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Karfreitag: Warum "Piratensender Powerplay" heute nicht im Kino laufen darf

Allerlei Beschränkungen gelten an Karfreitag. Es ist ein "stiller Feiertag", an dem laute Musik und Tanz verboten sind und auch Kinobetreiber vorsichtig sein müssen. Mehrere hunderte Filme dürfen nicht gezeigt werden.

Am Karfreitag gelten im Kino Aufführungsverbote für bestimmte Filme (Symbolbild)

Am Karfreitag gelten im Kino Aufführungsverbote für bestimmte Filme (Symbolbild)

Karfreitag - ein Tag frei, das lange Osterwochenende wird eingeläutet. An dem stillen Feiertag soll der Kreuzigung Christi gedacht werden und wie auch am stillen Feiertag Allerheiligen bringt Karfreitag allerhand Verbote mit sich. Laute Musik ist verboten, genauso wie öffentliche Tanzveranstaltungen. Und auch Kinobetreiber müssen bei der Zusammenstellung ihres Programms besondere Vorsicht walten lassen.

Die Gesetze der Bundesländer verbieten es, Filme, "die dem ernsten Charakter dieser Feiertage widersprechen", öffentlich vorzuführen, so die "Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft" (FSK). Um den Kinobetreibern die Programmauswahl zu erleichtern, hat die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) ihnen vor zwei Jahren eine Liste zur Verfügung gestellt, die alle Filme enthält, die "dem Charakter dieser Feiertage so sehr widersprechen, dass eine Verletzung des religiösen und sittlichen Empfindens zu befürchten ist", die also nicht feiertagsfrei sind.

Hunderte Filme dürfen an Karfreitag nicht laufen

Aufgeführt sind darauf alle Filme, die seit 1980 in die Liste aufgenommen wurden, insgesamt rund 750 Stück.

Darunter finden sich schlüpfrige Softporno-Streifen wie "Hausfrauenreport international", "Die Nackte von Sados" oder "Maßlose Teenager", aber auch Actionfilme oder Thriller wie "Bruce Lee - Das Spiel des Todes", "Die Stahlfaust" oder "Blade". 

Es stehen aber auch allerlei Filme auf der Liste, bei denen es kurios anmutet, dass sie an den stillen Feiertagen nicht im Kino gezeigt werden dürfen, zum Beispiel:

  • "Piratensender Powerplay" (Klamauk mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger)
  • "Vier Fäuste für ein Halleluja" (Haudrauf-Komödie mit Bud Spencer und Terence Hill)
  • "Meisterdetektiv Blomquist - sein schwerster Fall" (Kinderfilm nach Astrid-Lindgren-Vorlage)
  • "Monty Pythons - Der Sinn des Lebens" (Kult-Satire, u.a. mit John Cleese)
  • "Der zerbrochene Krug" (Lustspiel von Heinrich von Kleist)

+++ Hier gibt es die komplette Liste der SPIO +++

Auch viele harmlos wirkenden Filme auf der Liste

Wieso können solche harmlos wirkenden Filme das "religiösen und sittliche Empfinden" verletzten und dürfen am Karfreitag nicht im Kino gezeigt werden? Dafür gibt es eine einfache Erklärung: der Zeitgeist. Laut SPIO gab es in den vergangenen Jahrzehnten eine "Veränderung von gesellschaftlichen Wert- und Normvorstellungen hinsichtlich des Medienkonsums an den gesetzlich geschützten stillen Feiertagen". So landeten zum Bespiel Komödien früher häufiger auf der Liste, weil sie dem "Ernst der stillen Feiertage" widerprachen. Und eine Nachprüfung der Filme auf der Liste findet nur bei einer Wiedervorlage statt, zum Beispiel wenn ein Kinobetreiber vorhat, einen dieser Streifen an stillen Feiertagen zu zeigen - das dürfte zum Beispiel bei "Piratensender Powerplay" nicht allzu häufig vorkommen.

Den gesellschaftlichen Wertewandel macht die SPIO noch an einem anderen Fakt fest: In den 1950er-Jahren landeten noch rund 60 Prozent aller neuen Kinofilme auf der Verbotsliste, seit 2000 nur noch etwa ein Prozent.

Hinzu kommt: Das Kino ist der einzige Verbreitungsweg, der diesen Beschränkungen unterliegt. Fernsehsender müssen sich nur an die geltenden Jugendschutzgesetze halten, Streaminganbieter richten ihr Angebot ohnehin an Erwachsene, die slebst entscheiden können, was sie sehen wollen.

Inweit die spezielle Feiertagsregelung für Kinobetreiber noch zeitgemäß ist, nennt die SPIO, "diskussionswürdig". Hier sei jedoch der Gesetzgeber gefragt.

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals an Allerheiligen 2017. Anlässlich des Karfreitags veröffentlichen wir ihn an dieser Stelle erneut in einer aktualisierten Version.

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wue
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