Typ, der sich nimmt, was er will!" Oha, genau so etwas wollen Frauen garantiert nicht hören. Man nimmt es ihm aber trotzdem ab. 20 Prolls in einer Villa auf Korfu zuzusehen, wie sie sich mit Alkohol volllaufen lassen finde ich erträglicher, als 20 Zicken, die im Sekundentakt ihre Meinung über die anderen Kandidatinnen ändern und lästern bis die Botoxlippen zittern. Ich muss gestehen: Am schlimmsten fand ich die neue Bachelorette selbst. Ihre säuselige Stimme und den permanenten Schlafzimmerblick. Ohne es vorher gewusst zu haben, hatte ich das Gefühl, die 32-jährige Nadine hätte auch gut als Kandidatin beim "Bachelor" reingepasst. Und was erzählt mir meine Freundin prompt: "Guck' mal, die war in der letzten "Bachelor"-Staffel dabei!" Sag ich doch. Ich riech sowas.

Umso unterhaltsamer fand ich da die Vorstellungsvideos der Männer. So viel authentisches Geprolle und selbstverliebtes Gelaber hatte ich schon lange nicht mehr im Fernsehen gesehen: "Alle Mädels warten auf den Prinz mit dem Pferd - ich würde sagen: Hier ist er". Zwar ist diese Aussage von Kandidat Jan unfassbar plump, sie passt aber wunderbar ins Bild des Macho-Mannes. Ich gebe zu, ich musste lachen. Weil es einfach eine so dumme Aussage ist. Meine Freundin konnte das gar nicht nachvollziehen. "Die sind doch einfach nur unfassbar hohl", meinte sie. Stimmt, aber die verstellen sich zumindest nicht. Gut:Ob die Jungs wirklich da sind, um die "Frau fürs Leben" zu finden? Wahrscheinlich nicht. Und dass sie sich "eher für innere Werte interessieren" würde ich jetzt auch mal vorsichtig anzweifeln. Die wollen halt ins Fernsehen und auf dem Weg noch ein paar nette Männerfreundschaften knüpfen. Wenn zwei Kandidaten ein Problem miteinander haben, dann wird Tacheles gesprochen - und nicht wie beim "Bachelor" in der hintersten Ecke gelästert. Das ist für mich wohl der wesentlichste Unterschied. Stumpf und prollig sind beide Formate, aber bei der "Bachelorette" habe ich den Eindruck, ehrliches Trash-TV zu gucken.

Ich mag die Bromance, die die Kandidaten pflegen - so etwas sieht man ja eher selten im Fernsehen. Nochmal einschalten werde ich aber wohl trotzdem nicht. Da gefallen mir meine Männerfreundschaften im echten Leben doch besser.

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