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"Schamlos, aber stumpf" : Neue Show "Who is America?": Darum funktioniert der Borat-Humor in Trump-Zeiten nicht mehr

Heute startet Sacha Baron Cohens neue Show in Deutschland. In den USA wird "Who is America?" bereits heiß diskutiert. Die Reaktionen auf die erste Folge fallen ausgesprochen unterschiedlich aus – und weisen auf ein grundsätzliches Problem dieser Tage hin.

Sacha Baron Cohen

Sacha Baron Cohen im März bei einer Oscar-Party in Beverly Hills

Picture Alliance

Der britische Komiker Sacha Baron Cohen hat sich nach mehr als zehn Jahren wieder in die Welt der Fernsehsatire gewagt. Sein Siebenteiler "Who is America?" startete am Sonntag beim US-Bezahlsender Showtime, ab heute wird er immer dienstags um 20.15 Uhr auf Sky zu sehen sein. Dafür schlüpfte Cohen in vier verschiedene Rollen, darunter die der ultraliberalen Nira Cain-N'degeocello mit pinkfarbener Mütze, die bei Wählern des US-Präsidenten Donald Trump zu Besuch ist.

In einer weiteren Rolle wird der 46-Jährige, der vor rund zehn Jahren als kasachischer Journalist "Borat" und homosexueller österreichischer Modereporter "Brüno" berühmt wurde, zum israelischen Anti-Terror-Experten Erran Morad, der Republikaner hinters Licht führt, indem er sie für einen Plan zur Ausbildung von drei- und vierjährigen Kindern an der Waffe gewinnt.

Sacha Baron Cohen: "Ein Moment viralen Goldes"

Vor dem Sendestart wurde selbstverständlich aufwändig die Werbetrommel gerührt: In einem Spot ist beispielsweise der ehemalige US-Vizepräsident Dick Cheney dabei zu sehen, wie er ein "Waterboarding-Kit" zum Foltern mit seiner Unterschrift versieht. 

So wirkt "Who is America?" wie ein ambitioniertes Projekt, von dem sich Fans dank des großen Talents von Cohen zu Recht viel versprechen. Die ersten Kritiken fallen allerdings gemischt aus: Die Zeitung "Guardian" lobte einen "Moment viralen Goldes", bezeichnete den Rest aber als "überwiegend frustrierend". Die "New York Times" kommentierte die erste Episode als "lau und inkonsequent" und nicht zeitgemäß.

Satire bestätigt bloß "trollhafte" US-Politik

In die gleiche Kerbe schlägt das Magazin "The Atlantic" und nennt Cohens Satire "schamlos, aber stumpf". Das Magazin verweist damit ebenfalls auf ein grundsätzliches Problem dieser Tage: Den Wahnsinn, der von Wahsington ausgeht, mit noch so scharfer Satire zu entlarven, kann nicht mehr funktionieren. Auch der wildeste Stunt würde nur bestätigen, wie "trollhaft" die US-Politik geworden sei.

So könnte Baron Cohen am Ende des Tages mit "Who is America?" eine besonders bittere Wahrheit aufgedeckt haben, die er so sicher nicht präsentieren wollte: Die Wahrheit, dass der Borat-Humor von Donald Trump zur Bedeutungslosigkeit degradiert wurde. Ein weiteres trauriges Vermächtnis des aktuellen US-Präsidenten. Wäre es doch bloß sein einziges.

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tim mit AFP
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?