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Im Kino: Warum "Lady Bird" krasser ist als jeder Horrorfilm

In "Lady Bird" sehen wir eine Mutter-Tochter-Beziehung, die so real scheint, das es fast weh tut. Weshalb der Oscar-nominierte Film von Greta Gerwig so wichtig ist.

Lady Bird

Eine Mutter-Tochter-Beziehung, wie sie das Leben schreibt: Lady Bird (Saoirse Ronan) und ihre Mutter (Laurie Metcalf)

Die US-Medien waren voll mit Zitaten von Müttern und Töchtern: "Oh Gott, das sind ja wir!" oder "Genau so war es bei uns auch!", hieß es überall. Die Rede ist von "Lady Bird", dem Oscar-nominierten Regie-Debut von Greta Gerwig. Wer den Coming-of-Age-Film sieht, wird sich unweigerlich an die eigene Pubertät zurück erinnern - und vor allem an die vielen Streitereien mit der Mutter. Doch es ist nicht selbstverständlich, dass "Lady Bird" viele Zuschauer so sehr berührt.

Eigentlich könnte alles ganz nach Klischee ablaufen: Ein junges Mädchen, eine amerikanische Kleinstadt, das erste Mal, der Abschlussball - die Motive in "Lady Bird" kennen wir aus der Filmgeschichte genug. Doch Greta Gerwig schafft es, ihrem Film so viel Wucht und Tiefe zu verleihen, dass das Genre fast wie neu wirkt.

"Lady Bird" trifft den Teenie-Ton perfekt

Im Mittelpunkt steht Teenager Christine, die sich selbst Lady Bird nennt, etwas Besonderes sein will und dabei doch so herrlich normal ist. Es ist das Jahr 2002, Christine steht kurz vor dem Schulabschluss und will endlich raus aus Sacramento und rein ins Leben. Ihr Vater ist arbeitslos, ihre Mutter Marion arbeitet als Krankenschwester hart, um die Familie durchzubringen. Doch für Lady Bird ist das alles nicht gut genug. "Wir wohnen auf der falschen Seite der Bahngleise", kommentiert sie beispielsweise verächtlich ihr Zuhause. Marion hingegen kann ihre Tochter nicht loslassen und geht oft unerbittlich und hart mit ihr um.

Es sind vor allem die Dialoge, die den Sound der Pubertät perfekt treffen. "Ich weiß, dass du mich lieb hast, aber magst du mich auch?", fragt Lady Bird einmal. "Ich will einfach nur, dass du das Beste aus dir machst!", weicht Marion aus. "Was, wenn das schon das Beste ist?", antwortet Lady Bird und kassiert einen Blick von Marion, der einem kalte Schauer über den Rücken rieseln lässt. Viele verletztende Worte schocken fast mehr als mancher Horrorfilm. Wie Gerwigs Drehbuch es trotzdem schafft, für beide Frauen beim Zuschauer Verständnis und Zuneigung hervorzurufen, ist großes Kino. Eben weil es genau um die scheinbar banalen Dinge geht, die kleinen Momente im Alltag, die aber zu einer Zeit kommen, in der Teenies die großen Fragen umtreiben.

Ab ins Kino - am besten mit Mama!

Dass "Lady Bird" außerdem eine selbstbewusste Mädchen-Figur mit Stärken und Schwächen zeigt, ist eine Abwechslung, die nicht nur angenehm, sondern auch wichtig ist. Viel zu oft sind Frauen in Coming-of-Age-Filmen die Randnotiz zur Entwicklung der männlichen Hauptdarsteller. Hier ist es nicht nur umgekehrt - der Film widmet sich auch explizit den zahlreichen weiblichen Beziehungen, die das Leben hergibt. Und Überraschung: Die drehen sich nicht immer um Männer. Wie Lady Bird etwa ungeschickt ihre Loyalität zwischen einer alten und einer neuen Freundin aushandelt, ist etwas, was man im Kino nicht oft zu sehen bekommt. Im echten Leben aber umso öfter.

"Lady Bird" läuft ab dem 19. April auch bei uns im Kino. Wer sich traut, geht mit Mama rein.

Trailer: Lady Bird: Christines Traum vom Erwachsenwerden
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