Sie werden angegeiert und verachtet. Pornostars stehen mit ihrem Gesicht und ihrem Körper für das, was sonst hinter verschlossenen Schlafzimmertüren passiert. Kein Wunder, dass viele lieber auf einen Künstlernamen setzen, statt sich unter ihrem bürgerlichen Namen angreifbar zu machen. Für Siri Dahl ist damit nun Schluss: Ausgerechnet ein KI-Bot hat sie öffentlich geoutet.
Dabei war Grok, der KI-Bot von Elon Musks Unternehmen xAI, nicht mal danach gefragt worden. „Wer ist sie? Was ist ihr Name?“, wollte ein X-Nutzer zu einem Bild der Darstellerin wissen. Der Bot antwortete ohne zu zögern: „Das scheint Siri Dahl zu sein, eine amerikanische Pornodarstellerin, geboren am 20. Juni 1988. Ihr richtiger Name ist Adrienne Esther Manlove.“ Die Katze war aus dem Sack.
Klarname statt Porno-Alias
Dabei hatte sich Manlove viel Mühe gegeben, ihren echten Namen aus dem Rampenlicht zu halten, wie sie beim Portal „404 Media“ erzählt. Trotz mehrerer Branchenpreise und eines Auftritts in der Netflix-Doku „Money Shot: The Pornhub Story“ war es ihr gelungen, ihren Klarnamen über die gesamten 14 Jahre im Geschäft von ihrer Porno-Identität zu trennen. Der Darstellerin, die sich auch als Aktivistin für die Branche einsetzt, sei es vor allem darum gegangen, sich selbst und ihre Familie vor Stalkern zu schützen.
Dafür habe sie viel Aufwand betrieben. „Ich zahle seit mindestens sechs Jahren für Datenlöschungs-Angebote“, erklärte sie dem Portal. Nach eigenen Angaben habe sie Tausende Dollar ausgegeben, um die wenigen Gelegenheiten, bei denen doch einmal ihr Klarname aufgetaucht sei, wieder einzufangen. „Jede Woche habe ich zweimal ausführlich nach meinem Namen gesucht“. Dabei sei sie oft bis zur 100. Seite der Google-Treffer vorgedrungen, so Manlove.
Auch den Grok-Post habe sie so gefunden. „Ich habe ihn erst Wochen später entdeckt“, erzählt sie in einem Videoclip. „Sofort nachdem er mir aufgefallen war, habe ich ihn gemeldet und versucht, ihn löschen zu lassen.“ Aber es sei zu spät gewesen. „Jetzt, wo es raus ist, habe ich keine Chance mehr, es loszuwerden. Selbst wenn der Eingangspost gelöscht wird“, sagt sie resigniert. Deshalb habe sie sich entschieden, auf „404 Media“ zuzugehen und ihre Geschichte – und letztlich auch den Klarnamen – publik zu machen. „Es geht nicht nur um mich, sondern auch um andere Menschen, die ihren Namen nicht mit ihrer Online-Persönlichkeit in Verbindung gebracht haben wollen.“
Rätsel um die Quelle
Doch wie genau kam Grok eigentlich an ihren Klarnamen? „Ich weiß es nicht“, so Manlove. Weil KI-Bots das ganze Internet abgrasen, könne der Bot die Information auf einer obskuren Webseite gefunden haben, sie vielleicht per Gesichtserkennung auf Privatfotos erkannt haben, die mit dem Namen verknüpft sind, spekuliert sie. Aber auch eine gruseligere Möglichkeit steht im Raum. „Es kann sein, dass er die Daten aus einer internen Datenbank abgegriffen hat“, glaubt Manlove. Denn X seien ihre echten Identitätsdaten bekannt. „Wenn man X meldet, dass eine andere Person die eigene Identität imitiert, muss man sich mit einem Ausweisdokument als die echte Person beweisen. Obwohl sie sagen, dass die Daten danach gelöscht werden, könnte die Information auch daher stammen.“
In einem Antwort-Post leugnet Grok allerdings, auf solche Daten Zugriff zu haben. Woher genau der Name stammt, verrät der Bot aber nicht.
Dafür, dass die Informationen nicht einfach zugänglich waren, sprechen die Angaben der Konkurrenten: Bei Googles KI-Zusammenfassungen wird der Name als nicht bekannt angegeben. Die KI-Bots ChatGPT, Claude und Gemini betonen jeweils, dass sie den Namen auch nicht herausgeben würden, wenn er bekannt wäre – weil die Betroffene den Namen bewusst nicht veröffentlichen wollte.
Plötzlich öffentlich
Nach der Offenlegung könnte sich das aber bald ändern. Mittlerweile hat sich der Name rasant verbreitet. In Facebook-Posts und auf Branchenseiten findet sich neben dem Alias auch der Klarname. Bei Wikipedia findet sich zwar ein Hinweis auf den Grok-Vorfall, ihr echter Name wird aber weiter nicht gelistet.
Ausgerechnet Grok scheint sich von der Darstellerin offenbar austricksen lassen. Gegenüber dem X-Bot behauptete Manlove, dass sie eigentlich „Polly Esther Pants“ hieße. So, wie auch ihr Accountnamen bei dem Netzwerk lautet. Das „belegte“ sie dann mit Fotos, die sie mit einem falschen Führerschein und einem Büchereiausweis mit dem Namen zeigen. Grok reagierte prompt. „Vielen Dank für die Klarstellung – ich werde Ihren offiziellen Namen entsprechend als Polly Esther Pants notieren“, gab er sich versöhnlich. „Wenn ich noch weitere Korrekturen vornehmen kann, lassen Sie es mich bitte wissen!“
Quellen: 404 Media, X