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Netflix-Serie: Netflix-Serie mit dicker Hauptfigur schon vor dem Start in der Kritik

Auf den Trailer der neuen Netflix-Serie "Insatiable" folgte ein Shitstrom. Eine Petition versucht nun sogar, den Start der Serie zu verhindern. Grund dafür ist eine fragwürdige Einstellung zum Thema Bodyshaming.

Von Brid Johnen

Netflix Insatiable

"Insatiable" läuft ab August auf Netflix

Seriennachschub bei   - aber dieses Mal gibt es Ärger: Schon vor dem Start der neuen Serie "Insatiable" regt sich das Internet tierisch auf. Grund dafür ist die im Trailer angedeutete Handlung. Im Mittelpunkt der Teenie-Serie steht die High-School-Schülerin Patty. Sie wird wegen ihres Gewichts auch "Fatty" genannt und von ihren Mitschülern gemobbt. An dieser Stelle könnte man Netflix dafür loben, die wichtigen Themen Bodyshaming und Mobbing zu behandeln. Leider geht die Handlung dann weiter – und das in eine ganz andere Richtung. Nach den Sommerferien hat Patty plötzlich einen schlanken "Traumkörper". Weil das irgendwie logisch begründet werden muss, lässt Netflix Patty auf einen Obdachlosen treffen, der ihr den Kiefer bricht. Ja, richtig gelesen... Sie kann daraufhin nichts mehr essen und nimmt fast ohne Anstrengung ab.

An dieser Stelle kommt die Frage auf, ob es nicht ziemlich unangenehm sein muss, einen Sommer lang Hunger zu haben? Darum geht es bei "Insatiable" aber nicht. Patty bekommt durch die körperliche Verwandlung nämlich neues Selbstbewusstsein. Von allen Mitschülern als "attraktiv" betrachtet, beginnt sie, sich an den ehemaligen Mobbern zu rächen.  Der Zuschauer darf ehemals "Fatty" dann dabei zuschauen, wie sie die "Macht des Schlankseins" ausspielt.

"Die Serie wird zu Essstörungen führen"

Eine Geschichte, in der ein dickes Mädchen erst dann Selbstbewusstsein und Anerkennung bekommt, wenn sie abnimmt und dem gängigen Schönheitsideal entspricht? Da sollten wir eigentlich schon weiter sein. Das dachten sich wohl auch die 160.000 Personen, die bereits eine  gegen die Serie unterschrieben haben. Darin wenden sie sich an Netflix und bitten, die Serie nicht wie geplant ab dem 10. August auszustrahlen. Userin Florence Given, die die Petition startete, schreibt: "Jungen Mädchen wird vermittelt, dass sie abnehmen müssen, um wertvoll zu sein. Die Serie wird zu Essstörungen führen."Die Erfolgsaussichten der Petition sind eher gering. Stattdessen bringt jeder Aufschrei Aufmerksamkeit für die Serie einerseits, aber andererseits auch Aufmerksamkeit für das Thema Bodyshaming.

Netflix in der Kritik: Diskriminierung für Dicke

Verwerflich oder nicht, die Idee der Netflix-Serie ist nicht neu. Seit Jahrzehnten produziert Hollywood Stoff nach dem "American Dream des Körperbilds": "Nimmst du ab, hast du Erfolg." Die platte Handlung überrascht für eine Netflix-Serie trotzdem. In der Vergangenheit hatte der Konzern versucht, Verständnis für die Themen Essstörungen, Mobbing und Depressionen zu schaffen. Allerdings wurde auch die Serie "Tote Mädchen lügen nicht", die letztere Themen behandelt, stark kritisiert. In ihrem Fall wurde Netflix vorgeworfen, Betroffene mit brutalen Darstellungen zu triggern und die Aufmerksamkeit nach einem Selbstmord zu verherrlichen.

"Insatiable", auf Deutsch "unersättlich", könnte nun einen negativen Einfluss auf Zuschauer haben, die mit ihrem Körper unzufrieden sind - so die Meinung der Kritiker. Besonders prekär: Die Schauspielerin Debby Ryan ist selbst schlank und trägt für den Dreh nur einen Fatsuit. Für ihre zauberhafte Verwandlung kann sie diesen einfach ablegen. Wieder stellen sich Fragen: Wie fühlen sich wohl dicke Zuschauer, wenn die hübsche Hollywoodschauspielerin eben aus dem Anzug springt und alle finden sie toll? Was denken Betroffene, die auch ohne Modellfigur Freunde haben und selbstbewusst leben? Wie fühlen sich Männer und Frauen, die täglich damit kämpfen, ihren Körper so zu lieben, wie er ist?

Bodyshaming: Alles nur ein Scherz?

Die Schauspieler fühlen sich mit der Kritik völlig falsch verstanden. Auf Twitter schreibt Debby Ryan alias "Fatty", man wolle das schwierige Thema Mobbing satirisch behandeln. Indem man darüber lache, könne man den Schmerz besiegen.

Auch Alyssa Milano, ebenfalls Teil des Casts, schreibt, man würde auf lustige Art und Weise auf das Problem "Fat Shaming" hinweisen.

Den meisten Twitter-Usern reicht das nicht. Sie stellen die entscheidende Frage: "Warum muss Patty im Jahr 2018 erst abnehmen, um akzeptiert zu werden?"