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Kult-Serie: Apu fliegt bei den Simpsons raus – und das ist der Grund

Seit 30 Jahren kaufen die Simpsons beim sympathischen Inder Apu Nahasapeemapetilon ein. Jetzt soll er aus der Serie gestrichen werden – als Vorsichtsmaßnahme.

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Lebensmittel, einen Squishee – und nebenbei ein paar weise Worte. Wenn die Simpsons einkaufen gehen, tun sie das im Kwik-E-Mart – und damit bei Apu Nahasapeemapetilon. Der sympathische Inder mit dem starken Akzent gehört seit Staffel 1 der Kultserie zum festen Ensemble. Jetzt soll er gestrichen werden - wegen Rassismus-Vorwürfen.

Das berichtet Hollywood-Produzent Adi Shankar gegenüber "Indiewire". Der Mann hinter Action-Filmen wie "Dredd" und der Netflix-Serie "Castlevania" will diese Info von gleich drei Mitarbeitern aus dem Simpsons-Team bekommen haben, einer von ihnen soll direkt für Simpsons-Erfinder Matt Groening arbeiten. Shankar, der selbst indische Wurzeln hat, wollte eigentlich mit den Machern zusammenarbeiten, um die als "Apu-Problem" Wellen schlagenden Vorwürfe zu besänftigen. Die Macher wollen seiner Angabe nach mit dem Rauswurf die Kontroverse beenden, bevor sie weiter eskaliert.

Das Problem mit Apu

Ursprung der Diskussion ist die Dokumentation "The Problem with Apu", in der der indisch-stämmige Hari Kondabolu aufzeigte, auf welche Weise Apu die negativen Klischees der amerikanischen Gesellschaft gegenüber indisch-stämmigen Menschen bestätigt. Natürlich hat er einen Doktor der Computerwissenschaften, ist illegal eingewandert, zwangsverheiratet und hat acht Kinder. Und: Selbst nach 30 Jahren – und einer Einbürgerung – spricht er Englisch, als wäre er gerade aus Kalkutta angekommen.

Shankar findet die Streichung der Figur aber nicht richtig. Seiner Ansicht nach ist es durchaus wichtig, eine indisch-stämmigen Figur in der Serie zu haben – nur sollte es eben richtig gemacht werden. Aus diesem Grund hatte er im April einen Wettbewerb gestartet, dessen Ziel es war eine Folge zu schreiben, die Apus Wandlung vom Klischee zur vollwertigen Person umsetzen kann, die nicht den Klischees "eines von weißen Harvard-Absolventen beherrschten" Schreiberteams entstammt. Im Gewinner-Script sollte sich Apu vom kleinen Ladenbesitzer zum Industrie-Magnaten hocharbeiten, unter Unterstützung bekannter indisch-amerikanischer Persönlichkeiten.

Die Simpsons setzen auf Humor

Ob die Folge je umgesetzt wird, ist fragwürdig. Eine Anfrage von "IndieWire", ob Apu wirklich gestrichen werden soll, wurde vom Studio nur mit einem Hinweis kommentiert, dass er jüngst in einer Folge vorkam. Allerdings stand er dort nur mit Dutzenden anderen Figuren im Hintergrund. 

Wahrgenommen wurde das Problem aber durchaus. In der Folge "No Good Read Goes Unpunished" aus diesem Jahr ging die Sendung auf ihre politisch-korrekten Kritiker ein. In einem älteren Buch entdeckt Lisa eine rassistische Stelle – und merkt an, dass manche Klischees eben erst nach Jahren als rassistisch wahrgenommen werden. Ein Produzent wies zudem darauf hin, dass Apu in den letzten Jahren kaum noch eine Rolle spielte.

Apus (weißer) Sprecher Hank Azaria hat ebenfalls eine Lösung der Frage in Aussicht gestellt. Er hatte in einem Interview in der Late-Night-Sendung von Stephen Colbert schon im April angeboten, die Rolle an einen anderen Kollegen abzutreten. Azaria, der auch den Barkeeper Moe und Polizei-Chef Wiggum spricht, gab dabei offen zu, Apus Akzent gar nicht auf dem von wirklichen indisch-stämmigen Menschen aufgebaut zu haben – sondern auf der Klischee-Darstellung eines Inders durch den britischen Schauspieler Peter Sellers aus den Siebziger Jahren.

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mma